Sonntag, 18. Juni 2023

Split: Die Hafenstadt

Die Altstadt Splits schien wie aus einer anderen Welt zu sein. Wenig verwunderlich fand ich es daher, dass unter anderem die Fantasyserie "Games of Thrones" hier gedreht wurde. Das goldene Tor, wie der Eingang zu einer Seite hin genannt wird, lag nur zwei Straßen von unserem Apartment entfernt, weshalb M. und ich fast täglich die Altstadt durchquerten, wenn wir zum Wasser gelangen wollten. 

Wir waren sehr froh darüber, eine Küche in unserem Apartment zu haben, da die Preise in Split wesentlich höher erwartet hatten. Natürlich waren wir in einem stark frequentierten Stadtteil, doch selbst die Supermärkte ein paar Straßen weiter waren nicht unbedingt günstiger. Das Essen begeisterte uns auch nicht so sehr, vor allem, nachdem wir noch kurz zuvor in Italien leckere Pasta und Focaccia hatten schlemmen können. Die folgenden Tage kochten wir häufiger Nudeln mit Ajvar, einer scharfen Soße aus Tomaten, Aubergine und Paprika.  

Doch mit Natur konnte Kroatien definitiv punkten: Ein Ort, der in Kroatien weltweit bekannt ist und auch ein Traumziel von mir darstellte, war der Krka Nationalpark mit Wasserfällen, umgeben von beeindruckender, grüner Natur. Mit einem Reisebus ging es durch die Berge zum Krka Nationalpark. Über Holzstege liefen wir wenig später durch die grüne Natur und ihre Gewässer, wobei wir schillernd blaue Libellen, lauthalsquakende Frösche und große Fische im durchsichtigen Wasser beobachten konnten. Zwischendurch konnten wir immer wieder von unterschiedlichen Aussichtspunkten einen Blick auf die Stufen des Wasserfalls erhaschen. Wie erwartet, war der Park zur Hauptsaison sehr voll, sodass sich viele weitere Menschen die Wege über die Stege mit uns teilten, doch ein Erlebnis war der Tag allemal und es hatte sich meiner Meinung nach gelohnt, die Natur auf diese Weise zu erleben. Der Reisebus brachte uns anschließend noch in das Dorf Sibenik am Meer, wo sich M. Obst vom Markt kaufte und ich eine Runde schwimmen gehen konnte. 

In Split selbst konnte ich mich besonders für die Aussicht vom Marjan Hill, dem Hausberg der Stadt, begeistern. Der erste Aufstieg zu der Aussichtsplattform war eigentlich nicht weit vom Weg, jedoch in der schwülen Mittagssonne eine kleine Herausforderung. Zudem führte er durch das etwas ursprünglichere Viertel V
aros, in dem es im Vergleich zu der Altstadt wesentlich ruhiger zuging und das mehr eine Art Wohngegend darstellte, mit wenig Gastronomie und Geschäften. M. und ich marschierten von der Aussichtsplattform noch ein Stück weiter hinauf, zu einer kleinen Kirche. Bei dieser fand ich später heraus, dass sie eine der ältesten katholischen Kirchen ist, die noch existieren. Bei Sonnenuntergang erklommen wir erneut an einem der Abende die Stufen zur Aussichtsplattform des Marjan Hill und konnten beobachten, wie nach und nach die Lichter im Hafen und in der Stadt angingen, während sich der Himmel hinter den Bergen zunehmend rosa verfärbte. 

Ein weiteres Erlebnis zu später Stunde hatten wir mit einem Kajakausflug, den wir von Split aus gebucht hatten. Von Split aus wurden M. und ich zusammen mit anderen Teilnehmer*innen abgeholt und zu einem Campingplatz gebracht, der am Wasser grenzte. Die Besonderheit unserer Kajaks bestand darin, dass sie komplett durchsichtig und mit verschiedenen Farben beleuchtet waren. Während der Fahrt konnten wir manchmal Fische unter uns durchschwimmen sehen, über uns leuchteten die Sterne und das Wasser fühlte sich warm an, wenn ich meine Hand hineintunkte. Ich empfand den Ausflug als wunderschön und musste daran zurückdenken, dass er zuhause, bevor wir wieder aufgebrochen waren, auch Teil von M.'s Vorschlägen gewesen war, unter den Dingen, die in Kroatien möglich waren.

Generell blühte Split gerade abends auf, wo es noch mehr Menschen als tagsüber in die Gastronomie und an den Hafen zog. Beim Diokletian-Palast gab einen Platz mit Säulen, hinter denen eine steinerne Sphinx saß, auf dem abends Livemusik gespielt wurde und auf den Stufen sich jede Menge festlich angezogene Menschen versammelten. Es herrschte Sommerabend-Feeling. M. und ich nahmen uns vor, die Stadt zu einer komplett gegensätzlichen Uhrzeit zu erleben, nämlich frühmorgens. Da war die Stadt noch relativ leer und außer uns waren nur ein paar Menschen unterwegs, die die Stadt aufräumten und die Gehwege säuberten. Das erklärte wohl auch, weshalb die Stadt insgesamt so sauber und ordentlich wirkte.

Eine Überraschung erwartete uns in einem kleinen Park abseits des Trubels der Altstadt, in einer Nebenstraße nahe unserer Unterkunft. Genau genommen war es für mich in dem Moment schon die Überraschung, als unser Bus Richtung Krka-Nationalpark durch die Straßen kurvte: Ein paar Pfauen, die offenbar in diesem Park lebten und dort herumstolzierten. Manche davon hüpften auch in die Bäume und präsentierten uns von dort aus ihr schillernd buntes Gefieder. M. und ich freuten uns daran, sie hier zu beobachten.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Mit der Fähre nach Split

Es war ein warmer, sonniger Tag, als M. und ich in Rimini aufbrachen und mit der Trenitalia über Venezia Mestre in die Stadt Ancona fuhren. Die nächsten Wochen lag Kroatien vor uns, ein Land, in dem ich bisher noch nicht gewesen war und wo ich auch schon länger hinwollte, nachdem mir von kristallklarem Meerwasser und wunderschönen Wasserfällen dort erzählt worden war. In Ancona verbrachten wir noch einige Zeit mit unserem Gepäck im Schatten und spielten Karten.

Am frühen Abend stiegen wir auf die Fähre, auf der wir eine Kabine gemietet hatten: Die Erfahrung mit der Fähre nach und von Tunesien hatte uns gezeigt, dass es eine sehr gute Idee war. Und das war es tatsächlich: Nach einem Rundgang an Deck, bei dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten, fielen wir in unserer Kabine in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Von hohem Wellengang war nichts zu spüren. Am nächsten Morgen standen wir früh auf, den die Fähre lief schon zu früher Stunde in den Hafen von Split ein. Vom Deck aus, wo noch wenig Menschen anzutreffen waren, konnten wir im Sonnenaufgang sehen, wie wunderschöne, mediterrane Berglandschaften am Ufer an uns vorbeizogen. Sie waren noch leicht von Morgennebel verhüllt. "Das ist Kroatien", rief ich, nun hellwach. Für mich war es ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde.  

