Sonntag, 26. November 2023

Zwischen Tower Bridge und Tuchakrobatik in good old London

Ich bin in der Vergangenheit immer wieder in London gewesen, sei es auf Klassenfahrt in Schulzeiten, Durchreisen zu Festivals und anderen Orten oder Wochenendtrip. Und jedes Mal gab es wieder etwas Neues zu entdecken. So auch dieses Mal.

Diesmal hatten meine Kindheitsfreundin Ji, die Luftartistik genauso sehr liebt wie ich, die Idee, ein einwöchiges Luftartistik-Training in London zu absolvieren. Wir mieteten uns ein Airbnb nahe der Tower Bridge und brachen jeden Morgen zum Luftartistik-Studio auf, um zu trainieren. Zur Mittagszeit kehrten wir in unsere Unterkunft zurück und zogen dann wieder nach einer Stärkung los, um London zu erkunden. Die im Dunkeln angeleuchtete Tower Bridge ließen wir uns dabei nicht entgehen, und auch nicht das Szeneviertel Notting Hill mit den bunten Häusern, das mir bei meinen letzten Besuchen schon sehr gefallen hatte. In der herbstlichen Atmosphäre mit den teils orangerot verfärbten Bäumen und der goldenen Herbstsonne, die sich zwischendurch immer mal wieder blicken ließ, hatte das Ganze noch einen besonderen Charme. 

London kann auf der einen Seite mit traditionellen, britischem Charme punkten, in Form roter Telefonzellen sowie roter Doppeldeckerbusse und English Black Tea, ist auf der anderen Seite total international, bunt und verrückt, wie an den Werbetafeln des Picadilly Circus, den mit Lampions geschmückten Straßen der Chinatown und den vielfältigen Food-Angeboten, darunter auch eine Menge vegan für uns, am Camden Market erkennbar ist. Alleine die Fahrt mit der Metro ist schon ein Erlebnis für sich. Zur Vegan-Szene gehört auch Deliciously Ella, in deren Laden wir einkehrten und ein Heißgetränk bestellten. Ji schlemmte sich durch die Angebote der Food-Hallen, unter anderem am Camden Market, und ich aß so viele Bagels wie nie zuvor. Am ersten Abend kauften wir uns jeweils einen Bagel mit Avocado und Erdnussbutter bei Beigel Bakery in der Brick Lane. "Ich kenn niemanden, der Bagels so sehr liebt wie du", stellte Ji fest, als ich die Tage danach bei einer Zwischenmahlzeit wieder einen Bagel aus meiner Brotdose hervorkramte. Tatsächlich bekomme ich immer Lust darauf, wenn ich in Großbritannien bin, genauso wie auch auf English Black Tea mit Hafermilch.

Neben den Standard-Sehenswürdigkeiten wie Buckingham Palace, West Minster Abbey und Big Ben, die ich Ji und ich beide von unseren vergangenen London-Trips schon kannten, entdecken wir ein paar Geheimtipps- die britische Hauptstadt ist schließlich noch viel mehr als das. Im gotischen Stil und leicht verwunschen war der Park um die Kirche St. Dunstan, besonders nach dem Regen, der kurz vorher hinabgetröpfelt war. Habe ich schon erwähnt, dass es in London viel regnet? Meistens hatten wir Glück und saßen gerade in der Metro oder in einem der roten Doppeldecker-Busse, während wir die Stadt hinter den Scheibenwischern sahen. Ich hatte bei unserem Ausflug nach St. Dunstan Nüsse dabei und konnte schon hier auf dem Gelände ein neugieriges Eichhörnchen entdecken, dass uns ein paar aus unseren Handflächen klaubte. Noch viele weitere kamen uns später  im Hyde Park entgegen gerannt kamen. 

Es gibt für mich kaum etwas Niedlicheres, als eine Eichhörnchen-Pfote, die in meine Hand greift und dann Nüsse knuspert. 

Bunt und verrückt war auch die Bälle-Bar Ballie Ballerson, in der nicht nur die Barkeeper mit Shaker jonglierten, sondern es auch eine Halle mit bunt angeleuchtetem Bällebad und großen Spiegeln an der Decke gab. Eine verrücktere Location habe ich selten gesehen - Ji und mir machte es großen Spaß, in dem Pool zwischen bunten Lichtern und Plastikkugeln abzutauchen. Der restliche Bereich ist mit Sitzgelegenheiten versehen und Ecken, in die sich die Besucher*innen mit einem Drink oder Snack von der Bar hinsetzen können. 

Ebenfalls schräg war die Neonschilder-Ausstellung von God's Own Yunkyard. Ji und ich fuhren mit der Metro ein kleines Stück außerhalb und konnten dann die verschiedenen Neontafeln bewundern, zwischen denen wir vor Ort einen Rundgang machen konnten. Selbst bei mehreren Durchgängen ist immer noch ein neues Schild und ein neues Detail zu entdecken. Ji mutmaßte, dass die Stromrechnung hier unfassbare Ausmaße nehmen musste. 

Auch diese Reise nach London hat gezeigt, dass es in der Hauptstadt Großbritanniens nicht so schnell langweilig wird. Es gibt Verschiedenes zu entdecken: Museen, Ausstellungen, Essen, sportliche Aktivitäten (die hatten wir dank unseres Luftartistik-Trainings ohnehin schon mit dabei) und Märkte. Bill Bryson formulierte es so: "London isn't a place at all. It's a million little places."

