So wie auch schon in Tunis gab es in Hammamet eine kleine Medina, die wir am ersten Abend gemeinsam besuchten und durch die ich die folgenden Tage noch häufiger auf einen Spaziergang vorbeikommen sollte. Inzwischen waren die Temperaturen sommerlicher denn je auf unserer Reise geworden, sodass ich in einer leichten Sommerhose und einem Shirt durch Hammamet spazieren konnte. An der von Palmen gesäumten Straße lagen überall Datteln auf dem Gehweg herum, ein Phänomen, das ich in Tunesien so wie noch nirgendwo anders beobachten konnte- kein Wunder, da Tunesien das Land der Datteln ist, die ein Großteil des Exports ausmachen.
Die Medina lag direkt neben dem Strand und war von der verbleibenden Stadt durch eine Stadtmauer abgetrennt. Dort gab es mittendrin eine Moschee, aus der M. und ich Gesänge entnehmen konnten. Um sie herum befanden sich Häuser, weißblaue Torbögen und -gänge sowie jede Menge Händler, die ihre Ware lautstark anpriesen. Und noch mehr Katzen. Schon in Italien hatte ich gedacht, vielen Katzen begegnet zu sein, doch in Hammamet entdeckte ich mindestens genauso viele. Sie waren überall: An den Straßen, im Schatten der Medina und sogar am Strand. Die schmucken Türen in blau, weiß oder gelb, die es in Tunesien praktisch überall gibt, mit dösenden Katzen davor, ist ein Bild von Tunesien, das sich mir seitdem stark eingeprägt hat.
Sobald den Einheimischen klar wurde, dass wir Deutsche waren, wurden wir auch ziemlich schnell auf Deutsch angesprochen. Zu unserem Erstaunen gab es nicht wenige, die fließend Deutsch sprachen. Jedes Mal, wenn ich in Hammamet unterwegs war, sprachen mich die Händler mit "Madame" an:
-"Madame, Madame, das kostet nur einen
Dinar!"
Dinar!"
-"Madame, ich schwöre, nur ein Dinar, frag meine Schwester, das kostet wirklich nur so wenig."
Als ich einen Tag später ohne M. nahe der Medina unterwegs war, ließ ich mir ein verschnörkeltes Hennatattoo auf den Handrücken malen, etwas, das ich mir schon lange vorgenommen hatte für unsere Zeit in Tunesien. Bei dem Preis, den der Händler mir zuerst nannte, war er sich offenbar nicht im Klaren darüber, dass es nicht das erste Mal war, dass ich mir in einem nordafrikanischen Land ein Hennatattoo gönnte, und ich dazu vorher recherchiert hatte, was es in Tunesien normalerweise kostet. Ich war mir sicher, dass ich in diesem Laden nicht erfolgreich mit Feilschen sein würde und drehte mich mit einer Verabschiedung in Richtung Ausgang.
"Warte, warte, Madame", rief der Händler hinter mir her und ging mit dem Preis ein Stück herunter. Als ich kurz zögerte, nannte er einen noch geringeren Preis. Als ich immer noch den Kopf schüttelte und den Preis nannte, für den ich mir das Hennatattoo machen würde, schlug er in scheinbarer Verzweiflung die Hände über den Kopf zusammen: "Madame, für den Preis würde nicht einmal meine Schwester ein Hennatattoo bekommen." Nach einigem Hin und Her bekam ich tatsächlich das Hennatattoo für ungefähr den Preis, den ich vorgeschlagen hatte, und verließ etwas überrascht und aufgeregt davon, dass das Handeln so funktioniert hatte, doch zufrieden den Laden.
Der Strand von Hammamet schien kilometerlang zu sein und war an manchen Stellen leider ziemlich vermüllt. Zur Nebensaison war hier auch wenig los, sodass M. und ich uns mit einer Picknickdecke hinsetzen und ein paar leckere Zitrusfrüchte essen konnten, während außer uns kaum Menschen unterwegs waren. Manchmal holte ich mir auch einen viel zu starken, arabischen Kaffee und ließ am Strand das rhythmische Geräusch der Brandung auf mich wirken.




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