In Split angekommen war es nicht besonders aufwendig, das Schiff zu verlassen. Wir befanden uns schließlich immer noch in der EU. Somit nahmen wir wie all die anderen Passagiere unser Gepäck, gingen von Bord und aus dem Hafen hinaus. Nicht weit vom Hafen stießen wir direkt auf die Mauern der Altstadt aus porzellanfarbenen Gestein und ließen uns auf einer Bank inmitten des mit Palmen und Blumen gesäumten Boulevard am Wasser nieder. Der erste Eindruck von Split versprach, dass wir es mit einer sehr ästhetischen Stadt zu tun hatten, die mit Blumen an keinem Winkel der Altstadt sparte.


Dienstag, 13. Juni 2023

San Marino: Zwischen Mittelalter und Moderne

Der Zwergstaat San Marino liegt auf dem Monte Titano bis hin zu dessen Bergfuß und ist von Norditalien umschlossen. Zudem gilt San Marino als älteste Republik der Welt und zählt etwa 30.000 Einwohner*innen. M. und ich gelangten nach etwa einer Stunde Busfahrt morgens von Rimini dorthin. Der Bus setzte uns auf dem Bergkamm ab, auf dem die Altstadt mit den historischen Burgtürmen liegt. Nun stiegen wir in einem anderen Land aus, das offiziell nicht einmal zur EU gehört. Trotzdem wird hier mit dem Euro bezahlt. 

Wie wir feststellen konnten, besteht San Marino quasi hauptsächlich aus guten Ausblicken. Nicht alle Burgtürme waren begehbar, doch der, in den wir hineinspazieren konnten, entpuppte sich als wahres Erlebnis. Über eine Leiter kletterten wir in den Burgfried hinauf, der überdacht war und kleine Fenster zu allen Seiten hin besaß. Von hier aus. konnten wir weit über das grüne Land Italiens ringsum blicken. Insgesamt fühlte ich mich bei dem Rundgang durch San Marino ins Mittelalter zurückversetzt, schließlich war es ein großes Burggelände, das wir durchquerten. 

Da wunderte es wenig, dass in den Souvenirläden auch viele aufs Mittelalter bezogene Artikel wie Holzschilde etc. verkauft wurden, neben der Flagge von San Marino in verschiedenen Größen. Besonders tief ins Tal blicken konnte ich bei dem Hexenpfad, der deshalb so genannt wird, weil im Mittelalter wahrscheinlich dort als Hexe beschuldigte Frauen hinabgestoßen wurden. So makaber die Vergangenheit des Pfades auch sein mag, so sehr stellt er eines der interessantesten Pfade der Burg dar. In manchen Bereichen waren historische Kanonen ausgestellt.

Nach einiger Zeit des Hinauf- und Hinablaufens innerhalb der Gassen San Marinos bekamen wir Hunger. Einen nicht ganz so gut ausgestatteten Supermarkt fanden wir nach einem längeren Fußweg weiter in Richtung Tal gefunden, sodass die dortige Ausbeute nur für einen Snack reichte. Daher setzten wir uns etwas später für eine Pizza Marinara in eines der örtlichen Restaurants. Das Essen des Zwergstaates gleicht im Grunde der italienischen Küche. Von unserem Platz am Fenster konnten wir noch einmal ganz entspannt bei einem leckeren Essen die Aussicht auf Italien genießen. 

Rimini: Mehr als eine Partystadt

Es roch nach Jasmin und lauem Sommerabend, als M. und ich vom Bahnhof in Rimini über einen Weg durch einen Park in die kleine Straße einbogen, in der sich unter Hotel befand. Wir picknickten noch am ersten Abend am Strand. Dort waren schon überall Liegen mit Sonnenschirmen aufgestellt- genau das, was ich von Rimini schon erwartet hatte, doch da wir uns offenbar noch in der Nebensaison hier aufhielten, waren diese leer, soweit unser Auge reichte. Der Strand war in Abschnitte mit Nummern aufgeteilt und mit zahlreichen Strandbars versehen. Die Luft am Meer empfand ich als sehr angenehm und ich war dankbar, dass die Überschwemmungen und Unwetter, die es bis vor einigen Tagen noch in der Region Emilia-Romagna gegeben hatte, uns nicht getroffen hatten. Jetzt war jedenfalls nichts mehr davon in Rimini spürbar, nur einige angeschwemmte Äste zeugten davon. 

Am Strand gab es ein weißes, nostalgisches Riesenrad, auf dem M. und ich uns eine Fahrt gönnten. Da es außer uns nicht viele Gäste gab, blieben wir davon verschont, Schlange zu stehen, und konnten eine Gondel für uns allein betreten. Der Zeitpunkt war perfekt, denn die Sonne ging gerade unter. Von hier oben konnten wir den Hafen von der einen Seite überblicken und von der anderen den Strand. "Nun habe ich ein richtiges Urlaubsfeeling", bekundete ich begeistert, als wir durch die warme Abendluft an der Parallelstraße der Strandpromenade an jede Menge kreativ eingerichteten Cafés und Restaurants vorbeispazierten. Lichterketten leuchteten mir überall entgegen, es gab teilweise Schaukeln statt Stühlen und Vieles war mit Blumen dekoriert. 

"Das ist das Ziel von diesem Ort", erwiderte M.. Die nächsten Tage wurde es zu einem Ritual, abends am Strand zu picknicken oder einen mitgebrachten Smoothie zu trinken und am Strand entlang zu spazieren. In unserer Unterkunft hatten wir morgens das Glück, mehrere Tage hinterher einen Espresso schlürfen zu dürfen, der uns vom Haus spendiert wurde, bevor wir losgingen. Einen Tag verbrachten wir in Italia in Miniatura, einem Freizeitpark für Italienfans, den wir mit einem Nahverkehrsbus erreichten. In diesem Park wurden Italien und einige Sehenswürdigkeiten Europas im Kleinstformat unter freiem Himmel ausgestellt. Es waren viele Orte dabei, die mir auch in Lebensgröße bekannt waren: Venedig mit der Rialto-Brücke, Pisa mit seinem schiefen Turm, der Eiffelturm von Paris, Torre de Belém in Lissabon und Weiteres. Zudem gab es ein nachgebautes Venedig in dem Freizeitpark, sodass M. und ich auch außerhalb der Lagunenstadt in den Genuss kamen, zu romantischer Musik in einer Gondel durch die Kanäle zu schippern. Genauso verrückt war der Platz mit Hausfassaden, an deren Türen die Besucher*innen klingeln und sich daraufhin von einer italienischen Nonna-Puppe beschimpfen lassen konnten, die die Fensterläden aufriss und sogar vor lauter Empörung Wasser aus dem Fenster kippte. Besonders beliebt war diese Attraktion bei den Schulklassen, die sich immer wieder einen Spaß daraus macht, bei der Nonna-Puppe zu klingeln. Der Park bot zudem noch andere Fahrgeschäfte wie eine Wasserrutsche und eine Bahn, die hoch in der Luft eine Runde durch Italia in Miniatura drehte. M. und ich hatten einen Heidenspaß.