Dienstag, 1. August 2023

Mädelstrip nach Budapest

Wie schon beim letzten Mal kam ich wieder in Hamburg an und musste bereits einen Tag später feststellen, dass nach der Reise gleichzeitig vor der Reise bedeutet: Es gab ein ausgelassenes Wiedersehen mit meiner Freundin J., die schon länger mit mir die Idee im Kopf gehabt hatte, einen Mädelstrip in die ungarische Hauptstadt Budapest zu machen. Wir hatten beide noch frei, zumindest noch eine gemeinsame Woche. Schnell stand also die Frage im Raum: "Warum machen wir es jetzt nicht einfach spontan?" 

"Wenn ich zuhause bin, guck ich mal wegen den Verbindungen", versprach ich J., während wir im Park spazieren gingen und über den Trip sprachen. J. überlegte kurz, dann sagte sie: "Am besten bringe ich dich jetzt zum Bus und du schaust direkt nach, damit wir das fertig buchen können." Gesagt, getan. Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir drei Tage vor Aufbruch sowohl eine schicke, preisgünstige Unterkunft als auch zwei Fernbusfahrten mit einmal Umsteigen fanden. Als wir im Bus saßen und die Nacht durchfuhren, konnte ich selbst kaum glauben, dass J. und ich es tatsächlich hinbekommen hatten, so spontan nach Budapest zu gelangen.

Budapest gilt als wunderschöne, ästhetische Stadt und ich kann nur bestätigen, dass sie diesem Ruf gerecht wird. Die Menschen wirken freundlich und entspannt, die Gebäude sowie die gesamte Innenstadt sind gepflegt und die Lebenshaltungskosten sind für ein europäisches Land relativ gering.
Vom Busbahnhof aus testeten wir zum ersten Mal den Nahverkehr der Stadt mit U-Bahn und Straßenbahn. In die gelben, nostalgischen Straßenbahnen, die J. und ich in ähnlicher Form auch in Lissabon erlebt haben, verliebte ich mich wieder direkt. Wenn wir die Wahl hatten, Straßenbahn oder ein anderes Verkehrsmittel zu unserem Zielort in Budapest zu nutzen, schlug ich am liebsten die Straßenbahn vor. Ich liebte es, mit J. darin zu sitzen und durch die Straßen zu rattern.

J. und ich entdeckten eine architektonische Augenweide nach der anderen, besonders am Ufer der Donau. Während einer Schifffahrt am ersten Abend kamen wir am Parlament vorbei, das in seiner Größe sogar genau einen halben Meter länger als die Titanic ist, und an der märchenhaft anmutenden Fischerbastei sowie passierten die Brücken, die in unterschiedlichem Baustil gebaut waren. Besondere Atmosphäre machte sich in der Dunkelheit breit, als wir das Schiff wieder verlassen hatten, sodass wir noch etwas an einer der Brücken verweilten, während die Lichter nach und nach aufleuchteten. 

Wer nach Budapest reist, wird früher oder später auf Lángos stoßen, einer ungarischen Spezialität aus frittierten Teig, der mit Sourcreme bestrichen und Reibekäse bestreut ist. Nachdem J. und ich durch das bunte jüdische Viertel zwischen Streetart und mehreren Bars bis hin zum Karavan Food-Markt geschlendert waren und dort noch kein Essen gefunden hatten, das uns überzeugte, entschieden wir uns dafür, vegane Lángos in dem beliebten Laden "Retro Lángos" zu holen, bei dem wir draußen sitzen konnten. Die Spezialität ist natürlich sehr gehaltvoll, doch etwas, das mir in Deutschland bisher unbekannt war und mich somit neugierig gemacht hatte. "Essen ist Kultur", sagt J. öfters und da kann ich ihr nur Recht geben. Vegane Lángos fanden wir auch danach häufiger an vielen Ecken der Stadt, genauso die zuckrigen "Chimney cakes", die ich in Prag auch schon kennen gelernt hatte. Generell war es leicht, vegane Angebote in Budapest zu finden, ob unterwegs oder im Supermarkt, obwohl die traditionelle ungarische Küche eigentlich recht fleischlastig ist. Wir kamen an einer Vielzahl veganer Restaurants und Cafés vorbei. Vermutlich liegt es daran, dass Budapest eine so junge Stadt ist.

Die Fischerbastei nahmen wir am Abend danach noch näher in Augenschein. Nach 21 Uhr war sie kostenfrei zugänglich und ich hatte den Eindruck, dass sich um diese Tageszeit auch weniger Menschen hier aufhielten. Die Luft war angenehm warm und trocken, während auf der anderen Flussseite der Donau der Himmel ganz andere Signale aussendete: Blitze erleuchteten zwischenzeitlich den Himmel in der Ferne, allerdings so weit weg, dass wir keinen Donner grollen hören konnten. "Hier hast du noch eine extra Lightshow dazu", sagte ich zu J., als wir erstaunt die Blitze wahrnahmen. Der Fischerbastei nahm das jedoch überhaupt nicht ihre Romantik und auch nicht dem in goldenen Licht angestrahlten Parlament auf der anderen Flussseite. Eine Straßenmusikerin spielte, die Stimmung war ausgelassen und wir beide genossen es, den Abend hier ausklingen zu lassen.

