In unserer Wohnung war alles wie immer. Es fühlte sich für mich gar nicht einmal so merkwürdig an, sie nach all der Zeit wieder zu betreten, schlafen zu gehen und am nächsten Tag früh aufzustehen, um zur Arbeit zu fahren. Es heißt ja auch immer, dass durch die Normalität zuhause den Reisenden oft erst bewusst wird, dass sie es sind, die unterwegs reich an Eindrücken und Erlebnissen geworden sind, während zuhause das Leben im gewohnten Tempo weiter gelaufen ist. Die Narzissen blühten in der Sonne und die Vögel zwitscherten, als ich am nächsten Morgen zur Arbeit lief. Ich war sehr zufrieden, verbrachte einen gelungenen ersten Arbeitstag und einen aufregenden Nachmittag mit meinen Freundinnen. Abends kam ich nachhause, wo M. auf mich wartete und mit mir zu Abend aß. Genau wie ich vor der letzten Reise eine Power-Point-Präsentation erstellt hatte, mit den Möglichkeiten unserer Reiseroute, so hatte M. mich tags zuvor auf der Bahnfahrt bei Wort genommen und nun für mich eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet: Bilder von den grünen Landschaften Sloweniens tauchten vor mir auf dem Bildschirm auf, die Wasserfälle und türkis schimmernden Gewässer Kroatiens, die ich mir schon lange zu sehen gewünscht hatte, sowie die weißen Dörfer Apuliens von Süditalien. Fernweh flammte wieder direkt in mir auf.
M. unterbreitete mir den Vorschlag, dass er seinen Job nicht wieder anfangen würde, sondern dass wir jetzt, wo wir die Möglichkeiten dazu hatten, unsere Reise noch fortsetzen könnten. Erst jetzt realisierte ich, wie ernst es ihm war. Die Abenteurerin in mir machte einen Freudensprung und flüsterte: "Wenn du die Gelegenheit hast, ein Abenteuer zu erleben, dann auf geht's! Worauf wartest du noch?" Meine Gedanken überschlugen sich: Was war mit meinen ganzen Plänen hier zuhause? Würde ich mein Umfeld enttäuschen, wenn ich ankündigte, kurz nach meiner Rückkehr wieder aufbrechen zu wollen? Konnte ich das einfach so machen? War das verrückt oder einfach nur genial? Diese Fragen beschäftigten mich sehr in den folgenden Wochen und bekam dabei sehr viel Rückenwind von meinem Umfeld. Meine Freundinnen wussten, wie sehr ich es liebe, zu reisen, und ermunterten mich, nichtsdestotrotz, wenn sie sagten, dass sie mich vermissen würden.
All das ist jetzt einige Wochen her und hat nun dazu geführt, dass ich hier in Split, einer wunderschönen kroatischen Hafenstadt, mit M. in einer Unterkunft sitze und diese Zeilen tippe, während draußen ein paar Möwen kreischen. Die letzten Wochen sind M. und ich mit Bahn und Bussen durch Österreich, Slowenien und Italien bis hierher gereist. Wer hätte das gedacht? Ich vor ein paar Wochen jedenfalls noch nicht.


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