In Rimini entdeckten wir fernab vom Strand die Altstadt und das Viertel Borgo San Giuliano, wo sich noch ganze andere Seiten des Ortes offenbaren als die Party- und Strandmeile. In der Altstadt fanden wir eine traditionelle Pasticcheria, die eine gute Auswahl an veganen Cornetti hatte. Zusätzlich zu den Espressi, die wir zuvor in unserem Hotel getrunken hatten, hatten wir hiermit wieder ein leckeres, süßes Frühstück. Borgo San Giuliano lockte mich mit seinen farbenfrohen Häusern in schmalen Gassen, in denen es von ästhetischen Streetart-Motiven und Blumen als Dekoration nur so wimmelte. Wir gelangten über die antike Tiberius-Brücke dorthin. Es gab viele Motive aus Filmen, die dem Filmemacher Federico Fellini gewidmet sind, sowie Wale, gemalte Blumen und vieles mehr, die dazu einluden, in Borgo San Giuliano zu verweilen. Später am Fluss konnten wir noch eine Künstler*innenmeile entdecken, in der direkt am Wasser Hausfassaden mit künstlerischen Motiven zu Themen wie dem Meer und passenden poetischen Schriftzügen versehen waren.

Rimini mag weltweit als Partyort bekannt sein und auch andere Ecken als das verbleibende Italien haben, wie zum Beispiel den Strand mit den Basketballplätzen und Skating-Flächen. Doch die Tage, die wir dort während der Nebensaison verbrachten, fühlte ich mich sehr wohl, und konnte auch dem Strand etwas abgewinnen, obwohl ich normalerweise naturbelassene und weitgehend leere Strände bevorzuge. Der Ort, den wir ursprünglich gewählt hatten, um den nahegelegenen Zwergstaat San Marino kennen zu lernen, war somit auch eine Entdeckung wert.

Udine


Der Reisebus brachte uns innerhalb von zwei bis drei Stunden über die italienische Grenze nach Udine. Udine wirkt im Vergleich zu anderen italienischen Orten etwas weniger von Tourist*innen besucht, wie uns sehr schnell auffiel: Es gab kaum Souvenirshops und wenig Postkarten, die gekauft werden konnten. 
Als wir in die Stadt hineinfuhren, konnten wir schon vom Bus aus erkennen, dass die Straßen mit jede Menge italienischer Flaggen geschmückt waren, die offenbar noch von einem Fest stammten, das hier stattgefunden hatte. 
In unserer Unterkunft gab es eine Küche, sodass M. seiner Kochleidenschaft wieder nachgehen konnte. Die folgenden Tage kamen jede Menge Pasta und Polenta, gekochter Maisgrieß, auf den Tisch. Polenta ist typisch für die Region Frauli-Venetien, in der wir uns befanden, und schmeckt besser, als es vielleicht im ersten Moment klingt. Ebenso erfreute ich mich an der Kaffeemaschine, die extrem leckeren, schaumigen Kaffee zubereitete.

Als wir Udine an einem Samstag erkundeten, war eine Menge im Stadtzentrum los: Es wurden parallel mehrere Hochzeiten, ein Kinderfest und eine Jobmesse abgehalten. Wir stießen unter anderem auf der anderen Seite der Burg auf einen Flohmarkt, auf dem ich allerdings noch nicht fündig wurde. Auf dem Castello, der Burg, die an Udines Innenstadt angrenzt, stießen wir auf schöne Rundbögen-Architektur und schöne Aussichten auf die Stadt. 
Der leicht abgeblätterte Charme und die terrakottafarbenen sowie weißen Gebäude, die ich mit Italien stark verbinde, waren hier in großer Zahl zu finden. Mir gefiel der kleine Kanal, der ein Stück durch die Nebenstraßen der Innenstadt führte. Am belebtesten wirkte die Stadt abends bei Dunkelheit, wenn die Luft etwas abgekühlt war und es die Menschen in die Gastronomie zog. In den Gassen wurde geschlemmt, getrunken und geplaudert; selbst unter der Woche wirkte die Atmosphäre ziemlich feierlich.

Einen weiteren Tagesausflug von Udine aus planten M. und ich in den nahegelegenen Ort Cividale, dessen Attraktion eine alte, pittoreske Brücke ist, die über den Fluss führte. Als wir dort ankamen, fand dort, wie am Vortag in Udine, ein großer Flohmarkt statt - mir kam dies wie gerufen, weil ich noch dringend ein Sommerkleid suchte. Tatsächlich wurde ich fündig und war überaus glücklich, im Besitz eines neuen Lieblingsteils zu sein, das mich ab jetzt auf der weiteren Reise begleiten würde. Die Brücke versprühte märchenhaftes Feeling und der Ort wirkte an sich ziemlich versteckt und wie eine kleine Welt für sich. Die Brücke sahen M. und ich uns noch vom Wasser aus an, wofür wir ein Stück Weg zum Ufer hinab liefen. Da es ein warmer Tag war und ich daher einen kurzen Jumpsuit trug, zog ich kurzerhand meine Sandalen aus und watete bis zu den Knien ins Wasser. So konnte ich hinter der Böschung die Brücke genauer erspähen. 
Ansonsten hatten wir Cividale nach zwei Stunden ausreichend erkundet und kehrten mit der Trenitalia nach Udine zurück. 

Triest

Von Udine machten M. und ich mit der Trenitalia einen Tagesausflug in die Stadt Triest. Im Gegensatz zu Udine wirkte Triest beim Verlassen des Bahnhofs viel weitläufiger und großstädtischer als Udine. Triests Architektur ähnelte an einigen Stellen der in Venedig, ganz besonders der Hauptplatz, der mich stark an den venezianischen Markusplatz erinnerte. Die Lagunenstadt Venedig befindet sich auch nicht besonders weit entfernt von Triest. 

Erst überlegten wir, uns einen Kaffeepass bei der Tourist-Information zu holen, mit dem in verschiedenen Locations rund um den Hauptplatz Kaffee getrunken werden kann, sozusagen auf einer Kaffee-Tour. Wir entschieden uns aber dagegen, nachdem wir feststellten, dass nur Edelrestaurants daran teilnahmen. 

Lieber verließen wir das Zentrum der Stadt und gingen in einen Laden in einer Nebenstraße, um uns einen Kaffee am Tresen zu gönnen, wie die Italiener*innen es auch üblicherweise tun. Hier kostete ein Espresso 1,20 Euro statt 4 Euro an dem Hauptplatz. Der Laden war klein, die Barista unterhielt sich mit einem weiteren Gast, der am Tresen saß, und bereitete mir auf meinen Wunsch hin einen Soja-Latte zu. 

Gestärkt mit Kaffee im Magen erkundeten M. und ich die Stadt zu Fuß. Wir liefen die Hafenpromenade entlang, wo einige Möwen posierten, zur Burg hinauf und konnten beobachten, wie die Stadt immer voller wurde und ab der Mittagszeit immer heißer. Irgendwann beschlossen wir, uns in einem Park mitten in Triest etwas im Schatten der hohen Bäume zu entspannen und unsere Brote zu essen. In dem Tümpel plantschte eine Gruppe Schildkröten und daneben lagen einige regungslos auf Steinen, während ihnen die Sonne auf den Panzer schien. Es machte mir großen Spaß, sie zu beobachten. 

Am frühen Abend nahmen wir den Zug zurück nach Udine. Triest hat einiges an schöner Architektur und lebhafter Gastronomie zu bieten, doch ich freute mich nun, in das kleinstädtische Flair und die Entspanntheit Udines zurückzukehren.

Sonntag, 11. Juni 2023

Ljubljana: Die grüne Hauptstadt Sloweniens

In ein Land, über das ich bisher noch nicht allzu viel wusste, gelangten wir durch unseren Besuch von Slowenien. M. und ich stiegen in der Hauptstadt Ljubljana aus, nachdem wir eine Bahnfahrt in einem überfüllten Zug hinter uns hatten. Während der Zugfahrt hatten wir aus dem Fenster wunderschöne Bergpanoramen erblicken können, allerdings auf unseren Koffer sitzend in dem schmalen Gang des Zuges. Somit war ich froh, dass es von Salzburg nur vier Stunden Fahrt insgesamt hierher waren. 