Meistens gingen wir abends noch einmal hinaus und unternahmen etwas, wie zum Beispiel einen Ausflug ins Open Air Kino. Innerhalb einer bunten Anlage mit Skaterbahnen, Essensbuden, bei denen J. sich einen veganen Lángos kaufen konnte, und bunten Streetart-Wällen gab es ein Beachvolleyball-Feld, das mit Liegestühlen versehen wurden. Mit einbrechender Dunkelheit wurde hier kostenfrei der Film "Bad Boys" abgespielt, während J. und ich bei einer Popcorn-Tüte in jeweils einem Liegestuhl saßen und die Stunts auf der Leinwand vor uns mitverfolgten. Da es zunehmend frischer wurde, blieben wir nicht bis zum Ende, doch ich war froh, die Atmosphäre des Open Air Kinos miterlebt haben zu dürfen.

Das Finale war die Radtour am letzten Tag, von der J. mich überzeugt hatte. Zuerst hatte ich große Zweifel, ob ich mich auf dem Fahrrad wohlfühlen und damit gut zurechtfinden würde, da es zu den Fortbewegungsmitteln gehört, die ich normalerweise meide. J. redete mir gut zu und letztendlich ließ ich mich auf das Experiment ein und radelte inmitten einer kleinen Gruppe über die Brücken und an den bekanntesten Plätzen der Stadt vorbei, während der Guide dazu etwas erzählte. Voller Eindrücke im Kopf saß ich in den Nachmittagsstunden vor unserer Abreise mit J. am Ufer der Donau neben dem Parlament und sog mit ihr die Schönheit dieser Stadt mit den Augen auf. 

Über Bari zurück nach Deutschland

Die letzte Etappe unserer Reise war erneut Bari, bevor es mit der Trenitalia und ÖBB zurück nach Deutschland gehen sollte. Von Korfu aus nahmen wir wieder über Nacht eine Fähre, in der wir wie auch letztes Mal in Sesseln schliefen. Ich wurde früh wach und ging an Deck, um mir den Sonnenaufgang anzusehen. Sonnenaufgänge und -untergänge hatte ich auf dieser Reise noch mehr lieben gelernt als zuvor.

M. und ich kosteten noch einen vollen Tag das süditalienische Leben mit Pizza Marinara, Focaccia Barese und Soia-Espressino in meinem Lieblingsbistro Vergnagno in Bari aus, sogen das Gefühl auf, durch die Altstadt zu wandern. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich auch die Orecchiette-Dame wieder, bei der wir am ersten Abend in Bari Pasta gekauft hatten. Mit reichlich italienischem Essen, darunter auch Taralli und Olivenöl, im Gepäck würden wir demnach am nächsten Tag in die Trenitalia steigen und wieder nach Deutschland zurückkehren.
Mit gut gefüllten Mägen gingen wir abends schlafen und es wurde allmählich realer, dass nun der zweite Teil der Reise sich zum Ende neigte. M. und ich konnten gemeinsam feststellen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, unsere Reise fortzusetzen und all die Dinge zu erleben, die wir in den letzten Wochen erlebt hatten. Wir hatten Italien nun noch besser kennen gelernt, fühlten uns dort erst recht zuhause und ich hatte einen intensiveren Eindruck von einigen südosteuropäischen Ländern und ihrer Vergangenheit bekommen. Wieder einmal war diese Reise zusammen mit M. ein Abenteuer, das ich nicht missen möchte.

Kerkyra: Griechisches Leben auf Korfu

Da Korfu zweimal der Zwischenstopp auf den Fahrten zwischen Italien und Albanien war, hatten wir Gelegenheit, hier einige Stunden zu verbringen, ohne hier zu nächtigen. Schon auf der Hinfahrt hatte mich Korfus Hauptstadt Kerkyra sehr begeistert, mit ihren warmen Farben, den Streetart-Kunstwerken mittendrin und der Freundlichkeit der Menschen. In Kerkyra holten wir uns in der heißen Nachmittagssonne einen kühlen, frisch gepressten Saft und bewegten uns mit ihm in der Hand durch die schattigen Seitengassen der Altstadt.

Auf der Rückfahrt von Saranda aus hatten M. und ich noch etwas vor: Wir wollten eine Tour mit dem örtlichen Piratenschiff  machen. Da sich die Zeit eine Stunde nach vorne verschob, war es bereits Mittagszeit, als wir dort ankamen und wieder einmal unser Gepäck in der Gepäckaufbewahrungsstation verstauten. Im Nachhinein erinnere ich mich sehr gern an diese Piratenschiff-Tour zurück. Das Schiff, die "Black Rose" war an sich schon ein Erlebnis, so reichlich, wie es in Gold und Schwarz im Detail verziert war, mit einer Schatztruhe auf dem Deck. 

In der Schatztruhe gab es Accessoires wie Piratenhüte und Säbel, sodass wir unser Äußeres auch piratenmäßig auf das Schiff abstimmen konnten. Das Schiff fuhr uns mit musikalischer Untermalung ein Stück die Küste entlang und bot uns somit noch ein bisschen Sightseeing. 

Es brachte uns zu einem Platz, an dem die Flugzeuge sehr dicht über unsere Köpfe hinwegflogen. Beeindruckt warfen wir unsere Köpfe in den Nacken und blickten der Maschine hinterher, die über uns hinwegsauste. M. und mir erschien die Fahrt wie das musikalisch begleitete Ende eines Films, was ganz gut passte, weil wir am Ende dieser Reise standen.

