Dienstag, 15. Oktober 2019

Prag für Anfänger

Im Nachhinein kann ich sagen, dass A. und ich während unseres Prag-Trips, der nur vier Tage gedauert hat, wieder eine Menge erlebt und dazugelernt haben. So schnell werde ich die Eindrücke dieser Tage in der nostalgischen Stadt nicht mehr vergessen.  

1. Was ich sehr witzig fand, waren die orangefarbenen, retrohaften Autos, die total zu dem nostalgischen Charme der Stadt passen, auch wenn diese eher für Touristenfahrten ausgelegt sind. Nostalgisch war auch die Tram, die wir einmal benutzen, und die von außen wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Die Tickets dafür kauft man in den kleinen Kiosks am Straßenrand.

2. Die Jerusalem-Synagoge in Prag, auch im Stadtzentrum, ist das farbenprächtigste Gotteshaus, das ich je gesehen habe. A. und ich sind einmal an dem Gebäude vorbeispaziert, das in der kleinen Seitenstraße, in der es liegt, einen ziemlichen Hingucker darstellt.

3. Als deutsche Touristinnen mussten wir uns erstmal an die tschechische Sprache gewöhnen, mit der wir bisher noch nie in Berührung gekommen waren. Viele Tschech/innen sprechen auch kein Englisch, weshalb man sich notfalls unterstützend mit Händen und Füßen verständigen kann. Jedenfalls fand ich es sehr interessant, diese Sprache überall zu lesen oder zu hören und zu überlegen, was das bedeuten könnte. 

4. Innerhalb Prags waren unsere ausgewählten Plätze alle fußläufig erreichbar, doch in die Stadt waren wir von Deutschland aus mit dem Auto gelangt, was auch meine erste Autoreise (vom Bus einmal abgesehen) in den letzten Jahren darstellte. Diese werde ich so schnell nicht vergessen. Weder A. und ich kennen uns wirklich aus mit tschechischen Parkgesetzten noch Parkzonen und waren überzeugt davon, dass uns nichts Schlimmeres als ein banaler Strafzettel passieren könnte. Falsch gedacht! Als wir aus der Haustür traten, fielen wir beide erstmal aus allen Wolken: Der Platz, an dem das Auto stehen sollte, war leer. Wurde es geklaut, fragten wir uns, oder abgeschleppt? Und jetzt? Bei der Polizei stellte sich heraus, dass es abgeschleppt wurde. Deshalb ist es als Autofahrer/in in Tschechien empfehlenswert, genau darauf zu achten, wo man parkt.

4. A. und ich entdeckten viele historische Gebäude, doch ein Highlight unter den modernen Bauwerken fanden wir auch noch: Das Tanzende Haus. Das Gebäude liegt an der Moldau an einer Straßenkreuzung, nicht weit von der Karlsbrücke entfernt. Abends ist es blau ausgeleuchtet und soll von der Architektur her und den versetzt eingebauten Fenstern an einen Tanz erinnern.

5. In der Nationalbibliothek gibt es ein kleines Bücher-Highlight, das mich an die Libreria Acqua Alta in Venedig erinnerte, nur in moderner und geometrischer Weise. Am Eingang der Bibliothek steht ein kreisförmiger Bücherturm, der aus unzähligen Büchern errichtet ist. A. und ich nutzten den Platz, um ein paar Schnappschnüsse zu machen.

Montag, 14. Oktober 2019

Aussicht über die Stadt

Als ich A. auf dem Rückweg im Auto fragte, welches Erlebnis in Prag ihr am besten gefallen hätte, antwortete sie: "Die Aussicht von unserem Geheimplatz, die wir vom Berg hatten." Ich konnte ihr da nur beipflichten.

Am Tag vorher hatten wir den Hügel hinter der Karlsbrücke erklommen, nachdem wir an der Prager Burg und den umliegenden prachtvollen Gebäude vorbeigekommen waren. Auf dem Hügel stand der Turm Petřín, der äußerlich von seiner Stahlkonstruktion her stark dem Eiffelturm in Paris ähnelt. So groß wie der Eiffelturm war er nicht und meiner Meinung nach auch nicht so beeindruckend, aber trotzdem sehenswert und sehr hübsch. Das achteckige Gebäude wirkte für mich in seinem Graublau inmitten bunter Laubbäume und vergleichsweise wenigen Menschen drumherum, als wäre es Disneyland entsprungen.

A. und ich setzten uns in ein Cafe, statt seine Stufen zu erklimmen, und gönnten uns Kaffee und Tee, bis wir unsere Tour fortsetzten. Wir entschieden, diesmal an der anderen Seite, an der der Weg nicht zwischen der Burg und den anderen zugehörigen Gebäuden längs führte, ins Tal hinabzusteigen. Auf dem Weg begegneten wir kaum anderen Menschen und gerieten nach einer Weile auf einen Trampelpfad, der an einem privaten Haus vorbeiführte und in einer Sackgasse mündete. Doch es war nicht irgendeine Sackgasse: Es gab einen kleinen Vorsprung, hinter dem der Hügel ein wenig abfiel, von dem wir aus über die Dächer Prags blicken konnten und die Gleise der Zahnradbahn unter uns verliefen.

In dem Moment hatten wir diesen Platz ganz für uns allein. Wir setzten uns ein wenig auf den Vorsprung und genossen die Aussicht. Manchmal sind es die kleinen Orte am Rande der bekannten Attraktionen, die für uns das Highlight darstellen. In diesem Fall war das unser Aussichtsplatz.

Nachts in Prag

Bei unserer Ankunft in Prag war es bereits dunkel  und der Regen prasselte gegen die Windschutzscheibe. Unsere Unterkunft, die wir über Airbnb herausgesucht hatten, lag ziemlich zentral, direkt hinter dem Nationaltheater, das in der Dunkelheit wie viele weitere Gebäude hell erleuchtet war.

Dann gingen wir den Abend noch ein wenig durch die Straßen in Richtung eines indischen Imbisses, an hell erleuchteten Schaufenstern und Restaurants vorbei. Dabei bekamen wir mit, wie Prag in der Dunkelheit wirkt. Es wirkt tatsächlich und zwar dadurch, dass alles hell erleuchtet zu scheint: Die Gebäude, die Brunnen und mit sehr viel Liebe zum Detail, die sich sowohl in der Architektur als auch in der Beleuchtung widerspiegelt.