Unsere Erwartungen an Slowenien waren nicht sehr hoch, doch die Stadt wusste uns zu überraschen. Slowenien ist überaus grünes Land mit einer im Vergleich zu Deutschland sehr geringen Bevölkerungszahl und auch Ljubljana war eine der grünsten Städte, die mir bisher untergekommen waren. M. und ich hatten eine kleine, gemütliche Unterkunft wenige Schritte von der Drachenbrücke mitten in Ljubljana gebucht. Der Drache ist Programm in dieser Stadt: Es gibt kaum ein Souvenir ohne ihn, sogar ein nationales Bier gibt es, auf dessen Dose ein Bild von ihm abgedruckt ist. Aus den ehemaligen Legenden, in denen der Drache als böses Monster dargestellt wird, das es zu bekämpfen gilt, wurde mit der Zeit der Schutzpatron und das Wahrzeichen der slowenischen Hauptstadt. "Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Slowenen so freundlich sind", sagte M. "Vielleicht hat sich der Drache dann gedacht, dass er dann auch so freundlich zu den Menschen hier sein sollte.". Wir erlebten die Menschen hier als wirklich überaus freundlich, ob es die Supermarktkassiererin war oder der Busfahrer, der seinem Job offenbar mit Vergnügen nachging.

M. und ich gingen auf einen Ausflug zum Bleder See und stiegen dafür in einen Bus, der äußerst komfortabel wie ein Reisebus ausgestattet war. Zu meinem Erstaunen waren die Preise für die Bustickets am Wochenende deutlich günstiger als unter der Woche und unterschieden sich ziemlich stark, je nachdem an welchem Busschalter wir nachfragten. Als wir unsere Runde um den See drehten, konnten wir die Insel in der Mitte betrachten, auf der die bekannte Kirche steht, um die sich einige Legenden ranken. Oben auf dem Felsen befindet sich zudem eine Burg- die gesamte Kulisse bietet sich somit durchaus an für Mythen und Legenden. Von einem Aussichtspunkt, zu dem wir durch eine etwa fünfzehnminütige Wanderung gelangten, konnten wir den See und die Insel in der Mitte gut überblicken. 

Zurück in Ljubljana angekommen, gönnten wir uns einen leckeren Smoothie in einem veganen Laden. Da es in Slowenien erstaunlich viele deutsche bzw. österreichische Supermärkte wie Spar und Hofer gibt, auch direkt bei der Drachenbrücke und somit nahe unserer Unterkunft, konnten wir dort auch relativ schnell einige vegan gekennzeichnete Produkte ausfindig machen. In Ljubljana selbst erkundeten wir an einem Tag die so grüne Stadt noch etwas intensiver, darunter auch das knallbunte, autonome Gebiet Metelkova (ähnlich dem Freistaat Christiania in Kopenhagen), und marschierten den steilen, aber kurzen Weg zur Burg hinauf. Als wir dort ankamen, fand dort vor den Burgmauern ein Mittelalterfest statt - an einem Stand nutzte ich die Gelegenheit und probierte das erste Mal nach vielen Jahren wieder Bogenschießen mit einem hölzernen Recurve-Bogen aus. In der Burg selbst gab es einige Räume, die ohne Eintritt besichtigt werden können. Insgesamt waren die Burg mit dem Innenhof sowie das Gelände außenherum auf dem Berg gut gepflegt. Nicht weniger sehen lassen konnte sich die Innenstadt mit den zahlreichen, malerischen Brücken über den Fluss und den pittoresken Gebäuden. Insgesamt haben M. und ich Ljubljana als sehr saubere Stadt erlebt. 

Einen weiteren Tag nutzen wir, um zu der Postojna-Höhle zu fahren, die zu den beliebtesten Zielen innerhalb Sloweniens gehört. Auch hierfür nutzen wir einen öffentlichen Bus, der ähnlich wie der zum Bleder See wie ein Reisebus ausgestattet war. Unter der Woche kostete er allerdings das Dreifache von dem Ticket, das wir für die Fahrt nach Bled gekauft hatten. Vor der Höhle wurden wir von unserem Guide begrüßt und stiegen dann in eine Bergbahn, die mich ein wenig an ein Fahrgeschäft auf einem Jahrmarkt erinnerte. Die Postojna-Höhle ist die zweitgrößte Tropfsteinhöhle der Welt, daher fuhren wir erst einmal zehn Minuten in das Höhlensystem hinein. Von dort aus ging es dann zu Fuß weiter, zusammen mit einer großen Gruppe an Menschen, die mit uns zusammen die verschiedenen, angeleuchteten Gesteinsformationen betrachtete. Es gab ein feuchtes Klima in der Höhle, wie es für Tropfsteinhöhlen üblich ist, und so schön ich die riesigen Hallen empfand, merkte ich doch nach einer Weile, wie schnell ich das Sonnenlicht vermisste. Am Ende der Tour ging es mit dem gleichen Bummelzug wieder genau dorthin zurück.

Die Tage danach genossen M. und ich noch weiterhin die entspannte Atmosphäre und das Grün Ljubljanas. Wenn es zu regnen anfing, zogen wir uns in unsere Unterkunft, die ich als unsere "Drachenhöhle" betitelt hatte, zurück. Ljubljana hatte uns beide positiv überrascht und als charmante kleine Stadt, die viele Geschichten zu erzählen hat, vollends überzeugt.

Freitag, 9. Juni 2023

Hallstatt

Weitere Wasserfälle erwarteten uns bei unserem Tagesausflug nach Hallstatt. Morgens brachen wir schon früh auf und fuhren mit Bus und Bahn an einem sonnigen Tag durch das Salzburger Land. Die Berggipfel waren lediglich in etwas Nebel gehüllt, was der Kulisse wie auch schon die Tage zuvor in Salzburg eine gewisse Romantik verlieh.
Hallstatt stand schon einige Zeit auf meiner inneren Reise Bucket List, nachdem ich mich ein Jahr zuvor schon in das schweizerische Dorf Lauterbrunnen verliebt hatte. Hallstatt wurde in seiner am See gelegenen Idylle ähnlich gefeiert und ich hatte die Vermutung, dass ich mich hier genauso wohlfühlen würde. Die Tage zuvor hatte ich außerdem bei meiner Recherche über Hallstatt eine Dokumentation angesehen, in der berichtet wurde, dass das komplette Dorf in China nachgebaut wurde - und das ist kein Witz. In dem Video wirkt die Kopie in China jedoch ein wenig wie ein Freizeitpark. 

Auch bei dem Original, das M. und ich nun besuchten, waren beim genaueren Hinsehen auch Hinweise und Speisekarten in chinesischer Schrift zu finden. Menschen aus aller Welt reisten hierher, um die dörfliche Idylle am Hallstätter See zu erleben. Und ich empfand es selbst als Erlebnis, zwischen den Holzhäusern entlang zu flanieren, über den Dorfplatz zu spazieren und die Schwäne auf dem Wasser zu beobachten. Einen Wasserfall, der an einem höhergelegenen Parkplatz aus den Bergen kam, konnten wir auch bereits direkt in dem Dorf entdecken. 