Montag, 31. Juli 2023

Durch die albanischen Berge nach Gjirokaster

Die Fahrt nach Gjirokaster, die ich gern mit den örtlichen Bussen statt mit einer geführten Tour vornehmen wollte, stellte sich zunächst als Herausforderung dar. Doch ich lernte dabei viel über das Bussystem der Einheimischen. Gjirokaster ist ein Ort in den albanischen Bergen, der von wesentlich mehr Einheimischen als Saranda bewohnt ist und ein noch vergleichsweise traditionelles Erscheinungsbild hat. 

Die Busfahrer standen im Zentrum von Saranda und riefen lauthals die Ziele, an denen die Busse hielten. Uns fiel auf, dass die Preise variierten, doch im Vergleich zu einer geführten Tour auf Getyourguide waren sie wesentlich günstiger und auch erlebnisreicher. Zu meinem Erstaunen versuchten die Busfahrer auch nicht, uns zur Mitfahrt zu überzeugen und feilschten auch nicht um die Preise. Das wirkte auf uns wesentlich angenehmer, als wenn es anders gewesen wäre.

Unter der Woche standen wir extra wieder früh auf, um den Bus nach Gjirokaster zu nehmen. Innerhalb weniger Minuten war der Kleinbus voll und wir kurvten durch die Berge. M. und ich bückten uns ein wenig, um einen Blick durch die niedrig angesetzten Fenster auf die Landschaft zu erhaschen. Einige Zeit später, es war immer noch früh, wurden wir in Gjirokaster abgesetzt. Ein kurzer Fußmarsch den Berg hinauf führte uns in die Altstadt, die uns am meisten interessierte. Wir konnten die Burg sehen und die Häuser mit den auf eine besondere Art angeordneten Dachschindeln, dank derer Gjirokaster auch als "City of the roofs" gilt. Weit oben in der Altstadt gelangten wir zum traditionellen, ottomanischen Skendaki-Haus, das wir uns von innen ansehen konnten. Es machte mir unglaublich Spaß, durch das abgedunkelte, reichlich verzierte Haus zu spazieren. Außer uns waren kaum andere Menschen hier und ich fühlte mich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Auf dem Boden lagen rot-schwarz gemusterte Teppiche und Sitzgelegenheiten, wohl gleichzeitig auch Schlafgelegenheiten, an der Wand. Die Fenster waren mit bunten Gläsern versehen und fast jeder Raum besaß zudem einen schmucken Kamin. Toiletten, die aus einem viereckigen Loch im Boden mit Klappdeckel bestanden, gab es auch in jedem Raum, was Rückschlüsse zuließ, die ich durchaus erstaunlich fand. Zwischendurch gab es von den Terrassen immer wieder eine schöne Aussicht auf das grüne Tal. Hier und da ragte auch das Minarett einer Moschee aus der Landschaft. 

Nach dem Besuch des Skendaki-Haus schlenderten M. und ich zwischen den hölzernen Häusern der Alststadt Gjirokasters herum, bestaunten die Teppiche, die hier verkauft wurden und konnten insgesamt einiges buntes entdecken. Rund um die Burg konnten wir zwischen grünen Bäumen im Schatten etwas spazieren gehen. Auf dem Rückweg hatten wir direkt Glück, auf einen Busfahrer zu stoßen, der uns nach Saranda zu bringen gedachte. Außer uns stiegen noch andere Urlauber*innen ein, auch zwei ältere italienische Damen, die eine große Begeisterung für Albanien teilten und sich etwas mit uns unterhielten. Der Busfahrer holte auf dem Weg noch einige Pakete ab und gab sie währenddessen woanders ab; es wurden also gleichzeitig mit dem Passagiertransport auch Warentransporte verbunden. Ich konnte damit wieder einmal die Erfahrung machen, dass wir durch die Nutzung einheimischer Verkehrsmittel am meisten erleben und lernen konnten. Gjirokaster hatte uns außerdem noch eine andere Seite Albaniens, fernab von den Strandspots Saranda und Ksamil, gezeigt, die ich nicht missen möchte.

Saranda: Sonne, Sand und Meer in Albanien

Von Ostuni aus ging es mit der Trenitalia nach Brindisi, das wenige Minuten entfernt ist und über einen Hafen verfügt, von dem aus uns eine weitere Fährenfahrt erwartete: Diesmal nach Korfu. Von der griechischen Insel aus war unser Ziel Saranda in Albanien nur eine weitere halbe Stunde Fährenfahrt entfernt. Auf Korfu kamen wir bereits im Sonnenaufgang an und konnten in den noch fast menschenleeren Gassen der Hauptstadt Kerkyra verweilen. Ich konnte mich sehr für die orangefarbenen Häuser und die warmen Farben der griechischen Stadt begeistern. Auch M. konnte sich für die Atmosphäre auf der griechischen Insel erwärmen. Die Fährenfahrt von Brindisi aus war vergleichsweise entspannt gewesen dank der verstellbaren Sessel, auf denen leichtes Dösen sogar gut möglich war. Trotzdem war ich todmüde, als wir unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrungsstation in Kerkyra wieder abholten. Von der kurzen Fährenfahrt mit einem kleinen Boot nach Saranda bekam ich wenig mit, da ich an M.'s Schulter einnickte. 