Bekannt ist Prag auch für sein Nachtleben und als Partystadt für deutsche Tourist/innen, für günstige Drinks und günstige Eintritte in Clubs. Es stand auf meiner und A.'s To-do-Liste einmal in Prag feiern gewesen zu sein. Ein Club namens Duplex, der fünf Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt war, warb mit seiner Rooftop-Tanzfläche und damit, dass Mick Jagger seinen 60. Geburtstag hier verbracht hatte. In Glitzer- und Pailettentops fuhren A. und ich wir den Aufzug kurz vor Mitternacht zum Club hinauf. Draußen auf dem Weg dorthin war bereits ein Betrunkener an uns vorbeigetorkelt und hatte sich in die Büsche übergeben, weshalb A. mich schleunigst aus dem Weg gezogen hatte. Für uns ging der Abend erst jetzt los. Leider war die Rooftop-Tanzfläche geschlossen, doch A. und ich lernten wieder eine Menge an diesem Abend über das Prager Nachtleben dazu. Auch, dass in dem Club offenbar hauptsächlich Deutsche unterwegs waren.

Vegan in Tschechien: Mehr als Trndlnik

Als ich von meiner Freundin J. zuhause vor dem Trip erfuhr, dass es ein ganz typisches Gebäck in Prag gibt, versuchte ich, herauszufinden, wie es hieß und ob es das auch in vegan gab. Dabei stieß ich auf den unaussprechlichen Namen Trndlnik, den ich vermutlich immer noch nicht richtig aussprechen kann. A. und ich fanden das Gebäck, das aus gezuckerten Teig besteht und in der Mittel hohl ist, an jeder Ecke, ganz besonders um die Karlsbrücke herum. In allen Variationen war es zu finden, mit Schokolade, mit Eiskugeln darin oder mit Marmelade. A. stellte beim ersten Probieren fest, dass es nicht so fluffig war wie gedacht. Auch ich musste feststellen, dass es mir zuckrig war, nachdem ich ziemlich schnell die vegane Variante gefunden hatte (die allerdings nicht als solche ausgeschildert war, sondern "zufällig" vegan war und online zu finden). Zudem fühlte ich für den Rest des Tages gesättigt, nachdem ich das Teil verputzt hatte.

Ansonsten waren in Prag durchaus mehr vegane Ecken zu finden, als man denkt.
Am ersten Abend sah dies noch ganz anders aus. Hungrig und leicht erschöpft von einer langen Autobahnfahrt, war ich begeistert, einen indischen Imbiss um die Ecke unserer Unterkunft ausfindig zu machen. Auf den Anzeigetafeln hinter den Mitarbeitern stand auch dick und fett: Vegan. "Voila", dachte ich. "Das bestelle ich mir." A. und ich bestellten auf Englisch und bekamen einige Minuten später unsere Tabletts ausgehändigt.

Als wir einen Blick auf meine Soße warfen, stutzten wir. "Da ist Fleisch drin", stellte A. fest und auch mir kam der Verdacht, dass dies kein Tofu sein konnte. "Ist da Fleisch drin?", fragte A. den Mitarbeiter. "Sollte das nicht vegan sein?" - "Es ist vegan, da ist Fleisch drin, aber keine Milch", lautetete die Antwort. Allmählich schwante mir, dass das Schild, das dieses Gericht als "vegan" kennzeichnete, von jemanden angebracht worden sein musste, der sich der Bedeutung nicht bewusst gewesen war. Daraufhin bekamen wir hundert Tschechische Kronen, der Preis für mein Essen (ca. vier Euro), zurück, bar auf die Hand (was uns nicht ungelegen kam) und ich bekam ein Gericht, das diesmal garantiert fleischfrei war.

Die beiden Abende darauf gingen A. und ich ein veganes Restaurant, mit dem Namen "Forky's", in dem uns die Wahl bei der Speisekarte nicht sehr leicht fiel. Ich bestellte mir einen Kebap Wrap und einen Bagel mit Räuchertofu, was an sich erstmal nicht sehr aufregend klingt, in meinen Augen jedoch unschlagbar war. A. probierte einen "No fish"-Teller mit Seitan, der Fisch offenbar sehr ähnlich schmeckt.

Auch in den Supermärkten wurde ich fündig. Da die Zutatenlisten meistens nicht auf Englisch auf den Verpackungen standen, sondern ausschließlich auf Tschechisch, wandte ich zum ersten Mal im Ausland Google Übersetzer an, um herauszufinden, woraus der Hummus bestand, und lernte dabei nebenbei, was Kichererbse (crzna) und Weizenmehl (pšeničná mouka) bedeuten.

In der Seitenstraße, durch die wir zur Prager Rathausuhr gelangt waren, gab es sogar einen Bioladen mit allerhand veganem Gebäck zu niedrigen Preisen, dem ich daraufhin mehr als einen Besuch abstattetete.
Auch, wenn viele der Menschen hier nicht wissen, was Veganismus bedeutet und einem möglicherweise etwas andrehen wollen, was man nicht möchte, weshalb man als Veganer/in auf der Hut sein sollte: Es gibt sie durchaus, die veganen Ecken und Restaurants, wenn man genau hinschaut und weiß, wo man sie findet.

Die Altstädter Astronomische Uhr


Unser erstes Highlight war die Astronomische Uhr, die sich am Prager Rathaus befindet. Diese existiert bereits seit 1410 und veränderte sich im Laufe der Zeit, sodass eines Tages das heutige Kulturdenkmal aus ihr entstand. A. und ich schlenderten von unserer Unterkunft aus durch die Stadt und versuchten, die Uhr zu erreichen, bevor diese zur vollen Stunde schlug. Doch die alten, barocken Bauten um uns herum lenkten uns zeitweilig ab. Einige Fotos später erreichten wir das Prager Rathaus und den Platz davor, auf dem sich zahlreiche Menschen tummelten und die prächtig verzierte Uhr mit den Tierkreiszeichen über ihren Köpfen bewunderten. Ich konnte auch mein Sternzeichen Fische und A.'s Sternzeichen Widder darauf ausmachen.

Am nächsten Abend schafften wir es zur vollen Stunde, da zu sein, als wir auf dem Rückweg von unserem Restaurant noch einmal zufällig wieder zu dem Rathausplatz gelangten. Nachdem die Uhr angefangen hatte. Die Menschen um uns herum warteten schon gespannt und A. zückte ihre Handykamera. "Bestimmt passiert jetzt etwas Magisches", neckte ich sie. Das war nicht ganz der Fall, jedoch passierte etwas anderes: In den Fenstern erschienen Figuren der zwölf Apostel.

 An den Seiten des Ziffernblattes erschienen weitere Figuren, die sich durch Marionettenfäden bewegten. Auf einer Seite ein Sensenmann, der mit den Händen die Glocke über sich klingelt, auf der anderen Seite die Personifizierungen der Eitelkeit und Habsucht. Zum Abschluss des Apostelzugs und nach dem Verklingen der Glocke, dreht die Sensenmannfigur das Stundenglas.
Für mich war diese Rathausuhr mit Abstand die schönste Uhr, die ich je in einer Altstadt gesehen habe.

Schwäne auf der Moldau

Was viele mit Prag verbinden, ist die historische Altstadt und der gotische Baustil, der sich überall widerspiegelt. Tatsächlich hat Prag einiges zu bieten, was das betrifft.