Nachdem M. und ich auf einer Bank im Wasser unser "Jausen"-Brot gegessen hatten, drehten wir in einem Elektroboot ein paar Runden auf dem Hallstätter See. Das Elektroboot ist so langsam und leicht zu bedienen, dass ich keinen Bootsführerschein brauchte, um es zu lenken. Es bereitete mir einen Riesenspaß, über den See zu kurven, zu sehen, wie sich die Kulisse aus den an den Berghang gebauten Häusern immer mehr von uns entfernte und den Wind im Haar zu spüren.

Hinter Hallstatt lag ein Wanderweg, über den wir zum Schleierwasserfall gelangten, der an einer schroffen Bergwand hinunterrinnt und in einem Tal zwischen den Bergen liegt. Noch größer war der Waldbachstrub, für denen wir ein Stück bergauf wanderten, und der sich hinter ein paar Bäumen in all seiner Imposanz offenbarte. Mehrere Wasserfälle strömten zu einem zusammen und flossen in einem Bach den Berg hinunter. Abends kehrten wir gleichzeitig erschöpft und glücklich nach Salzburg zurück.

Auf geht's nach Salzburg

Sechs Wochen waren M. und ich in unserer Wohnung in Deutschland gewesen, ehe wir wieder aufbrachen. Aufgrund eines Streiks der Deutschen Bahn fuhren wir sogar noch zwei Tage eher als geplant los, um den Komplikationen des Streiks zu entgehen. Diesmal ging es mit dem Packen noch schneller als sonst, da wir noch von der letzten Reise wussten, woran wir denken mussten und ohnehin fast alles bereit hatten, was wir unterwegs brauchen würden. 

Nach einigen Stunden im Zug nach Salzburg, in denen ich allmählich zu realisieren begann, dass wir nun wieder unterwegs waren, begrüßte uns die österreichische Stadt mit leichtem Regen. Ich hatte als Jugendliche schon einmal einen Tagesausflug nach Salzburg gemacht, doch konnte mich kaum an den Tag in der Stadt erinnern, weshalb nun Wiederholungsbedarf bestand.

Es war Ende Mai und noch leicht frisch, auch die Berge versteckten sich zwischenzeitlich unter einen Decke aus Dunst. Dadurch wirkte die Kulisse geradezu mystisch. M. und ich spazierten die Salzach entlang und überquerten eine über und über mit Liebesschlössern behängte Brücke, während an allen Seiten das Grün der Natur emporschoss. Am ersten Tag wanderten wir einen Rundweg durch Salzburg entlang, bei dem wir an verschiedenen Aussichtspunkten auf Stadt und Natur vorbeikamen, unter anderem an der märchenhaften Hohensalzburg und einer Stupa, einem buddhistischen Monument, auf einer Wiese. Von dem leichten Regen zwischendurch ließen wir uns nicht abhalten. Ich empfand sogar die Farben der Natur als intensiver und frischer, da die Sonne nicht blendete und das Wandern auch alles andere als anstrengend war. Auch der in Salzburg beliebte Mirabellengarten, an dem der Rundweg endete, blühte in voller Pracht. Besonders die mit Blauregen bewachsenen Fassaden gefielen mir.

Als an einem Tag sehr stark regnete und wir die Unterkunft wechselten, taten wir etwas, das wir auf unseren Reisen normalerweise nicht so oft tun: Wir überbrückten die Zeit im Europark, einem Einkaufszentrum in Salzburg. Zum Einen konnte M. sich noch ein neues Hemd kaufen, das er benötigte, und wir konnten unseren Hunger bei einer Bowl in einem vegan-vegetarischen Bowlladen stillen. Bowls konnten wir in Salzburg des Öfteren ausfindig machen. Wie wir schon von unserem Besuch in Innsbruck wussten, sind die Lebenshaltungskosten in Österreich sehr hoch, höher als in Deutschland. Doch die vegane Auswahl in den Supermärkten ist sehr vielfältig. In dem Laden nahe Mozarts Geburtshaus, der Mozartkugeln in allen möglichen Varianten verkauft, konnten wir vegane Mozartkugeln kaufen. Auch süße Knödel, die in der Region sehr beliebt sind, fanden wir in einem kreativ gestalteten Laden, in der österreichisches Essen auf pastellfarbene Einrichtung mit Strandfeeling traf. 

Trotz des Regens fuhren wir an einem der Tage mit der Bahn ein kleines Stück aus Salzburg heraus, um den Golinger Wasserfall zu besuchen. Von der Bahnstation aus konnten wir durch ein Dorf mit Wiesen, kleinen, pittoresken Kirchen und einem Gebirgsfluss wandern, um zum Wasserfall zu gelangen.

In dem Kassenhäuschen, in dem wir uns Eintrittskarten für den Nationalpark holten, war kaum jemand außer uns, was wohl dem regnerischen Wetter geschuldet war. Als wir vor dem Wasserfall standen, war ich begeistert von der rauschenden Energie, die vor uns den Berghang hinunterprasselte. Auch für M. war dieser Ausflug ein wirkliches Highlight. Wir waren quasi von Wasser umgeben, durch den Regen und zusätzlich durch den Sprühnebel des Wasserfalls. Dass wir etwas nass wurden, spielte jedoch keine Rolle, denn wir erfreuten uns daran, hier zu sein, das Tosen des Wassers in den Ohren. Dieser Wasserfall sollte der Auftakt zahlreicher Wasserfälle werden, die wir auf unserer Reise sehen würden. 

Dienstag, 6. Juni 2023

Nach der Reise ist vor der Reise

Nach genau zwei Monaten Reise saßen M. und ich im Zug von Bologna zurück nach Deutschland. Einen Tag später würde ich wieder meine Arbeit, die ich während der Reise pausiert hatte, aufnehmen und meine Mädels zum gemeinsamen Training treffen. Der Alltag stand damit wieder kurz bevor und gleichzeitig hatte ich unzählige Reiseerinnerungen im Kopf, die ich noch verarbeiten wollte. M. blickte sehnsüchtig aus dem Fenster, wo sich der Himmel ein wenig verdunkelt hatte: "Ich will wieder zurück nach Italien." Ein wenig erstaunt war ich schon darüber, dass M. gar nicht so reisemüde war, wie ich zuerst erwartet hatte. Ursprünglich hatten wir auch angepeilt, etwas länger als die beiden Monate weg zu sein, doch da M. zwischenzeitlich die Fußschmerzen verspürt hatte, hatten wir uns entschlossen, etwas zeitiger zurückzukehren. Bei meinen Arbeitskolleg*innen und Freundinnen hatte ich mich nun bereits wieder angekündigt. 

"Siehst du den?", sagte M. entgeistert, als auf dem Nebengleis ein Zug mit der Aufschrift "Bari" an uns vorbeifuhr. "Das ist ein Omen. Wir müssen in den einsteigen und wieder zurück nach Italien, ganz viel Espresso trinken und italienisches Leben genießen."- "Warte einmal ab, bis wir wieder zuhause sind", erwiderte ich. "Und wir kommen ganz bestimmt bald wieder in dein geliebtes Land. Du kannst ja schonmal überlegen, wo du nächstes Mal hinmöchtest." Noch ahnte ich nicht, wie bald das schon sein würde.

