Samstag, 27. Mai 2023

Am Fuß des qualmenden Ätna in Catania

Wenn ich an Catania zurückdenke, denke ich vor allem an den Ätna, an dessen Fuß die Stadt liegt. Von der Präsenz des sizilianischen Vulkans zeugen die dunklen, aus Lavagestein erbauten Häuser, die Arancini, frittierte Reisteilchen mit verschiedenen Füllungen, die in dieser Region vulkanförmig sind, und der Blick, der zwischen den Häusern immer wieder auf selbigen fällt, besonders bei klarem Wetter.

Frühmorgens kehrten wir von Malta mit einer Fähre zurück nach Pozallo, die mit ihren bequemen Sesseln wieder nach meinem Geschmack war. In Pozallo angekommen hatten wir Glück, dass wir spontan für kleines Geld einen Reisebus zum Flughafen von Catania erwischten, nachdem sich herausstellte, dass im Fährenticket doch kein Zug nach Catania vom Fähranleger inkludiert war. Vom Flughafen in Catania brachte uns ein Zug der Trenitalia ziemlich schnell ins Zentrum. Das Erste, was wir dort probierten, waren Arancini in genau dieser eben erwähnten, spitzen Vulkanform.

Catania erwies sich während unserer Tage dort als trubelige, dreckige Stadt mit süditalienischem Flair. Es gab an vielen Ecken neben den Marktständen mit Lebensmitteln Stände, an denen frisch gepresster Saft verkauft wurde. Ab und zu hielten dort auch Vespafahrer*innen an, um sich einen Saft zu kaufen und dann wieder davonzubrausen. 

Gleich am nächsten Tag gingen wir zusammen mit dem Geologen Mc. und einer Gruppe weiterer Vulkan-Interessierter auf eine geführte Tour abseits der Touri-Massen den Ätna hinauf. Auf diesen Tag freuten wir uns nach dem Ausflug auf den Vesuv schon lange. Bevor wir aufgebrochen waren, hatte ich noch nie einen aktiven Vulkan gesehen und nun war dies schon der dritte, in dessen Nähe wir uns aufhielten, selbst wenn wir Stromboli nur von Weitem hatten erkennen können. Der Guide sei genau genommen nicht er selbst, erklärte uns Mc. dabei, sondern seine kleine, weiße Hündin Gea. Bei der Autofahrt, durch die uns Mc. sowie ein kanadisches Ehepaar ein Stück den Vulkan hinaufbrachte, schlossen Gea und M. auf dem Vordersitz sehr schnell Freundschaft. Sie saß abwechselnd auf Mc.'s und seinem Schoß und freute sich genauso sehr wie wir auf die Tour. Bei einer kurzen Pause gönnten wir Reisenden uns einen Espresso und ließen uns dann weiter die freigeschaufelten Straßen zwischen den Schneemassen auf den Ätna fahren. 

Als wir eine gewisse Höhe erreicht hatten, wurden wir mit Trekking-Stöcken und Wanderstiefeln ausgestattet. Das Wetter war sonnig und die Luft sowohl frisch als auch klar. Mit den Trekkingstöcken arbeitete sich unsere Reisegruppe im Gänsemarsch den Vulkan hinauf, während sich unter unseren Füßen glitzernder Schnee mit dunkler Vulkanerde abwechselte. Unterwegs begegnete unsere Wandertruppe einer Frau, die offenbar auf eigene Faust und ohne Ausrüstung den Vulkan zu erklimmen versuchte. Unsere Guide rieten ihr, umzukehren, weil dies ein sehr gefährliches Unterfangen sei, doch es dauerte eine Weile, bis sie es einsah und den Rückweg antrat. Mc. klärte uns während der Wanderung neben vieler anderen Fakten zum Ätna darüber auf, dass ein Vulkan wie dieser von manchen Menschen leider unterschätzt wird und daher einige von den Lavahöhlen, die auf dem Vulkanberg existieren, offiziell nicht mehr betreten werden dürfen, um Unfälle mit der brodelnden Lava zu verhindern. Eine Lavahöhle bekamen wir auf der Tour auch zu sehen. Das dunkle Gestein war innen hohl und an einer Seite nach außen offen, sodass wir ein kleines Stück hineingehen konnten. M. nahm sich einen kleinen, leichten Lavastein mit lauter kleinen Löchern von dem herumliegenden Geröll als Andenken mit, nachdem Mc. uns die Entstehung von Lavagestein erklärt hatte.

Zur Mittagszeit waren wir an einem Punkt angelangt, von dem aus wir dem rauchenden Gipfel gut erkennen konnten. Diesem durften wir uns nur einer bestimmten Entfernung nähern, um in Sicherheit zu sein. An diesem Platz ließen wir uns für eine Pause nieder und öffneten unsere Metall-Brotdosen fürs Mittagessen. An der klaren Luft genossen wir unser Mahl und beobachteten, wie die Rauchschwaden aus dem Ätna aufstiegen. Es war immer noch schwer zu fassen, dass wir uns mitten auf einem gewaltigen Vulkan befanden und er unter uns brodelte, auch wenn wir dies nicht spürten. 

Durch den Schnee ging es danach steil den Vulkanhang hinab, wobei Mc. uns riet, in die Fußstapfen der Person vor uns zu treten. Ohne die Trekkingstöcke hätten wir wahrscheinlich viel Mühe gehabt, uns am Berghang festzuhalten und trotzdem vorwärtszukommen. Weit unter uns lag, wenn auch durch die tief hängenden Wolken zu schemenhaft erkennbar, Catania. Lange Zeit sah ich vor mir nur glitzernden Schnee, Gea, die uns scheinbar mühelos vorauslief, und zwischendurch Felder mit dunkler Vulkanerde. Manche aus der Gruppe gingen nach einiger Zeit sogar dazu über, den Hang auf dem Schnee einfach auf dem Hinterteil hinunterzurutschen, was für allgemeine Erheiterung in der Gruppe sorgte. 

Nach dem Erlebnis der Vulkantour liefen wir erschöpft und zufrieden zu dem Laden Mr. Arancino, um dort viele verschiedene Sorten Arancini sowie Cannoli zum Nachtisch für M. zu besorgen. In unserer Unterkunft wurde das Essen von uns zelebriert, und ich kann sagen, dass ich selten so etwas Leckeres gegessen habe. Ich beschloss, die Zeit auf Sizilien zu nutzen, um öfters welche zu essen. 

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