Bei unserer Tour zu Fuß durch die Stadt am ersten Tag liefen A. und ich quer durch die Gassen Prags, an jede Menge barocker Hausfassaden in zarten Pastellfarben vorbei und an zahlreichen Gebäckläden. Nachdem wir absichtlich einige Umwege gemacht hatten und dabei einige gotische Kirchen und Tore entdeckt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Karlsbrücke bzw. Charles Bridge. Die Karlsbrücke ist die älteste Brücke, die über die Moldau führt und heute noch erhalten ist. Auf dem Weg dorthin fanden wir zuerst eine andere Brücke, auf der auch Autos fuhren und von der man einen tollen Blick auf die parallel verlaufende Karlsbrücke hatte.

 A. und ich konnten, als wir die andere Seite unserer Brücke erreichten, einige Schwäne am Moldauufer entdecken. Bei ihnen befanden sich einige Menschen, die trotz eines Verbots, das ausnahmsweise einmal auf Englisch übersetzt worden war, die Schwäne fütterten. Als die Schwäne sich vor unseren Augen ausgiebig um die Brotkrümel zu zanken und gegenseitig zu beißen begannen, versuchten A. und ich nach kurzem Überlegen, die fütternden Personen darauf aufmerksam zu machen. Dies jedoch ohne Erfolg, denn entweder verstanden sie unser Englisch nicht oder wollten unsere Kritik nicht hören.

Jedoch fanden wir es wunderschön, die Schwäne auf dem Wasser zu beobachten und in der Ferne die Karlsbrücke sehen zu können. Als wir unseren Weg fortsetzten, liefen wir durch die überdimensional großen, regenbogenfarben schimmernden Seifenblasen eines Straßenkünstlers, der sich in der Nähe der Schwäne positioniert hatte.
Einige Schritte später erreichten wir die Karlsbrücke tatsächlich, jedoch begann es, in Strömen zu regnen, sodass wir die Brücke mit aufgesetzten Kapuzen im Schnelldurchlauf überquerten und ins in der Hauptstraße in ein Café setzten.

Einen wirklichen Eindruck von der Karlsbrücke erhielten wir somit erst einen Tag später. Kunsthandwerker und Karikaturist/innen hatten sich an der Seite positioniert und boten den vielen vorbeigehenden Menschen ihre Waren und Dienstleistungen an. An den Seiten hatten A. und ich einen weiten Blick über die Moldau, diesmal bei Sonnenschein und konnten gemächlich hinüberlaufen.

Dienstag, 24. September 2019

Nach dem letzten Trip ist vor dem nächsten Trip...

Dass ich aus Venedig zurückgekehrt bin, mit einem weiteren Zwischenstopp bei meinem Freund M., ist noch nicht allzu lange her. Und doch kann ich mich bereits auf meinen nächsten Trip freuen, wie öfters in diesem Sommer: Meine Freundin A., die ich vor mehreren Jahren im Sportcenter kennen gelernt habe, und ich werden die Zeit nutzen, bevor wir wieder in Seminaren und Vorlesungen an unserer Universität sitzen, um ein paar Tage nach Prag zu fahren. Nach ihrem Auslandssemester hatte A. nämlich plötzlich auch das Reisefieber gepackt. Noch im Ausland sagte sie zu mir während unseres Telefonats: "Ich dachte ja eigentlich nicht, dass ich so der Reisetyp bin, weil ich unsere Heimatstadt so sehr liebe. Doch von nun an werde ich öfter ein paar Kurztrips machen."
Kurze Zeit, nachdem sie zurück war, buchten wir also Prag.
Ich freue mich darauf, liebe Leser und Leserinnen, euch dann wieder an unseren Erlebnissen teilhaben zu haben.

Enjoy and respect Venice

Insgesamt hatten S. und ich Tage in Venedig verbracht, die wir so schnell nicht vergessen werden. Manchmal waren wir einfach nur stundenlang durch die Gassen spaziert und hatten eine Brücke nach der anderen überquert. Einmal sogar eine Brücke ohne Geländer, was in dieser Stadt nur selten zu finden ist.

Und manchmal setzten wir uns einfach an den Kanal und tunkten nach einem langen Fußmarsch unsere Füße in das kalte Wasser, während die Vaporetto-Wasserbusse und Wassertaxis an uns vorbeirauschten. Wir kamen an vielen Gewürzmärkten vorbei und an Marktständen, die Pasta in unterschiedlichsten Formen darboten.
Millionen Tourist/innen wollen nach Venedig und das hat auch seinen Grund, wie wir feststellen konnten.




Der Andrang ist so groß, dass innerhalb der Stadt mit der Kampagne "EnjoyRespectVenice" geworben wird und der Hashtag auf sozialen Medien geteilt wird, der darauf aufmerksam machen soll, dass der Charme der Stadt nicht durch das unachtsame Verhalten von Touristen zerstört wird. Die Kampagne legt den Besucher/innen der Stadt ans Herz, nicht zu lange auf den beliebten Brücken zu verweilen, zum Fotografieren etwa, um eine Verstopfung der dieser zu verhindern. Zudem empfiehlt sie, nicht nur die ausgetretenen touristischen Pfade zu nehmen, sondern auch mal in die weniger belebten Seitengassen zu spazieren. Dies lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, da dies die Chance bietet, auch Ecken wie die Libreria Acqua Alta zu entdecken.

 Auf Fahrradfahren und Schwimmen in den Kanälen sollte ebenfalls verzichtet werden, was zeigt, dass dies offenbar nicht immer eine Selbstverständlichkeit darstellt, wie man vielleicht zuerst denken würde. Meiner Meinung nach lohnt sich, Venedig zu sehen; die Stadt kann einem viel geben, und dementsprechend ist es nur fair, ihr Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen, damit ihre Schönheit und ihre Magie die nächsten Jahrzehnte überdauern können.

