Diesmal hatten meine Kindheitsfreundin Ji, die Luftartistik genauso sehr liebt wie ich, die Idee, ein einwöchiges Luftartistik-Training in London zu absolvieren. Wir mieteten uns ein Airbnb nahe der Tower Bridge und brachen jeden Morgen zum Luftartistik-Studio auf, um zu trainieren. Zur Mittagszeit kehrten wir in unsere Unterkunft zurück und zogen dann wieder nach einer Stärkung los, um London zu erkunden. Die im Dunkeln angeleuchtete Tower Bridge ließen wir uns dabei nicht entgehen, und auch nicht das Szeneviertel Notting Hill mit den bunten Häusern, das mir bei meinen letzten Besuchen schon sehr gefallen hatte. In der herbstlichen Atmosphäre mit den teils orangerot verfärbten Bäumen und der goldenen Herbstsonne, die sich zwischendurch immer mal wieder blicken ließ, hatte das Ganze noch einen besonderen Charme.
London kann auf der einen Seite mit traditionellen, britischem Charme punkten, in Form roter Telefonzellen sowie roter Doppeldeckerbusse und English Black Tea, ist auf der anderen Seite total international, bunt und verrückt, wie an den Werbetafeln des Picadilly Circus, den mit Lampions geschmückten Straßen der Chinatown und den vielfältigen Food-Angeboten, darunter auch eine Menge vegan für uns, am Camden Market erkennbar ist. Alleine die Fahrt mit der Metro ist schon ein Erlebnis für sich. Zur Vegan-Szene gehört auch Deliciously Ella, in deren Laden wir einkehrten und ein Heißgetränk bestellten. Ji schlemmte sich durch die Angebote der Food-Hallen, unter anderem am Camden Market, und ich aß so viele Bagels wie nie zuvor. Am ersten Abend kauften wir uns jeweils einen Bagel mit Avocado und Erdnussbutter bei Beigel Bakery in der Brick Lane. "Ich kenn niemanden, der Bagels so sehr liebt wie du", stellte Ji fest, als ich die Tage danach bei einer Zwischenmahlzeit wieder einen Bagel aus meiner Brotdose hervorkramte. Tatsächlich bekomme ich immer Lust darauf, wenn ich in Großbritannien bin, genauso wie auch auf English Black Tea mit Hafermilch.
Neben den Standard-Sehenswürdigkeiten wie Buckingham Palace, West Minster Abbey und Big Ben, die ich Ji und ich beide von unseren vergangenen London-Trips schon kannten, entdecken wir ein paar Geheimtipps- die britische Hauptstadt ist schließlich noch viel mehr als das. Im gotischen Stil und leicht verwunschen war der Park um die Kirche St. Dunstan, besonders nach dem Regen, der kurz vorher hinabgetröpfelt war. Habe ich schon erwähnt, dass es in London viel regnet? Meistens hatten wir Glück und saßen gerade in der Metro oder in einem der roten Doppeldecker-Busse, während wir die Stadt hinter den Scheibenwischern sahen. Ich hatte bei unserem Ausflug nach St. Dunstan Nüsse dabei und konnte schon hier auf dem Gelände ein neugieriges Eichhörnchen entdecken, dass uns ein paar aus unseren Handflächen klaubte. Noch viele weitere kamen uns später im Hyde Park entgegen gerannt kamen.
Es gibt für mich kaum etwas Niedlicheres, als eine Eichhörnchen-Pfote, die in meine Hand greift und dann Nüsse knuspert.
Bunt und verrückt war auch die Bälle-Bar Ballie Ballerson, in der nicht nur die Barkeeper mit Shaker jonglierten, sondern es auch eine Halle mit bunt angeleuchtetem Bällebad und großen Spiegeln an der Decke gab. Eine verrücktere Location habe ich selten gesehen - Ji und mir machte es großen Spaß, in dem Pool zwischen bunten Lichtern und Plastikkugeln abzutauchen. Der restliche Bereich ist mit Sitzgelegenheiten versehen und Ecken, in die sich die Besucher*innen mit einem Drink oder Snack von der Bar hinsetzen können.
Ebenfalls schräg war die Neonschilder-Ausstellung von God's Own Yunkyard. Ji und ich fuhren mit der Metro ein kleines Stück außerhalb und konnten dann die verschiedenen Neontafeln bewundern, zwischen denen wir vor Ort einen Rundgang machen konnten. Selbst bei mehreren Durchgängen ist immer noch ein neues Schild und ein neues Detail zu entdecken. Ji mutmaßte, dass die Stromrechnung hier unfassbare Ausmaße nehmen musste.Auch diese Reise nach London hat gezeigt, dass es in der Hauptstadt Großbritanniens nicht so schnell langweilig wird. Es gibt Verschiedenes zu entdecken: Museen, Ausstellungen, Essen, sportliche Aktivitäten (die hatten wir dank unseres Luftartistik-Trainings ohnehin schon mit dabei) und Märkte. Bill Bryson formulierte es so: "London isn't a place at all. It's a million little places."
















