Der Checkout am Hafen von Saranda lief wesentlich schneller ab als gedacht und so erklommen wir kurz darauf den Weg an der Straße den Berg hinauf, auf dem unsere Unterkunft lag. Der anstrengende Aufstieg lohnte sich: Als wir in unserem geräumigen, sauberen Apartment ankamen, das zudem eine Terrasse mit Blick auf die Stadt und auch ein Stück aufs Meer besaß, war ich überaus zufrieden, dort zu sein. Vor der Eingangstür tollten in den nächsten Tagen immer wieder zwei Katzenbabys herum, die sich uns und unserem Apartment neugierig näherten. Wir schliefen erst einmal gründlich aus, kochten uns Essen und machten uns die Folgetage daran, Saranda ausgiebiger zu erkunden.

Tagsüber brannte meistens die Sonne, weshalb wir uns besonders in den Abendstunden draußen bewegten. Zu diesem Zeitpunkt war an der Strandpromenade auch am meisten Action. Wir konnten türkische Eisverkäufer dabei beobachten, wie sie Tricks vor staunenden Kinderaugen mit dem Eisstab vollführten. Es sah aus, als würden sie quasi mit dem Eis jonglieren, was mir jedes Mal ein Lächeln entlockte. An der Promenade reihten sich Badestrände, Cafés, Strandbars und sogar auch ein kleiner Jahrmarkt mit Riesenrad zwischen Palmen. Beleuchtete Piratenschiffe mit dem Gesicht des furchterregenden Piraten Davy Jones aus "Fluch der Karibik" stachen uns aus der abendlichen Beleuchtung der Strandpromenade ins Auge. Ich nutzte den frühen Abend unter anderem dazu, am Badestrand plantschen zu gehen und die Taucherbrille aus Monopoli zu nutzen. Das Wasser war zwar trüber als dort, doch ich konnte trotzdem einige Fische und Unterwasserpflanzen erspähen.

Noch mehr Strand fanden wir in Ksamil, dem Nachbarort von Saranda vor. Zum Glück hatten wir es inzwischen geschafft, albanische LEK in einer Wechselstube umzutauschen, nachdem sich das Abhaben mit Kreditkarte am Geldautomaten als sehr schwierig und teuer erwiesen hatte. Im Bus wurde nämlich durch einen Jugendlichen während der Fahrt das Busfahrgeld, was umgerechnet etwa einen Euro kostete, eingesammelt.

Es wurde zunehmend heiß und M. und ich hatten Mühe, einen guten Platz zwischen der Masse an Badegästen zu finden, der schattig und zugleich keine astronomische Gebühr kostete. Das karibisch blaue Wasser empfand ich als wunderschön, doch das Gewusel durch die vielen Menschen machte es uns nicht ganz so leicht, einen Platz zum Entspannen zu finden. Doch irgendwann hatten wir Glück. Oberhalb einer Strandbar fanden wir einen Picknicktisch, der etwas abgelegen im Schatten lag und von dem aus wir zwischen Baumzweigen auf das Meer und die dahinterliegenden Berge blicken konnten. Ich holte M. und mir ein paar Getränke aus der Strandbar, in der die jungen Servicekräfte mir mit großer Freundlichkeit begegneten. Es sah so aus, als hätten wir nun unsere kleine Oase gefunden. Danach konnten wir mit neuer Energie weiterziehen und die hawaiianisch anmutenden Skulpturen vor den Strandbars oder die Skulptur einer riesigen blauen, aus dem Wasser ragenden Hand entdecken. Strandbars mit tropischen Skulpturen aus Bast fanden wir in den Strandgegenden Albaniens öfter vor: Auch in Saranda gab es Bars und Cafés, die auf eine ähnliche Art und Weise kreativ gestaltet waren. Doch am liebsten erinnere ich mich an den Platz an dem versteckten Holztisch zurück, unserer Oase, die wir in Ksamil zufällig gefunden hatten.

Samstag, 15. Juli 2023

Ostuni, die weiße Stadt Apuliens


Wieder führte der Weg M. und mich
über Bari, als wir von Matera aus nach Ostuni weiterreisten. Der Bahnhof lag etwas außerhalb der weißen Stadt, weshalb wir mit unseren Koffern erst einmal vierzig Minuten zu Fuß in der Sonne die Straße den Berg hinauflaufen mussten.
Doch der Anblick lohnte sich: Ich habe schon einige weiße Städte gesehen auf dieser Welt, doch keine erschien mir so weiß wie Ostuni es ist. Überall waren Kakteen gepflanzt und andere Blumen, die neben dem Himmel der einzige Farbtupfer in dem Weiß darstellten. Es gab Ape-Taxis, die regelmäßig an uns vorbeisausten, und verschiedene kleine Cafés, mit und ohne Aussicht auf die Stadt. In einem davon tranken M. und ich einige Tage später auch einen Aperol Spritz und einen Eiskaffee. 