Sonnenuntergang in Venedig


S. und ich freuten uns während des Venedigtrips an den wunderschönen Sonnenuntergängen, die wir am Wasser beobachten konnten. Von dem Restaurant direkt bei unserer Unterkunft aus,von dem aus das Wasser zu sehen war, konnten wir bei einer Pizza zusehen, wie sich der Himmel orangerot färbte. Einen Tag später saßen wir am Wasser, ließen die Beine über den Rand baumeln, die ganze Stadt vor uns, und stießen wir bei einem Bier auf uns und das Leben an und freuten uns, hier zu sein. Die Farbe der glutroten Sonne spiegelte sich auf der glitzernden Wasseroberfläche und die weißen, prunkvollen Gebäude Venedigs in weiter Ferne wurden in ein malerisches Licht getaucht. "Es heißt ja immer, dass die Natur an Schönheit nicht zu übertreffen ist", sagte S., während wir den Dogenpalast in der Ferne erspähten. "Doch ich finde, Menschen haben auch wunderschöne Bauten und Städte geschaffen." Venedig ist in der Tat ein Beispiel dafür, da gab ich ihr Recht. Ein paar Boot schipperten noch übers Wasser, während allmählich die Dunkelheit hereinbrach. Und in diesem Moment wusste ich, dass ich zur richtigen Zeit am genau richtigen Ort war und dafür unendlich dankbar war. Dankbar, mit S. in dieser schönen Stadt zu sein, für die Möglichkeit, reisen zu können, so viel ich wollte, und für dieses Leben, das so farbenfroh wie der Himmel über uns war. S. erging es ähnlich. "Wenn ich mal Kinder habe", sagte sie zufrieden. "Kann ich ihnen erzählen, dass ich mit meiner Freundin in Venedig war. Darauf freue ich mich jetzt schon." Wir sahen zu, wie die Sonne langsam hinter den Gebäuden der Stadt versank.

Libreria acqua alta

Nachdem S. und ich vieles von Venedig gesehen hatten, das fast jede/r kennt, wartete noch ein Geheimtipp auf uns (Bei dem man sich allerdings fragen kann, ob es noch wirklich ein Geheimtipp ist, im Hinblick darauf, dass er in S.`s Reiseführer stand): Die Libreria Acqua alta, ein Bücherladen direkt am Kanal, der einen besonderen Charme hat und als schönster Buchladen der Welt gilt. Wie schön und besonders, fanden wir heraus, nachdem wir den Weg durch zahlreiche, kleine Gassen zu ihm gefunden hatten. In seiner Mitte befand sich eine Gondel, die vor lauter antiquarischen Büchern fast überquoll. Als S. und ich etwas näher traten, sprang plötzlich eine schwarze Katze zwischen den Büchern hervor - offenbar war der Laden von Katzen bewohnt, wie uns nun klar wurde. Das erklärte auch die vielen Katzenpostkarten, die wir am Eingang gefunden hatten.

Insgesamt war der Laden größer, als wir zuerst gedacht hatten: Es gab an den Seiten in sich geschlossene Höfe, in denen meterhohe Bücherstapel standen, und sogar von innen einen Zugang zum Kanal, an dem eine Gondel festgebunden war. Hier hatten S. und ich die Gelegenheit, zum ersten Mal in einer Gondel zu sitzen- mitten in einer kleinen Gasse mit hübschen Häusern an der Seite. Das Highlight des Bücherladens kam aber noch: In einer der Höfe befand sich ein riesiger Bücherstapel, der schon einige Überschwemmungen erlebt hatte, und auf den eine Art Treppe errichtet wurde. Die Treppenstufen, die an einer Seite hoch und an der anderen Seite hinabführten, bestanden aus dicken, schweren Büchern. S. und ich probierten diese Treppe natürlich direkt aus und setzten uns auf den Bücherstapel, um von dort die Beine herunterbaumeln zu lassen. Dies war mit der Abstand der verrückteste Bücherladen, den ich je gesehen hatte.

Libreria acqua alta, Hochwasser-Bibliothek, heißt der Bücherladen, da er mehrere Überschwemmungen erlebt hat und auch jetzt noch regelmäßig überflutet wird. Wer sich fragt, wie das gehen kann, vor allem bei wasserempfindlichen Büchern, den wird die kreative und künstlerische Atmosphäre des Laden ziemlich erstaunen. Der Besitzer hat aus eben den Büchern, die unter den Überschwemmungen gelitten haben, die Büchertreppe erbaut und damit den Laden in etwas Besonderes verwandelt.

 Beim Hinausgehen, nachdem wir noch einige Postkarten gekauft hatten, entdeckten S. und ich eine weißrote Katze, die sich inmitten der Bücher und Schriften zusammengerollt hatte. Wir sahen sie auch erst auf den zweiten Blick, wahrscheinlich war sie schon da gewesen, als wir den Laden betreten hatten. Es war so niedlich, dass wir erstmal ein Foto machen mussten. S. und ich waren uns einig, dass der Besuch des Bücherladens zu unseren schönsten Erlebnissen in Venedig gehörte.

Ausblick über die Dächer Venedigs



Die Rialto-Brücke in Canale Grande, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten, war von der Dachterrasse des dortigen Luxus-Kaufhauses gut zu beobachten. Das erste Mal auf unserem Trip, als wir mit dem Wasserbus den Canale Grande entlangfuhren, fuhren wir unter der weißen Rialto-Brücke durch, um uns wenig später das jüdische Ghetto anzusehen. Für S. als Studentin der Kultur der Metropole war dieses von großem Interesse. Uns fiel auf, dass das Ghetto, das im 16. Jahrhundert unter Napoleon entstanden und 1796 wieder aufgehoben wurde, eine andere Architektur aufwies als das restliche Venedig: Die Wohnungen schienen viel kleiner zu sein und die Häuser etwas schlichter gebaut.
Zudem herrschte hier nicht so viel Rummel wie an der Rialto-Brücke.

Zu dieser gelangten wir an einem anderen Tag erneut, mit dem Vorhaben, auf die Terrasse des Luxuskaufhauses zu gehen, um den Ausblick über Venedig zu genießen. Vor Ort konnten wir uns den Ausflug auf die Dachterrasse zu einer bestimmten Uhrzeit reservieren, der Eintritt war sogar ein kostenfreies Angebot des Kaufhauses. S. und ich spazierten zuerst durch die vielen Etagen des glamourösen Kaufhauses und gelangten bis ganz nach oben zum Dachgeschoss, in dem schon einige andere Ausflügler/innen warteten. Einige Minuten später gingen wir die Treppe zur Dachterrasse hinauf.

Von hier aus hatten wir nun den Rundumblick über die Dächer Venedigs und konnten die Krümmung des Canale Grandes sehen und die Rialto-Brücke unter uns. Unzählige Dachziegeln, manche davon unebenmäßig und schief, umgaben uns. Ich liebe dieses Unperfekte, Abgerockte, das auf seine individuelle Art schön und einzigartig ist.

Die Sonne schien warm an diesem Nachmittag und war in der Höhe besonders spürbar. S. und ich wanderten einmal rundum über die Dachterrasse und erspähten einige Gebäude ringsum, die wir bisher nur von unten kannten."Ich muss gerade an den Film 'Herr der Diebe' denken", sagte ich zu S. und holte meine venezianische Maske aus meiner Handtasche, die ich vor einigen Tagen gekauft hatte. "Der ist immer über die Dächer der Stadt gelaufen." S. und ich hatten diesen Film, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Cornelia Funke basiert, vor einigen Wochen zur Einstimmung auf den Urlaub geschaut.