In unserer Wohnung war alles wie immer. Es fühlte sich für mich gar nicht einmal so merkwürdig an, sie nach all der Zeit wieder zu betreten, schlafen zu gehen und am nächsten Tag früh aufzustehen, um zur Arbeit zu fahren. Es heißt ja auch immer, dass durch die Normalität zuhause den Reisenden oft erst bewusst wird, dass sie es sind, die unterwegs reich an Eindrücken und Erlebnissen geworden sind, während zuhause das Leben im gewohnten Tempo weiter gelaufen ist. Die Narzissen blühten in der Sonne und die Vögel zwitscherten, als ich am nächsten Morgen zur Arbeit lief. Ich war sehr zufrieden, verbrachte einen gelungenen ersten Arbeitstag und einen aufregenden Nachmittag mit meinen Freundinnen. Abends kam ich nachhause, wo M. auf mich wartete und mit mir zu Abend aß. Genau wie ich vor der letzten Reise eine Power-Point-Präsentation erstellt hatte, mit den Möglichkeiten unserer Reiseroute, so hatte M. mich tags zuvor auf der Bahnfahrt bei Wort genommen und nun für mich eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet: Bilder von den grünen Landschaften Sloweniens tauchten vor mir auf dem Bildschirm auf, die Wasserfälle und türkis schimmernden Gewässer Kroatiens, die ich mir schon lange zu sehen gewünscht hatte, sowie die weißen Dörfer Apuliens von Süditalien. Fernweh flammte wieder direkt in mir auf.

M. unterbreitete mir den Vorschlag, dass er seinen Job nicht wieder anfangen würde, sondern dass wir jetzt, wo wir die Möglichkeiten dazu hatten, unsere Reise noch fortsetzen könnten. Erst jetzt realisierte ich, wie ernst es ihm war. Die Abenteurerin in mir machte einen Freudensprung und flüsterte: "Wenn du die Gelegenheit hast, ein Abenteuer zu erleben, dann auf geht's! Worauf wartest du noch?" Meine Gedanken überschlugen sich: Was war mit meinen ganzen Plänen hier zuhause? Würde ich mein Umfeld enttäuschen, wenn ich ankündigte, kurz nach meiner Rückkehr wieder aufbrechen zu wollen? Konnte ich das einfach so machen? War das verrückt oder einfach nur genial? Diese Fragen beschäftigten mich sehr in den folgenden Wochen und bekam dabei sehr viel Rückenwind von meinem Umfeld. Meine Freundinnen wussten, wie sehr ich es liebe, zu reisen, und ermunterten mich, nichtsdestotrotz, wenn sie sagten, dass sie mich vermissen würden.

All das ist jetzt einige Wochen her und hat nun dazu geführt, dass ich hier in Split, einer wunderschönen kroatischen Hafenstadt, mit M. in einer Unterkunft sitze und diese Zeilen tippe, während draußen ein paar Möwen kreischen. Die letzten Wochen sind M. und ich mit Bahn und Bussen durch Österreich, Slowenien und Italien bis hierher gereist. Wer hätte das gedacht? Ich vor ein paar Wochen jedenfalls noch nicht.

Sonntag, 4. Juni 2023

Bologna: Letzte Etappe in La Rossa

Die rote Stadt im Norden war unser letztes Ziel auf dieser Reise: Bologna. Um sieben Uhr morgens war die Stadt noch ziemlich ruhig und die Luft frisch. Von der Temperatur her war es im späten März deutlich kühler an als in Palermo und ein bisschen fühlte es sich für mich inzwischen auch schon nach Heimkehr. 

Da M. und ich den Großteil des Tages zu überbrücken hatten, bevor wir in die Unterkunft einchecken konnten, gaben wir unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrung am Hauptbahnhof ab. So spazierten wir am frühen Morgen durch "la Rossa". Den Beinamen "Die Rote", hat Bologna absolut verdient, da in der Altstadt die roten Gebäude und Rundbögen das Stadtbild prägen. Eine Gasse, die als "Klein-Venedig" bezeichnet wird, konnten wir auch finden. Durch eine kleine Luke in einer Gasse konnten wir auf den Kanal blicken. Dass es ein paar Stunden später an der gleichen Stelle von Menschen wimmeln würde, die einen neugierigen Blick durch die Luke wagten, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Pasta Bolognese stammt von hier, während jedoch Spaghetti Bolognese eine Erfindung außerhalb Italiens sind (!) und nicht etwa aus Bologna, wie ich lernte. Es gab zudem an jeder Ecke Piadine zu kaufen, zusammengefaltete Teigfladen mit unterschiedlicher Füllung. Zwar konnten wir nicht so viel traditionelles Essen mit pflanzlichem Originalrezept finden, doch da Bologna eine relativ junge Stadt mit einer großen Studierenden-Szene ist, war die Auswahl an veganem Essen trotzdem groß. Im Laufe des Tages schien die Sonne immer wärmer und die Straßen wurden von dem Stimmengewirr junger Menschen erfüllt. Auf dem Hauptplatz versammelten sich sogar einige Student*innen mit Blätterkränzen auf dem Kopf. Später fand ich heraus, dass der Kopfschmuck traditionellerweise zum Abschluss des Studiums aufgesetzt wurde. Offenbar fanden an diesem Tag einige Absolvent*innen-Feiern statt, die Uni war schließlich auch nicht weit vom Stadtzentrum. M. und ich holten uns vegane Brioches, das mit dem Cornetto (Croissant) in anderen Regionen Italiens gleichzusetzen ist, und Cappuccino mit Hafermilch in einem kleinen Café. Hier gefiel es uns so gut, dass wir beschlossen, zwei Tage später noch einmal dort frühstücken zu gehen.

Unsere Unterkunft entpuppte sich abends leider als eine ziemliche Enttäuschung, so verwahrlost und heruntergekommen, wie wir sie vorfanden. Wir beschlossen daraufhin, möglichst viel Zeit außerhalb davon zu verbringen und die letzten Tage in Italien soweit auszukosten, wie es uns möglich war. 
Wir zogen abends durch die Rundbögen der roten Stadt, aßen Piadine, Pizza sowie Panini, und bewunderten die beleuchteten Straßen. 
Manche der langgezogenen Straßen waren mit Leuchtschrift geschmückt, deren Zeilen unter anderem eine Liebeserklärung an Bologna durch einen italienischen Dichter darstellten und Zitaten von John Lennon. 

Kurz vor unserer Abreise kaufte sich M. noch eine Modell-Ape als Andenken, das er zurück in Deutschland auf sein Nachtschränkchen stellen wollte. Am folgenden Morgen stiegen wir am Hauptbahnhof in den Zug, der uns zurück nach Deutschland bringen würde. Eine zweimonatige Reise lag nun hinter uns, auf der wir unglaublich viel gesehen und erlebt hatten.

Mit Nachtzug zurück in den Norden


Ziemlich kurzfristig fanden M. und ich ein Angebot für einen Nachtzug, der uns per Direktverbindung von Palermo über Nacht nach Bologna bringen würde. Bologna war die letzte Etappe auf unserer Reise, bevor es zurück nach Deutschland gehen sollte. Wir bekamen eine Kabine für uns, die sogar mit einem eigenen Waschbecken zum Aufklappen ausgestattet war.