Wir hausten während unserer Zeit in einer für diese Orte typischen Unterkunft mit weißen Wänden, Rundbögen und der Tür, die beim Öffnen gleichzeitig als Lichtquelle diente. So konnten wir uns darin hineinfühlen, wie es sich in süditalienischen Erdgeschoss-Wohnungen lebt, und verstanden noch besser, weshalb es hierzulande als höflich geht, an den geöffneten Türen in den Gassen vorbeizugehen und weder neugierig hineinzuschauen noch die Leute zu grüßen. Englisch wird hier auch nicht selbstverständlich von den Einheimischen gesprochen, was wir auch bei unseren Gastgebern feststellten und bei unserem Check-In zuerst für etwas Chaos sorgte. 

Letztendlich konnten wir in Ostuni etwas ankommen, nach der Zeit in Matera ausschlafen und wieder leckeres Essen ausfindig machen. Es gab zum Beispiel einen Laden, in dem wir uns Pettole, salzige frittierte Bällchen aus Pizzateig, mitnehmen und auf der Stadtmauer von Ostuni schlemmen konnten. Zuvor statteten wir einem Gartencafé einen Besuch ab, das fußläufig nur wenige Minuten von Ostunis Innenstadt entfernt war, von dort aus gesehen allerdings wesentlich weiter weg wirkte: Von hier ließ sich Ostuni gut erspähen, wie es sich mit seinem bergigen Stadtbild aus dem Meer aus Olivenbäumen erhob. Das Besondere an dem Gartencafé war zudem, dass die Lebensmittel auf der Speisekarte direkt auf dem Gelände angebaut wurden. Die beiden großen Stücke Wassermelone, die wir uns bestellten (für mich als Obstliebhaberin natürlich genau das Richtige, vor allem bei dem warmen Sommerwetter), stammten somit direkt aus dem Beet, neben dem wir auf Strohballen saßen. 

Die Tage in Ostuni verbrachten M. und ich hauptsächlich in der Stadt selbst. Ein Tagesausflug nach Cisternino hatte nicht geklappt wie geplant, da sich am Bahnhof von Cisternino herausstellte, dass die Altstadt des Örtchens noch mehrere Kilometer zu Fuß entfernt lag. Wir hatten das Glück, zumindest auf dem Rückweg auf einen Laden zu treffen, der vor Ort gepresstes Olivenöl verkaufte. So war der Ausflug nicht ganz umsonst gewesen. Lieber nutzten wir die folgenden Tage, um das italienische Leben in Ostuni zu genießen. Als wir am letzten Abend vor unserer Abreise den Sonnenuntergang von meinem Lieblingsaussichtspunkt betrachteten (ich habe Sonnenuntergänge auf dieser Reise besonders schätzen gelernt)
, wusste ich, dass es sich gelohnt hatte, hierherzureisen.

Ausflug in die Basilikata: Von Brotgenuss und Feuerwerksschuss

Von Bari aus gelangten M. und ich mit einem Zug, der auf einer separaten Zugstrecke fuhr, in die Region Basilikata, die nördlich von Apulien liegt. Unser Ziel war die Höhlenstadt Matera, doch wir legten davor noch einen Zwischenstopp in Altamura ein. Deutschland ist gut im Brotbacken, doch die Italiener in Altamura können es auch: Es gibt in dem kleinen Ort, der weltweit für sein Brot bekannt ist (zu Recht), sogar ein kleines Brotmuseum, in der uns vor Ort erklärt wurde, wie das Brot gebacken wird. Die Rezeptur ist immer vegan und in dem Fall auch regional, weil das Getreide in den Feldern angebaut wird, durch die zuvor unser Zug gefahren war. Somit kamen wir bereits wohlgesättigt und zufrieden mit dem Zug in Matera an.

In Matera sollte an dem Wochenende unseres Aufenthalts das Festa della Bruna gefeiert werden, anlässlich der Schutzpatronin der Stadt, Maria della Bruna. Die Aussicht auf die Sassis, die Höhlensiedlungen im Berg rund um die Stadt und inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe, empfand ich als sehr besonders. Genau wie die Altstadt von Matera, deren Bauweise noch wieder ganz anders war als in den Orten, die wir zuvor gesehen hatten. Im Dunkeln, als alles angeleuchtet war, und die Musik von dem Fest zu uns hinüberklang, war Matera ebenfalls wunderschön. Es wundert mich nicht, dass die Stadt als Drehort für so manchen Kinofilm ausgewählt wurde, wie zum Beispiel für "James Bond - No time to die". Auch hier trafen wir auf andere Touris, doch es war ähnlich wie in Alberobello trotz der Feierlichkeiten nicht überlaufen. 

Abends erstrahlten die Plätze der Innenstadt unter gewaltigen, bunten Lichtinstallationen, unter denen M. und ich hindurchspazieren konnten. Die Nacht wurde kurz, denn bereits um drei Uhr nachts standen wir wieder auf, um die frühmorgendliche Prozession auf dem Hauptplatz mitzubekommen, mit der der finale Tag des Festa della Bruna eingeläutet werden sollte. Wir waren erstaunt darüber, wie viele Menschen sich schon zu früher Stunde versammelt hatten und der Rede des Bischofs beiwohnten, von der wir aufgrund unserer noch nicht so ausgeprägten Italienischkenntnisse wenig verstanden. Interessant war es trotzdem.

 Kurze Zeit danach, als die Sonne aufging, zogen mehr und mehr Menschen mit uns zusammen durch die Straßen und hielten zwischendurch an, um auf dafür abgesperrten Plätzen ein Feuerwerk anzuzünden. Nach dem andächtigen Morgen wurde es nun wild und laut. Nach dem ereignisreichen Morgen gönnten M. und ich uns in unserer Unterkunft eine Pause. 