Murano

Neben Burano gibt es noch Murano, die Glasbläser-Insel, auch als "Klein-Venedig" bekannt, von der das bekannte Murano-Glas stammt. Hier fuhren S. und ich so früh hin, dass wir nur den Einwohner/innen bei ihrem morgendlichen Spaziergang begegnet. Wir hatten inzwischen selbst die Erfahrung gemacht, was für einen Unterschied es macht, Venedig und die umliegenden Inseln morgens statt nachmittags zu erkunden. Zudem ist Murano generell nicht so überlaufen wie Venedig selbst. Es dauerte nur zwanzig Minuten mit dem Wasserbus, in Murano anzukommen.

Im Zentrum stießen wir auf einen knallbunten Weihnachtsbaum komplett aus Glas, der mich eher an moderne Kunst als ein kitschiges Exemplar zum Hinstellen erinnerte.
Die Gebäude am Wasser waren wieder auf ihre Art wunderschön, mit Blumenkästen vor den Fenstern und Säulen, die teilweise schief geratene Gebäude stützten. Am Rand der Kanäle parkten wieder jede Menge Boote, die die Gebäude zu ergänzen scheinen. Zudem reiht sich ein Glasgeschäft ans andere, in deren Schaufenstern Glaskunst in allen möglichen Formen ausgestellt wird.

S. und ich durchquerten über einige Brücken Murano bis zum Rand, von wo aus wir über die Adria blicken konnten und wieder einmal bei strahlend blauem Himmel die Alpen am Horizont schemenhaft entdecken konnten. Die entspannte, ursprüngliche Atmosphäre in Murano sagte mir und S. sehr zu. 

Samstag, 21. September 2019

Burano: Die bunteste Stadt der Welt


Wenn man sich die Insel Burano bei Venedig auf sozialen Netzwerken anguckt, wird sie als bunteste Stadt der Welt angepriesen, weshalb es auch viele Instagramer/innen dorthin zieht. S. und ich waren nicht als einzige auf die Idee gekommen, die Insel mit den bunten Häusern in den knalligsten Farben zu besuchen.
Etwa eine Dreiviertelstunde fuhren wir mit dem Wasserbus dorthin und konnten unterwegs sogar am Horizont wieder die Umrisse schneebedeckter Alpen ausmachen.
In Burano befanden S. und ich uns schnell inmitten von fotografierenden und posierenden Menschen, woraufhin wir uns einen Seitenarm eines Kanals suchten und Grissini snackten, während wir am Wasser saßen, mit Blick auf eine knallbunte Hausfassade.


Als wir die Kanäle in Burano entlang schlenderten, wusste ich zuerst nicht, wohin ich zuerst blicken sollte. Der Legende nach hatten die Bewohner/innen der Stadt die Häuser so bunt angemalt, damit Fischer ihre Häuser leichter finden konnten und ihnen das Anlegen an der richtigen Stelle leichter fiel.
In der Lagune von Venedig gehört Burano zu den am dichtesten besiedelten Inseln, mit über 2700 Einwohner/innen. 

Vegan in Italien: La dolce Vita

Pizza, Pasta und Eiscreme- wer schlemmen möchte, ist in Italien genau richtig, wie Elizabeth Gilbert, die Autorin des Reise-Bestsellers "Eat, pray, love" schon wusste. "Mit meinem Freund sollte ich auch mal Schlemm-Urlaub in Italien machen", kündigte S. an, nachdem sie sich wieder einmal ihre tägliche Eiswaffel bei unserem Stadtspaziergang geholt hatte. Jeden Tag probierte sie eine neue Sorte, weshalb bei ihr zuhause bereits Wetten darüber abgeschlossen wurden, welche Eissorte sie als Nächstes wählen würde.

Veganer/innen wie ich sind, was dieses Schlemmen betrifft, nicht ausgenommen: Veganes Eis wurde oft als solches gekennzeichnet, wie ich feststellen konnte (und nicht etwas nur Sorbet-Sorten wie Erdbeere oder Zitrone, sondern auch Sorten wie Schokolade und Nuss), in Supermärkten gab es ganze Kühlregale voller Sojajoghurt, Milchalternativen und Tofu-Produkte, und ein paar Schritte vor unserer Haustür gab es ein Restaurant, das auf seiner Speisekarte mit "Pizza vegana" warb. La dolce vita geht somit selbstverständlich auch vegan.

Als ich im Café beim Markusplatz anfragte, erstmal damit rechnend, dass ich meinen Kaffee schwarz trinken würde, ob es auch Sojamilch gäbe, hatte ich Glück und bekam einen Capucchino mit Sojamilch serviert. Sogar der Keks dazu war - zufällig- vegan. La dolce vita, das süße Leben, ist nie weiter als eine Gasse um die Ecke entfernt. ;)

Gondelfähre Triaghetto

Ohne seine Gondeln wäre Venedig nicht das, was es ist. Überall in der Stadt sind die an den Enden spitz verlaufenden Boote mit ein oder zwei stehenden Gondolieren dabei zu beobachten, wie sie durch die Kanäle fahren. Meistens sind es Tourist/innen, die sich in den roten Samtsitzen räkeln. Und diese sind offensichtlich bereit, achtzig bis hundert Euro auf den Tisch bzw. in die Hand des Gondolieres zu legen, um sich eine halbe Stunde Fahrt zu gönnen, nach dem Motto: Einmal im Leben kann man das machen.

Überhaupt macht es die Stadt sehr besonders, dass hier keine Autos unterwegs sind, sondern sich nur zu Fuß oder mit Booten fortbewegt wird.
Selbst Polizei und Sanitäter sind mit Booten, in der Regel wohl Motorbooten, unterwegs, wie S. und ich häufiger beobachten konnten. Wir stellten auch Überlegungen an, wie häufig es hier wohl passierte, dass jemand über Bord ging.

S. und ich hatten auch Interesse an einer Gondelfahrt, jedoch nicht so sehr, dass wir als Low-Budget-Reisende so viel Geld dafür ausgeben würden. Deshalb entschieden wir uns für eine andere Variante der Gondelfahrt: Die Triaghetto Gondelfähre. Als wir vom Markusplatz aus das Wasser in Richtung Rialtobrücke entlang liefen, gelangten wir zu einem Anleger, von dem aus wir mit einer Gondel von einem Ufer des Canale grande zum anderen hinübergebracht wurden.

Außer S. und mir sowie den beiden Gondolieren - an jedem Ende einer- war die Gondel leer. Für diese Fahrt, die fünf Minuten dauerte, zahlten wir pro Person nur zwei Euro und konnten trotzdem echtes venezianisches Gondelfeeling erleben, direkt auf dem Canale Grande.