Während der Zugfahrt, die schon mittags begann, konnten wir vom Fenster aus beobachten, wie wir uns die sizilianische Küste entlang bewegten. Plötzlich waren in die Ferne die Liparischen Inseln, die wir von Tropea aus schon gesehen hatten, vor der sizilianischen Küste zu erkennen. Am blauen Horizont zeichneten sich ihre Umrisse deutlich ab. Wir versuchten, herauszufinden, welche der Inseln welche war, und konnten auch Stromboli dabei wieder erkennen. "Da kommen wir auch noch hin", sagte ich. Der Ausblick, den wir hatten, war nun der perfekte Abschluss unserer Zeit auf Sizilien. 

Sobald es Schlafenszeit war, wurden die Sitzbank sowie die Wand darüber von einem Zugbegleiter zu Etagenbetten umgeklappt. Der Zug fuhr anscheinend extra langsam, damit die Insassen ruhig schlafen konnten. Ich konnte tatsächlich erstaunlich gut schlafen, auch wenn der Zug während der Fahrt leicht rumpelte. Von dem Zugbegleiter waren uns zwei Hygiene-Sets mit Zahnbürsten, Zahnpasta und anderen Artikeln zur Verfügung gestellt worden, eines für M. und eines für mich. Sogar Taralli, italienische herzhafte Kekse wurden uns als Betthupferl gereicht. 

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, da wir zu früher Stunde den Bahnhof von Bologna erreichen würden. Im Zug gab es ein Frühstück, von dem zwar nicht alles vegan war, doch M. freute sich über einen Orangensaft und ich über einen Kaffee, der uns angeboten wurde. Jetzt waren wir startklar für Bologna.

Panelle in Palermo

In Palermo angekommen, kam uns die Stadt seit dem letzten Mal schon ziemlich vertraut vor. Als wir im Hafen einliefen, begrüßte uns die Sonne genauso wie die Berge hinter den Häusern, was ein wunderschönes Panorama ergab. Und gleichzeitig gab es in Palermo viel zu entdecken, was wir beim letzten Mal noch nicht entdeckt hatten. Nach zwei Tagen in Palermo beschlossen wir, unseren Aufenthalt hier noch etwas zu verlängern, und buchten eine Unterkunft mit großer Dachterrasse. 

Von der Terrasse aus hatten wir sowohl das Straßentreiben sowie die Berge hinter den Hausdächern von mehreren Seiten im Blick. Hier wollten wir ein wenig das sizilianische Leben genießen, bevor es bald wieder mit der Bahn in Richtung Deutschland gehen würde. Abends genoss ich es, mit einem Caffé di Mandorla draußen zu stehen und die Aussicht vor Augen zu haben.
M. und ich schlemmten die folgenden Tage Panelle, frittierte Kichererbsenteilchen mit Salz, die in Brötchen gegessen werden - ich liebte sie genau wie Arancini- und gingen öfters auf dem Markt einkaufen. Panelle sind nach traditionellem Rezept rein pflanzlich und in Palermo bei jedem Straßenstand für paar Euro zu bekommen. Vor unserer Haustür befanden sich jeden Tag Marktstände, die aus den Apen der Verkäufer heraus aufgebaut waren. Die Zucchinis waren im Vergleich zu denen, die in deutschen Supermärkten zu finden sind, extrem lang sowie krumm und schief. Ich fand den Gedanken etwas traurig, dass solche Zucchini in Deutschland nie würden verkauft werden, weil sie zur sehr von der Norm abwichen und den Lebensmittelgesetzten nicht entsprächen - dabei mag ich gerade das, was nicht perfekt ist. Im Supermarkt kauften wir Latte di Mandorla, Mandelmilch, nachdem wir herausgefunden hatten, das diese in Sizilien keinesfalls eine Errungenschaft der Moderne oder des Veganismus ist, sondern sogar die Vorgängerin der Kuhmilch ist. In Sizilien hat diese Tradition, schmeckt meiner Meinung nach wie flüssiges Marzipan, doch wurde mit der Zeit von der Kuhmilch abgelöst. Ich würde jedem*r, der*die Zeit auf Sizilien ist, empfehlen, einmal Latte di Mandorla zu kosten.

M. kaufte sich gleich am ersten Tag neue Schuhe und konnte sich nun nach der Zeit des Ausruhens in Tunesien auch wieder länger am Stück in der Stadt bewegen. Ich nutzte auch erneut die Gelegenheit, an einem der Tage in die örtliche Zirkusschule zu gehen, wo ich gefragt wurde, wie die Zeit in Tunesien gewesen sei. 

An einem sonnigen Vormittag fuhren wir mit dem Nahverkehrsbus zum Strand im Stadtteil Mondello, der aufgrund der Nebensaison angenehm leer war. Auch hier gönnten wir uns Panelle vom Straßenstand und aßen sie auf unserer Picknickdecke am Strand mit Blick auf das Meer und das Bergpanorama neben uns. "Eigentlich ist unsere Zeit hier viel zu kurz", fand M. mit einem Anflug von Wehmut. 
"Auf jeden Fall nutzen wir sie noch gut aus", sagte ich und biss herzhaft in mein krosses Panellebrötchen. Es versetzte uns in freudige Stimmung, an der Strandpromenade mit den Strohschirmen lang zu schlendern, die bunten Boote und den farbenfrohen Ort anzuschauen. Das sollte nicht unser letzter Ausflug bleiben. Ein weiterer Ort am Wasser, der zu Palermo gehört, besuchten wir kurz vor unserer Abreise: Sferracavallo. Sferracavallo lockte uns mit Korallenstränden, allmählich erblühenden Blumen und einer Landzunge, auf der kleine Zipfelmützenhäuser stehen, ähnlich den Trullos in der italienischen Region Apulien. Ein bisschen fühlte ich mich dabei wie eine Schlumpfine im Schlumpfdorf.

Samstag, 3. Juni 2023

Übers Mittelmeer zurück nach Sizilien

Nach zwei Wochen in Tunesien räumten M. und ich unsere Unterkunft in Hammamet und liefen durch die bereits warme Morgenluft zum Busbahnhof. Wir beide hofften inständig, dass die Fahrt zum Fähranleger reibungslos funktionieren würde. Vorsorglich brachen wir schon recht früh auf, um die Fähre am späten Abend nach Palermo zurück zu nehmen. Mit Bus und Bahn gelangten wir glücklicherweise ohne weitere Schwierigkeiten über Tunis zum Örtchen La Goulette, wo wir noch etwas Zeit verbrachten und auf die Fähre warteten. Ich gab unsere letzten Dinar im Supermarkt aus, da wir diese ohnehin nicht außerhalb des Land mit uns führen durften. Am Rande des Hafens aßen wir das letzte Mal tunesisches Brot mit Harissa und Mechouia. M. konnte es jetzt kaum erwarten, wieder nach Palermo zurückkehren, in die Stadt, die er auf unserer Reise so lieben gelernt hatte.

Doch bis dahin erwartete uns eine Fährenrückfahrt, die sich als chaotischer erwies als zuerst gedacht. Nach dem Einchecken hielten sich alle Fahrgäste in einer Halle auf, die nach kurzer Zeit angesichts all der Menschen aus allen Nähten zu platzen schien. Auch hier fingen die Menschen an, nach kurzer Zeit an, aus Langeweile zu rauchen, wobei das Verbotsschild auch hier ungeachtet blieb. 
Meine Laune sank mit den Stunden immer mehr, angesichts der lärmenden, von Rauchschwaden durchzogenen Halle, in der es auch keine oder kaum Sitzplätze gab. Unsere Fähre schien sich massiv zu verspäten. 
Unser Boarding fand letztendlich erst weit nach Mitternacht statt und als die Fähre ablegte, graute bereits der nächste Morgen. Zu unserem Glück holte die Fähre die verlorene Zeit wieder ein, sodass wir am Nachmittag dennoch wie geplant Palermo erreichten. 

