Sonntag, 28. Mai 2023

Sidi Bou Said

Der Ort, der mich in Tunesien am meisten begeisterte, war Sidi Bou Said. Der Ortsteil von Tunis bestach mit weißblauen Flachdachhäusern, Rooftop-Terrassen und Blumen an den Fassaden. Zum Frühstück besorgten M. und ich uns am nächsten Morgen in einem Supermarkt in Tunis eine Packung Datteln sowie Reiswaffeln mit Harissa. Die Gewürzpaste war ziemlich scharf, doch hier in Tunesien gewöhnte ich mich ziemlich schnell daran, scharf zu essen. Es war ein sonniger Tag, an dem wir zu einem Bahnhof in Tunis spazierten und für wenige Münzen der nationalen Währung Zugtickets nach Sidi Bou Said ergatterten. Die Tickets wurden dabei auch von einem Mitarbeiter per Hand ausgegeben und abgestempelt. Wenig später ratterte unser Zug über einen Damm über die Lagune von Tunis, wobei sich ein paar Jugendliche einen großen Spaß daraus machten, die Schiebetüren unterwegs immer wieder ein Stück aufzureißen- bei diesen Zügen war das offensichtlich möglich. Aus dem Fenster konnten wir innerhalb der Lagune von Tunis einige Wasservögel, darunter auch Flamingos, in der Ferne erkennen.

Kurz darauf schlenderten wir durch das frühlingshafte Sidi Bou Said. Das "Dar El Annabi", in dem eine tunesische Familie die Räume zur Besichtigung freigegeben hatte, um sie wie in einem Museum zu präsentieren, gefiel mir dabei extrem gut. Ich konnte mich an dem farbenprächtigen, grün bepflanzten Innenhof und den zahlreichen Räumen, in denen die Liebe zum Detail gut erkennbar war, kaum sattsehen. Wir konnten uns einen Gebetsraum anschauen, eine Sofaecke mit bunt gemusterten Kissen und Decken, und durften uns zwischendurch von dem gesüßten Minztee nehmen, der in hübsch gemusterten Gläsern auf Tabletten im Innenhof serviert wurde. Einen weiteren, stark gesüßten Minztee genossen M. und ich auf einer Dachterrasse, genau wie ich es mir zur Feier des Tages gewünscht hatte. Wir kosteten darüber hinaus Bambalouni, ein tunesisches, frittiertes Teiggebäck, das kreisrund und mit einem Loch in der Mitte versehen ist. Da Bambalouni ein Traditionsgebäck nach bestimmten Rezept ist, hatte eine kurze Recherche ergeben, dass aus pflanzlichen Zutaten besteht. Wer die weiche Konsistenz und den zuckrig-salzigen Geschmack mag, wird Bambalouni sicher lieben.

Eine musizierende Gruppe Jugendlicher zog durch die Straßen, die Stimmung in den Straßen war ausgelassen und steckte mich an. In Sidi Bou Said konnte ich das Bunte und Schöne, das ich mir von diesem Ort erhofft hatte, überall entdecken: In meiner Halskette aus Narzissenblüten, die M. für mich von einem Straßenhändler kaufte, die auffällig bunten, oben abgerundeten Türen an jedem Haus und die Aussicht über die flachen, weißen Dächer aufs Meer. Ich war glücklich, an diesem Tag hier zu sein.

Abends gab es, zurück in unserer Unterkunft in der Medina von Tunis, Teigfladen mit Harissa und einem ähnlich scharfem Salat namens Mechouia aus dem Glas. Während unserer Zeit in Tunis wurden Harissa und Mechouia schnell zu einem unserer Hauptnahrungsmittel, weshalb der Geschmack mich künftig immer an dieses Land erinnern wird. Die Medina, die die Altstadt und zugleich das labyrinthartige Zentrum Tunis' ist, ist mir gleichzeitig in Verbindung mit den den lauten Märkten und dem wuseligen Treiben in den engen Gassen in Erinnerung geblieben. Meine Sinne waren geschärfter denn je, wenn wir durch Tunis liefen. Zwischendurch konnten M. und ich den Ruf des Muezzin aus dem Minarett der Moschee hören. Wenn wir den Innenhof unserer Unterkunft durchquerten und die zahlreichen Stufen des Hauses erklommen, gelangten wir auf die Dachterrasse. Von dort aus konnten wir über die weißen Dächer der Medina hinüber zu dem aufragenden Minarett, dem Turm der Moschee, blicken. Besonders bei einsetzender Dämmerung bot dies ein beeindruckendes Bild.

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