Sonnenaufgang am Markusplatz

Dass Venedig eine schöne Stadt ist, ist in dieser Welt kein Geheimnis. Somit ist es auch kein Wunder, dass der Markusplatz tagsüber von unzähligen Tourist/innen bevölkert ist und die Stadt in der Nachmittagssonne vor lauter Tagesausflügler/innen fast überzulaufen scheint.
 S. und ich lieben schöne Städte, doch wir lieben es auch, schöne Plätze für uns alleine zu haben.

An unserem ersten Abend in Venedig liefen wir quer durch die Gassen und gelangten dabei irgendwann in der Dunkelheit zum Markusplatz, auf dem Livemusik gespielt wäre. S. und ich verstanden allmählich, warum die Stadt als beliebtes Reiseziel für Pärchen galt. Dabei waren wir uns uns jedoch schnell einig, dass wir mit unseren Partnern nicht hierher fahren müssen, um einen tollen Pärchenurlaub zu verbringen. Als Freundinnen ging dies genauso gut. Der Markusplatz war in der Dunkelheit nicht leer, jedoch angenehm, da nicht so viel los war wie tagsüber. Somit konnten wir die Atmosphäre des lauen Sommerabends hier genießen und uns anschließend etwas in den umliegenden Gassen verlaufen und dabei ein paar Kanäle entdecken, in denen das Wasser im geringen Lichtschein schimmerte.

Da S. und ich schöne Plätze auch gern mal fast ganz für uns alleine haben, standen wir konsequent an einem unserer Urlaubstage um halb sieben auf, nachdem die Sonne gerade ihre Strahlen zaghaft über die Stadt gereckt hatte und besonders den Dogenpalast in ein magisches Licht getaucht hatte. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der beliebten Seufzerbrücke vorbei. S. vermutete, dass der Name daher kam, dass die Brücke aussah wie ein Gesicht, dessen Mundwinkel nach unten zeigen. Tatsächlich kommt der Name aber daher, wie wir später herausfanden, dass durch die Brücke der Dogenpalast mit dem Neuen Gefängnis verbunden wurde.

Auch den geflügelten Löwen, ein bekanntes Symbol Venedigs, auf der Säule neben dem Dogenpalast konnten wir hier einmal bei Tageslicht sehen. Die Straßenlaternen mit den rosafarben getönten Gläsern hatten es mir zudem sehr angetan. Zu dem romantischen Flair der Stadt passten sie.
Ich nutze die Gelegenheit, eine Runde zu jonglieren, da wir den Platz ganz für uns hatten. Außer uns waren nur ein paar Brautpaare unterwegs, die offenbar die Gunst der Stunde nutzten, ohne den sonst vorherrschenden Rummel zu heiraten.

An diesem Morgen gönnten S. und ich es, in einem teuren Cafés rund um den Markusplatz einen Kaffee zu trinken. In Italien und besonders in Venedig bezahlt man meistens das Doppelte dafür, an einem Tisch zu sitzen, weshalb wir für unsere Cappucchinos mit einem Krug Wasser dazu jeweils 6 bis 7 Euro zahlten. Wer nicht so viel zahlen möchte als Tourist/in, ist am besten mit einem Kaffee to go bedient, und sollte eher das berühmte Café Florian am Markusplatz meiden, in dem ein Kaffee am Tisch fünfundvierzig Euro kostet. Ich kann jedoch sagen, unser kleiner Cafebesuch hat sich gelohnt. Wir hatten das schnuckelige Cafe in einer Seitengasse spontan gefunden und hatten es um diese Zeit auch fast für uns allein. "Ein Kaffee mit Sojamilch an einem schönen Ort, damit ist mein Tag schon von vornerein gerettet", erklärte ich S., als wir zufrieden unsere Kaffees schlürften.
 Klares Fazit: Früh aufstehen lohnt sich in Venedig, denn dann entfaltet diese Stadt ihre ganz besondere Magie.

Aufbruch nach Venedig

Jedes Mal, wenn ich von meinen Plänen berichtet hatte, mit meiner Freundin S. aus Schulzeiten nach Venedig zu fahren, begannen meine Gesprächspartner/innen, von der Stadt mit den unzähligen Kanälen, den verwinkelten Gassen und schmucken Brücken zu schwärmen. Dass Venedig beliebt ist, steht außer Frage. Fast jede/r möchte dorthin, inklusive mir und S..

Zuerst entwickelten wir nur grob die Idee, einen Mädelsurlaub in Italien zu machen und schauten uns einige Orte auf der Karte an. Mein Blick wanderte die Karte nach Norditalien hoch und blieb an Venedig hängen. Nach einigen Überlegungen entschieden wir, dass wir dorthin fahren wollten.
In diesem Monat schafften wir es, unseren Plan in die Tat umzusetzen und waren vor Ort dann so begeistert wie alle, die uns von der Stadt erzählt hatten.

An einen Sonntagabend setzte ich mich in den Flixbus in Heidelberg. Mein Freund M. hatte mich noch mit einem leckeren Frühstück für die Fahrt versorgt und verabschiedete mich am Bus. Während dieser Nacht, in der ich nur wenig schlief, aber voller Vorfreude auf mein nächstes Reiseziel war, durchquerte mein Bus Süddeutschland, Österreich und dann die Alpen nach Italien. S. konnte am nächsten Mittag die schneebedeckten Bergspitzen aus dem Flugzeug betrachten, die erstaunlicherweise nicht weit weg von Venedig und den umliegenden Inseln lagen.

Als sie landete, befand ich mich bereits in einem Wasserbus (Das ist ein Boot, das als öffentliches Verkehrsmittel dient) auf dem Weg zu unserer Unterkunft. Diese lag in einer schmalen Gasse, an der ich zuerst fast vorbeigelaufen wäre, und als ich aus dem Fenster blickte, sah ich die Wäsche aus den Fenstern hängen, wie es für italienische Gassen typisch ist. Ein paar Stunden später, nachdem ich mich nach meiner Nachtfahrt etwas aufgefrischt hatte, konnte ich noch etwas aus dem Fenster erspähen: S., die gerade mit Backpacker-Rucksack und Sonnenbrille auf der Nase in die Gasse einbog. Nun hatten wir beide den Weg hierher gefunden: Unser Venedig-Trip konnte beginnen.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Amsterdam für Anfänger

Insgesamt hat Amsterdam mir richtig gut gefallen. Die Stadt ist zudem nur drei Stunden von Köln entfernt, dem Ort, von dem aus wir gestartet sind, und damit nur ein Sprungvon Deutschland aus- um die halbe Welt musste ich für diesen Trip  nicht reisen.

1. Der Vondelpark ist ein wunderhübscher Park mit Wasserfontänen und Pavillons. M. und ich haben hier gepicknickt und dabei Besuch von Blesshühnern und Enten bekommen, die um Essen gebettelt haben. Wegen der schädlichen Hefe im Essen haben wir uns damit zurückgehalten, ihnen etwas abzugeben. Sogar grüne Papageien haben wir beobachten können, die durch die Baumwipfel geflogen sind (Wir haben vermutet, dass sie wie in anderen Städten aus dem Zoo ausgebrochen sind und sich nun vermehrt haben).