Auch wenn ich in dem Moment sehr erschöpft war angesichts der Rückfahrt und es einiges an Herausforderungen in den beiden Wochen davor zu bewältigen gab, war ich in dem Moment dankbar. Dankbar dafür, die Gewürze, die weißen Gassen, die bunten Türen und die Farben von Tunesien kennen gelernt zu haben.

Von weißen Häusern, Hennatattoos und Strand in Hammamet

Nach zwei Tagen in Tunis hatten M. und ich vor, weiter in den Süden Tunesiens zu reisen. Unsere Wahl fiel auf den Ort Hammamet, der am Meer liegt, sich durch blau-weiße Flachdachhäuser auszeichnet und mit dem Zug etwa zwei Stunden von Tunis entfernt ist. Leider scheiterte die Zugfahrt daran, dass der Zug, der nur einmal täglich fuhr, genau an diesem Tag ausfiel, wie uns am Bahnhof mitgeteilt wurde. Das schien hier öfters vorzukommen und einen Ersatz gab es offensichtlich nicht.  "Es muss eine andere Möglichkeit geben", sagte ich zu M., als wir mit unserem Gepäck den Bahnhof wieder verließen. "Lass uns mal beim Schalter der Nahverkehrsbahn dort drüben fragen." Der Mitarbeiter dort war sehr freundlich und begleitete uns zu der Straßenbahn. Er schrieb uns den Namen der Station auf, von der wir letztlich mit einem Fernbus nach Hammamet gelangten. Sobald wir im Bus saßen und über die Autobahn nach Hammamet brausten, war ich unglaublich zufrieden.

Erst recht zufrieden war ich, nachdem wir unsere gebuchte Unterkunft, das "Maison Blue" in Hammamet gefunden hatten und die Schlüsselübergabe mit unserem Gastgeber geklappt hatte. Ab jetzt wohnten wir in dieser schöne Ferienwohnung in einem blau-weißen Haus, dessen Räume, Küche, Bad und Wohn- bzw. Esszimmer durch eine Dachterrasse voneinander abgetrennt waren. Die Dachterrasse würde ich die folgende Zeit nutzen, um dort Sport zu machen. Zu meinem Erstaunen gab es sogar deutsches Fernsehen neben dem arabischen Fernsehen, so viele Kilometer von unserem Heimatland entfernt. Die viele Lauferei in den letzten Wochen hatte M.'s Füßen inzwischen so sehr zugesetzt, dass es nun an der Zeit war, sie einige Tage hochzulegen und zu schonen. Ich probierte die nächsten Tage typisches tunesisches Essen aus, unter anderem Couscous mit Zitrone und Minze oder Kartoffeleintopf mit Harissa oder Mechouia. Das Couscous gab es im Ort in großen Mengen zu kaufen und schmeckte auch viel besser als in Deutschland. Auch M., der die italienische und asiatische Küche sonst noch mehr schätzt, fand großen Gefallen an meinen Kochexperimente . 

So wie auch schon in Tunis gab es in Hammamet eine kleine Medina, die wir am ersten Abend gemeinsam besuchten und durch die ich die folgenden Tage noch häufiger auf einen Spaziergang vorbeikommen sollte. Inzwischen waren die Temperaturen sommerlicher denn je auf unserer Reise geworden, sodass ich in einer leichten Sommerhose und einem Shirt durch Hammamet spazieren konnte. An der von Palmen gesäumten Straße lagen überall Datteln auf dem Gehweg herum, ein Phänomen, das ich in Tunesien so wie noch nirgendwo anders beobachten konnte- kein Wunder, da Tunesien das Land der Datteln ist, die ein Großteil des Exports ausmachen. 
Die Medina lag direkt neben dem Strand und war von der verbleibenden Stadt durch eine Stadtmauer abgetrennt. Dort gab es mittendrin eine Moschee, aus der M. und ich Gesänge entnehmen konnten. Um sie herum befanden sich Häuser, weißblaue Torbögen und -gänge sowie jede Menge Händler, die ihre Ware lautstark anpriesen. Und noch mehr Katzen. Schon in Italien hatte ich gedacht, vielen Katzen begegnet zu sein, doch in Hammamet entdeckte ich mindestens genauso viele. Sie waren überall: An den Straßen, im Schatten der Medina und sogar am Strand. Die schmucken Türen in blau, weiß oder gelb, die es in Tunesien praktisch überall gibt, mit dösenden Katzen davor, ist ein Bild von Tunesien, das sich mir seitdem stark eingeprägt hat.

Sobald den Einheimischen klar wurde, dass wir Deutsche waren, wurden wir auch ziemlich schnell auf Deutsch angesprochen. Zu unserem Erstaunen gab es nicht wenige, die fließend Deutsch sprachen. Jedes Mal, wenn ich in Hammamet unterwegs war, sprachen mich die Händler mit "Madame" an: 
-"Madame, Madame, das kostet nur einen
Dinar!"
-"Madame, ich schwöre, nur ein Dinar, frag meine Schwester, das kostet wirklich nur so wenig."

Als ich einen Tag später ohne M. nahe der Medina unterwegs war, ließ ich mir ein verschnörkeltes Hennatattoo auf den Handrücken malen, etwas, das ich mir schon lange vorgenommen hatte für unsere Zeit in Tunesien. Bei dem Preis, den der Händler mir zuerst nannte, war er sich offenbar nicht im Klaren darüber, dass es nicht das erste Mal war, dass ich mir in einem nordafrikanischen Land ein Hennatattoo gönnte, und ich dazu vorher recherchiert hatte, was es in Tunesien normalerweise kostet. Ich war mir sicher, dass ich in diesem Laden nicht erfolgreich mit Feilschen sein würde und drehte mich mit einer Verabschiedung in Richtung Ausgang.

"Warte, warte, Madame", rief der Händler hinter mir her und ging mit dem Preis ein Stück herunter. Als ich kurz zögerte, nannte er einen noch geringeren Preis. Als ich immer noch den Kopf schüttelte und den Preis nannte, für den ich mir das Hennatattoo machen würde, schlug er in scheinbarer Verzweiflung die Hände über den Kopf zusammen: "Madame, für den Preis würde nicht einmal meine Schwester ein Hennatattoo bekommen." Nach einigem Hin und Her bekam ich tatsächlich das Hennatattoo für ungefähr den Preis, den ich vorgeschlagen hatte, und verließ etwas überrascht und aufgeregt davon, dass das Handeln so funktioniert hatte, doch zufrieden den Laden.

Der Strand von Hammamet schien kilometerlang zu sein und war an manchen Stellen leider ziemlich vermüllt. Zur Nebensaison war hier auch wenig los, sodass M. und ich uns mit einer Picknickdecke hinsetzen und ein paar leckere Zitrusfrüchte essen konnten, während außer uns kaum Menschen unterwegs waren. Manchmal holte ich mir auch einen viel zu starken, arabischen Kaffee und ließ am Strand das rhythmische Geräusch der Brandung auf mich wirken.