Danach spazierten wir wieder durch die Altstadt Materas, ich ließ mir auch hier den Sonnenuntergang nicht entgehen und verfolgten die Parade durch die Stadt, an deren Ende traditionellerweise von den jungen Menschen der geschmückte Wagen zerstört wird. Zu dem Zeitpunkt, als Letzteres passieren sollte, befanden wir uns allerdings schon bei einem Aussichtspunkt, um das Feuerwerk mitzubekommen, das um Mitternacht von den Sassis aus geschossen wurde. Leider klappte es mit der Pyrotechnik nicht ganz so wie geplant, denn zwischendurch wurde es unterbrochen. Doch trotzdem war es ein Erlebnis, diesen Tag hier verbracht zu haben.

Unterwegs in Apulien


M. und ich hatten eine Unterkunft in Molfetta gebucht, was nah an Bari lag und von den Preisen wesentlich günstiger war. Zudem schien das Leben im Gegensatz zum großstädtischen, belebten Bari etwas gemütlicher abzulaufen. 
Unser Apartment war über ein Dach begehbar und besaß eine Terrasse, auf der uns die nächsten Abende malerische Sonnenuntergänge erwarteten, die ich so schnell nicht vergessen werde. Von Molfetta aus erkundeten wir die nächsten Tage einige Orte ringsum in Apulien mithilfe der Trenitalia. Auf keiner der Fahrten waren wir dabei länger als eineinhalb Stunden unterwegs und jeder der Orte lohnte sich auf seine Art und Weise.

Sehr begeisterte mich darunter das Dorf Casamassima, das durch seine blaue Altstadt begeistert. Wir erlebten den Ort als bislang noch sehr unbekannt und hatten auch erst nach intensiver Recherche erfahren, dass er überhaupt existiert. Als wir dort ankamen, verliebte ich mich sofort in das blaue Gassenlabyrinth mit den Blumen, schmucken Treppen und zahlreichen Details. Immer wenn wir um die Ecke gingen, erwartete uns eine weitere Treppe mit bepflanzten Blumenkübeln oder ein blaues Fahrrad oder eine Bank mit einem italienischen Spruch darauf. Auch das Obst, das wir unterwegs in einer Frutteria in Casamassima kauften, gehörte zu den köstlichsten und saftigsten, die ich gegessen habe. Der Verkäufer packte uns sogar freundlicherweise noch ein paar weitere Früchte extra mit ein, nachdem wir bezahlt hatten.

Da wir in Bari bisher nur einen Abend verbracht hatten, fuhren M. und ich dort noch ein paar weitere Male hin. Schließlich gab es dort so viel zu entdecken, dass es sich lohnte, dort noch etwas mehr Zeit zu verbringen. In der Altstadt war es tagsüber wesentlich ruhiger, während abends dort das Leben in der Gastronomie tobte. Wir entdeckten unter anderem den hübsch bepflanzten Häuserübergang in einer Gasse mittendrin, zu dem eine Legende existiert: Laut der wurde er innerhalb einer einzigen Nacht von dem Vater eines liebenden Mannes gebaut, damit er zu seiner Liebsten auf der anderen Straßenseite gelangen konnte, deren Eltern gegen diese Liebe waren.

 M. und ich fanden in der Altstadt noch die beliebte Orecchiette-Straße, die offizielle und belebteste Straße in der Altstadt, in der die dort lebenden Hausfrauen vor den Häusern Orecchiette herstellen. Wir ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen, noch weitere Tüten Orecchiette zu kaufen. Als Kaffeeliebhaberin konnte ich noch eine weitere regionstypische Kaffeespezialität ausfindig machen: Espressino. Espressino ist eine Mischung aus Espresso und aufgeschäumter Milch mit etwas Kakao drinnen, die ich im traditionellen Café Vergagno mit Sojamilch am Tresen schlürfen konnte. Dieses Kaffeegetränk war absolut nach meinem Geschmack. 

In Polignano a Mare fanden wir einen paradiesischen Steinstrand, der in einer Bucht zwischen den Felsen lag. Das Wasser leuchtete an diesem Morgen in einem tiefen Blau und lud dazu ein, hineinzuspringen oder mit den Füßen hineinzugehen, wie ich es tat. Als sehr besonders empfand ich die Aussicht von der Klippe zu der gegenüberliegenden Klippe, auf die die Altstadt gebaut war. Ein paar Tage später würde hier auch ein legendäres, öffentliches Klippenspringen stattfinden. In der Altstadt war wesentlich mehr los als an den anderen kleineren Orten, die wir bisher ringsum von Bari aus besucht hatten. Es gab einige hübsche Terrassen auf den Klippen, von denen aus wir aufs Meer hinausblicken konnten. Ein Vintage-Laden reihte sich zudem nach dem anderen in den weißen Gassen. 