2. Es lohnt sich, über den Blumenmarkt im Zentrum von Amsterdam zu schlendern. Wenn man Verwandten eine Freude machen möchte, lassen sich hier die unterschiedlichsten Variationen von Blumenzwiebeln und Tulpen in knalligen Farben finden.

3. Es gibt ein Rotlichtviertel in Amsterdam, in das auch eine Gracht eingebettet ist und das bei Einbruch der Dunkelheit sehr, sehr voll ist. Nach Clubs zum Feiern habe ich allerdings vergeblich Ausschau gehalten- es reiht sich ein Laufhaus nach dem anderen in der Straße und die Prostituierten stellen sich in den Schaufenstern öffentlich zur Schau. Der Schwerpunkt liegt in diesem Viertel somit nicht auf der Partyszene.

4. Natürlich ist Amsterdam auch für seine Coffeeshops bekannt, da Cannabis hier legal erworben und konsumiert werden darf. M. und ich entdeckten in den Schaufenstern besagter Coffeeshops verschiedenste Produkte, die mit der Cannabis-Pflanze bedruckt waren, und sogar "Space-Cookies", Muffins mit Cannabis-Füllung.

5. Bei Nacht sehen die Brückenbögen, an denen Lichter montiert sind, wunderschön aus, wenn sich das Licht im Wasser spiegelt. M. und ich sind einmal bei Dunkelheit  die Grachten entlang spaziert, was sich absolut gelohnt hat.

In der Icebar

Minus zehn Grad im Hochsommer im Amsterdam? Ja, das geht! Und zwar in der Icebar, die sich nahe des Stadtzentrums befindet. Hier konnten M. und ich bei eisigen Temperaturen Shots und Bier genießen. Für uns beide war es eines der Highlights auf unserem Trip.

Ein wenig durchnässt vom Regen, den wir an diesem Abend das erste Mal in diesem Urlaub erlebten, kamen wir am Eingangstresen an und konnten uns in der Bar, die den Vorraum zu der eigentlichen Icebar darstellte, ein wenig trocknen. Dort bekamen wir jeweils schon einen Cocktail, um uns innerlich aufzuwärmen. Die Besucher/innen wurden gruppenweise nacheinander in die Icebar geführt. Dafür war der Käpt'n zuständig, der begleitend zu einem Video, in dem unsere kleine "Expedition" ins Eismeer vorgeführt wurde, uns dazu aufrief, mitzukommen. M. und ich ließen uns von seiner Begeisterung anstecken, da er mit Dreiecks-Hut und Degen völlig in seiner Rolle aufging.

Kurz darauf wurden alle Besucher/innen unserer Gruppe mit warmen Jacken und roten Handschuhen ausgestattet. Der Käpt'n schenkte uns die Getränke in dem Raum aus, dessen Wände und Decken voller Eis waren.
 M. und ich tranken einen Sambuca aus einem Becher, das komplett aus Eis bestand. Das eiskalte Bier, das ich danach bekam, befand sich ebenfalls in einem großen Gefäß aus Eis. Dafür, dass hier so kalte Temperaturen herrschten, wurde uns nicht so schnell kalt. Der Raum stellte dabei einen ziemlichen Kontrast zu dem warmen Wetter draußen dar.
Es gab in dem Raum eine Eisbär-Skulptur komplett aus Eis, ein Steuerrad, hinter das wir uns stellen konnten, und Bartische, die auf einem riesigen Eisklotz positioniert waren.
Die Stimmung war so gut, dass wir die Zeit vergaßen. "Ihr seid immer noch da", merkte der Käpn't beim Bierzapfen lachend an. "Die anderen aus eurer Gruppe sind schon alle wieder draußen."

Tatsächlich hielten wir beide es ziemlich lange aus, ohne zu frieren, während inzwischen wieder eine neue Gruppe an Gästen in die Icebar gekommen war. Wenig später gingen wir zum Eingang und holten unser Erinnerungsfoto ab, um dann wieder in die warme Nachtluft Amsterdams zu treten. Der Regen hatte aufgehört.

NDSM Werft

Amsterdam besteht nicht nur aus Grachten, den alten Gebäuden im Zentrum und aus Coffeeshops. M. und ich fuhren mit der Fähre durch den Hafen nach Amsterdam-Noord, um das andere Ufer mit dem dahinterliegenden Viertel zu erkunden. Dort befand sich das Gelände der NDSM-Werft, in der sich jede Menge Graffiti-Walls, an denen das Sprühen legal ist, und Künstlerateliers in der riesigen Halle der ehemaligen Schiffswerft.
M. und ich liefen noch ein ganzes Stück, ehe wir das Industrieviertel durchquert hatten und das Werftgelände erreichten.

Auch am hellichten Tag konnten wir hier Künsterler/innen beobachten, die an den Containern mit ihren Sprühdosen ihrer Kreativität freien Lauf ließen. Auf dem Platz vor der Halle waren mehrere Container aufgestellt worden, an denen riesige Streetart-Kunstwerke prangten. Neben Mogli und dem Bären Balu konnte ich Bilder von Piraten ausmachen, viele Gesichter, viel knallbunte Schrift und zudem einen Amsterdam-Schriftzug.

In der Halle selbst hatten sich Künstler/innen wohl in Architektur ausprobiert. M. fotografierte mich hier vor einer Wand, die aus einer riesigen Collage bestand, als wären die Bilder alle aus Zeitschriften zusammengeschnitten worden. Wer vor der Streetart posiert, auch in bunter Kleidung, kann davon ausgehen, farblich ein Teil des Ganzen zu werden und auf Fotos erst auf den zweiten Blick erkannt zu werden.

Auf unserem Weg zum Fährenanleger am Wasser entdeckten wir noch ein halb versenktes Klein-Flugzeug und ein U-Boot, das halb aus dem Wasser ragte. Letzteres lag nicht weit vom "Botel", einem riesigen Schiff mit Zimmern an Bord zum Vermieten, das in Amsterdam ankert.

