Sonntag, 4. Juni 2023

Panelle in Palermo

In Palermo angekommen, kam uns die Stadt seit dem letzten Mal schon ziemlich vertraut vor. Als wir im Hafen einliefen, begrüßte uns die Sonne genauso wie die Berge hinter den Häusern, was ein wunderschönes Panorama ergab. Und gleichzeitig gab es in Palermo viel zu entdecken, was wir beim letzten Mal noch nicht entdeckt hatten. Nach zwei Tagen in Palermo beschlossen wir, unseren Aufenthalt hier noch etwas zu verlängern, und buchten eine Unterkunft mit großer Dachterrasse. 

Von der Terrasse aus hatten wir sowohl das Straßentreiben sowie die Berge hinter den Hausdächern von mehreren Seiten im Blick. Hier wollten wir ein wenig das sizilianische Leben genießen, bevor es bald wieder mit der Bahn in Richtung Deutschland gehen würde. Abends genoss ich es, mit einem Caffé di Mandorla draußen zu stehen und die Aussicht vor Augen zu haben.
M. und ich schlemmten die folgenden Tage Panelle, frittierte Kichererbsenteilchen mit Salz, die in Brötchen gegessen werden - ich liebte sie genau wie Arancini- und gingen öfters auf dem Markt einkaufen. Panelle sind nach traditionellem Rezept rein pflanzlich und in Palermo bei jedem Straßenstand für paar Euro zu bekommen. Vor unserer Haustür befanden sich jeden Tag Marktstände, die aus den Apen der Verkäufer heraus aufgebaut waren. Die Zucchinis waren im Vergleich zu denen, die in deutschen Supermärkten zu finden sind, extrem lang sowie krumm und schief. Ich fand den Gedanken etwas traurig, dass solche Zucchini in Deutschland nie würden verkauft werden, weil sie zur sehr von der Norm abwichen und den Lebensmittelgesetzten nicht entsprächen - dabei mag ich gerade das, was nicht perfekt ist. Im Supermarkt kauften wir Latte di Mandorla, Mandelmilch, nachdem wir herausgefunden hatten, das diese in Sizilien keinesfalls eine Errungenschaft der Moderne oder des Veganismus ist, sondern sogar die Vorgängerin der Kuhmilch ist. In Sizilien hat diese Tradition, schmeckt meiner Meinung nach wie flüssiges Marzipan, doch wurde mit der Zeit von der Kuhmilch abgelöst. Ich würde jedem*r, der*die Zeit auf Sizilien ist, empfehlen, einmal Latte di Mandorla zu kosten.

M. kaufte sich gleich am ersten Tag neue Schuhe und konnte sich nun nach der Zeit des Ausruhens in Tunesien auch wieder länger am Stück in der Stadt bewegen. Ich nutzte auch erneut die Gelegenheit, an einem der Tage in die örtliche Zirkusschule zu gehen, wo ich gefragt wurde, wie die Zeit in Tunesien gewesen sei. 

An einem sonnigen Vormittag fuhren wir mit dem Nahverkehrsbus zum Strand im Stadtteil Mondello, der aufgrund der Nebensaison angenehm leer war. Auch hier gönnten wir uns Panelle vom Straßenstand und aßen sie auf unserer Picknickdecke am Strand mit Blick auf das Meer und das Bergpanorama neben uns. "Eigentlich ist unsere Zeit hier viel zu kurz", fand M. mit einem Anflug von Wehmut. 
"Auf jeden Fall nutzen wir sie noch gut aus", sagte ich und biss herzhaft in mein krosses Panellebrötchen. Es versetzte uns in freudige Stimmung, an der Strandpromenade mit den Strohschirmen lang zu schlendern, die bunten Boote und den farbenfrohen Ort anzuschauen. Das sollte nicht unser letzter Ausflug bleiben. Ein weiterer Ort am Wasser, der zu Palermo gehört, besuchten wir kurz vor unserer Abreise: Sferracavallo. Sferracavallo lockte uns mit Korallenstränden, allmählich erblühenden Blumen und einer Landzunge, auf der kleine Zipfelmützenhäuser stehen, ähnlich den Trullos in der italienischen Region Apulien. Ein bisschen fühlte ich mich dabei wie eine Schlumpfine im Schlumpfdorf.

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