Was Wohnmöglichkeiten angeht, wurde hier zusätzlich zu den Hausbooten, die wir schon gesehen hatten, offenbar noch eins draufgesetzt: Alte Bahnwaggons, die am Ufer standen und offensichtlich zu einer Behausung hergerichtet worden waren, hatte das Viertel auch zu bieten. Würde ich nicht schon einen Zirkuswagen besitzen und drei Jahre darin gelebt haben, hätte ich mir spätestens dort die Inspiration dazu holen können. :)

Hausboote

Was M. noch vor mir an Amsterdam faszinierend fand, waren die Hausboote, die es hier überall gibt. Überall in den Grachten lagen sie, meist über und über mit Grün bepflanzt und einen besonderen Charme versprühend. Auf unseren Spaziergängen durch die Gassen an den Grachten entlang fanden wir sogar eine Straße, in der sich ein Hausboot hinter das andere reiht. Es gab hier ein Hausboot-Museum, in dem man gegen Eintritt ein Hausboot von innen besichtigen kann. Wir entschlossen uns jedoch, stattdessen die Straße weiter entlangzuschlendern und uns anzusehen, wie die Decks der Boote gestaltet wurden: Mit Pflanzen, Gartenmöbeln, sogar Hollywoodschaukeln und Solarplatten. 
Die Briefkästen der Boote befanden sich meistens am Übergang zum Land, teilweise fanden wir sogar schön verzierte Pforten vor dem Übergang zu den Booten. In anderen Ecken Amsterdams waren Hausboote teilweise gar nicht als welche erkennbar, da sie komplett die Form eines kleinen Häuschens besaßen, mit Spitzdach, Terrasse und Zaun, und so dicht aneinanderlagen, dass sich das Wasser darunter kaum noch erahnen ließ. Ich empfand diese Art, zu wohnen und zu leben, als sehr inspirierend.

Vegane Restaurants in Amsterdam

Auf dem Amsterdam-Trip war ich nicht die einzige, die die Stadt nach veganen Möglichkeiten abcheckte. Den Experten für gute vegane Restaurants hatte ich direkt an meiner Seite. M. machte jeden Tag für uns über seine App "Happy Cow" die veganen Restaurants in der Stadt für uns ausfindig- und das waren nicht wenige. Offensichtlich waren wir in einem veganen Paradies gelandet und hatten uns genau die richtige Stadt für unseren ersten gemeinsamen Urlaub herausgesucht.
Unter anderem gingen wir in die Vegan Junkfood Bar. Dort bekamen wir schwarz gefärbte Burger mit praller Füllung, zu der veganer Käseund Käsesticks

In einem Restaurant, in dem wir einen Nachmittag zum Mittagessen einkehrten, lag in einer Seitenstraße. "Hier fühlt es sich so an, als würde ich beim Hinausgehen direkt zum Strand und in ein exotisches Gebiet gelangen", sagte M., während wir an unseren Kokos-Milchshakes nippten und die bemalten Wände betrachteten, auf denen handgemalte Bilder zu sehen waren. An der Wand neben unserem Tisch stand "We are the Wifi", ein Hinweis darauf, dass die Restaurantbesucher/innen sich lieber mit ihrem Gegenüber beschäftigen sollten als mit ihrem Smartphone. M. und ich wurden diesem Satz absolut gerecht.

Auch in den Supermärkten waren die rein pflanzlichen Alternativen genauso vielfältig wie in Deutschland: Wir besorgten uns zum Frühstück Sojajoghurt und Soja-Quark und fanden auch verschiedene Tofu-Sorten zum Snacken für unser Picknick im Vondelpark.

M. hatte gehört, dass in Amsterdam Stroopwafels (wie auch immer man es ausspricht) gibt und die hier sehr landestypisch sind. Stroopwafels sind weiche Doppelkekse, die durch Karamell zusammengehalten werden und sehr süß schmecken. In zahlreichen Läden, an denen wir vorbeikamen, wurde damit geworben. Wir wollten daraufhin herausfinden, ob es auch vegane Stroopwafels gibt und scannten somit in den Läden die Zutatenlisten. In einem Supermarkt wurden wir tatsächlich fündig und nahmen eine Packung für unser Picknick mit. M. deckte sich am letzten Tag ausreichend mit Stroopwafels ein, um die Daheimgebliebenen bei seiner Rückkehr damit zu erfreuen.
Eins konnte ich nach Besuch der veganen Restaurants feststellen: Ich habe selten auf meinen Reisen so üppig und lecker gegessen wie hier.

Over the edge

Weitläufige Aussichten sind etwas, das M. und ich lieben. Somit planten wir einen Ausflug auf die Plattform des Lookout-Tower, von der aus man einen weiten Blick über die Stadt hat. Zudem gibt es dort die Möglichkeit, auf  "Over the edge", der höchsten Schaukel Europas, zu schaukeln. "Das müssen wir unbedingt machen", sagte ich zu M.. Somit holten wir am Eingang die Tickets und stiegen in den Fahrstuhl. Darin gab es zum Einstieg eine Lightshow in bunten Farben, die sich während der Fahrt beim Blick nach oben durch den gläsernen Fahrstuhl beobachten ließ. Sie spielte sich jedoch nur für wenige Sekunden über unseren Köpfen ab, dann öffneten sich die Fahrstuhltüren bereits.

Auf der Plattform konnten M. und ich einmal ringsum gehen und die Stadt von allen Seiten betrachten. Erst hier wurde mir klar, dass Amsterdam nicht weit vom Meer liegt, worauf ich zuvor noch gar nicht gekommen war. Zu unseren Füßen lag der Hafen, den wir mit einer Fähre durchquert hatten, um zum Lookout-Tower zu gelangen. Diese Fähre fährt kostenlos und nimmt alle mit, Fahrradfahrer/innen, Fußgänger/innen und ihre Hunde.
Wenig später stellten wir uns bei den Schaukeln an, die wir vom Erdboden aus schon gesehen hatten, bevor wir auf den Turm gelangt hatten. Von hier oben nahm der Blick nach unten noch eine ganze andere Dimension an. Auf der Plattform gab es auch ein rundes Glas, das im Boden eingebaut war und den Blick in etwa hundert Meter Tiefe freigab. Als M. sich daraufstellte, bekam ich ein mulmiges Gefühl. Als ich selbst auf dem Glas stand, erging es mir ebenso.
"Das ist verdammt hoch", sagte ich zu M., als wir bei der Schaukel Schlange standen. Gleichzeitig war ich richtig gespannt, wie es sich anfühlen würde, in 100 Metern über dem Erdboden zu schaukeln. 
Kurz darauf saßen wir in dem roten Schaukelgestell und bewegten uns über den Rand. Vor uns war nichts als strahlend blauer Himmel mit ein paar weißen Wolken. Amsterdam lag zu unseren Füßen, die in der Luft baumelten, und die Wasseroberfläche glitzerte. Sanft bewegte sich die Schaukel hin und her und der Wind fuhr durch meine Haare. Es war gar nicht so sehr mit dem Adrenalinrausch in Achterbahnen vergleichbar, wie ich zuerst erwartet hatte, sondern eher idyllisch und schön, wennauch sehr aufregend. M. neben mir war genauso begeistert wie ich, hier zu sitzen. Es dauerte nicht lange, da war es auch schon wieder vorbei; die Schaukel wurde heruntergelassen und wir hatten wieder festen Boden unter den Füßen. Doch ich wusste, ich würde dieses schöne Erlebnis so schnell nicht vergessen.