In dem Ort Monopoli am Meer mit einem pittoresken, alten Hafen ging es vom Lebensstil wieder sehr gemütlich zu, sodass morgens hauptsächlich ein paar vereinzelte Einheimische anzutreffen waren, die die Gassen kehrten und allmählich ihr Tagwerk begannen. Ein Stück außerhalb der Innenstadt gibt es an den Steilküsten einige Strände, zu denen wir hinabklettern konnten und die als Schnorchelspots sehr beliebt sind. Nach einigen Überlegungen, ob wir eine Schnorcheltour buchen sollten, entschieden wir uns in dem Fall, uns in Monopoli selbst eine Taucherbrille zu kaufen. Es lohnte sich: Unweit vom Ufer konnten M. und ich am Meeresboden Fischen in verschiedenen Größen und schillernden Farben sowie Wasserpflanzen beobachten. Der Vorteil hierbei war, dass das Wasser kristallklar ist.

Einer unserer Tagesausflüge führte uns nach Gravina, einer kleinen Stadt, deren Brücke im Zentrum über eine Schlucht führt und dabei ein beeindruckendes Bild abgibt. Wer "James Bond - No time to die" gesehen hat, konnte sich auf der Kinoleinwand bereits ein Bild von dem Ort verschaffen: Von dieser Brücke hat sich James Bond nämlich am Anfang dieses Films geschwungen. "Gravina" bedeutet übersetzt auch nichts anderes als "Schlucht". Eines der besten Focaccia Pugliese fanden wir übrigens in einer traditionellen Bäckerei in einer kleinen Seitenstraße nicht weit weg von der Schlucht: Dort gab es wirklich gute Qualität für einen kleinen Preis. 

Freitag, 14. Juli 2023

Alberobello: Übernachtung im Trullo-Haus

  
Auf die nächste Etappe hatten M. und ich uns schon länger gefreut: Alberobello. Das Dorf ist bekannt für die Fülle seiner Trulli, Häuser mit zipfelmützenartigen Dächern. Nirgendwo in Apulien gibt es so viele wie hier. Die Trulli-Häuser haben eine bestimmte Bauweise, bei der auf den runden Untersatz aus Steinen ein Dach errichtet wird, das dicht ist, ohne durch Mörtel oder Ähnliches verbunden zu werden. Es heißt, dass die Häuser im 17. Jahrhundert gebaut wurden und, um Steuern zu sparen, das Dach ohne Zement oder Mörtel errichtet wurde, dass es im Falle einer Inspektion wieder abgenommen und als nicht steuerpflichtiger Stall deklariert werden konnte. 

M. und ich bezogen in Alberobello für eine Nacht eine Unterkunft, die direkt zwischen zwei Trulli lag und eine Terrasse hatte. Auf dieser würden wir am gleichen Abend die Orecchiette aus Bari genießen. Ein Bus hatte uns vom Hauptbahnhof Bari direkt nach Alberobello gebracht. Den Tag schlenderten wir durch das UNESCO-Weltkulturerbe, bestaunten das Meer an Trulli-Häusern, das sich vor uns unter blauem Himmel auftat und aßen Focaccia Pugliese. Die Gassen waren wie in den meisten apulischen Orten schön hergerichtet, mit Blumen, Sprüchen an den weißen Wänden und anderer Dekoration. Es gab außer uns einige weitere Touris, doch im Gegensatz zu anderen italienischen Orten wie Venedig oder Mailand wirkte es hier sehr entspannt und überhaupt nicht überfüllt. 

Später sahen wir uns auch das größte Trullo des Ortes an, das allerdings im Vergleich zu neuzeitlichen Häusern immer noch klein war. Romantisch wurde es abends, als sich der Himmel orangerot verfärbte und hinter den weißen Trulli mit den grauen Steindächern ein wunderschönes Bild abgab. Nach und nach gingen die Lichter an, ein Trullo wurde sogar bunt angeleuchtet, und sommerabendliche Stimmung in Alberobello machte sich breit - es war magisch und ich liebte es. 

Donnerstag, 13. Juli 2023

Bari: Das Tor zu Apulien

Zurück nach Italien ging es nach den Wochen in Kroatien wieder mit der Fähre. Mit unseren Koffern gelangten wir an dem Morgen unseres Abreisetages auf die Fähre und konnten dann eine ziemlich entspannte Überfahrt nach Bari erleben. M. freute sich wie verrückt, dass wir in sein Lieblingsland zurückkehren konnten, und in eine Region, in der wir beide bisher auch noch nicht waren: Apulien. Es nicht lange her, da wusste ich gar nicht, dass es existiert. Worauf ich mich nun besonders freute, war das Essen. Das Essen war auch das, was mir an dem Abend besonders in Erinnerung bleiben würde.

Nachdem wir die Koffer in die Unterkunft gebracht hatten und es schon allmählich zu dämmern begann, schlug uns auf den Straßen der Duft von Focaccia und von Pizza entgegen. Focaccia Barese, Focaccia mit eingebackenem Gemüse, ist vegan, da es in dieser Region ohne Schmalz, dafür mit Olivenöl, zubereitet wird. In der Altstadt konnten wir wieder Gassen in hellen Farben, mit verschiedenen Blumen und anderen Pflanzen sowie einiges an Streetfood wie Sgagliozze, frittierter Maisgrieß, entdecken. 

Dort begegneten wir auch noch am selben Abend einigen Orecchiette-Damen, Hausfrauen, die in den Gassen vor ihrem Haus Orecchiette-Nudeln herstellen und verkaufen. Man kann ihnen dabei zuschauen, wie sie die Pasta zubereiten. M. und ich kauften eine Tüte Orecchiette und freuten uns jetzt schon darauf, sie am nächsten Tag zu essen. 

Gegessen wurde an diesem Abend erstmal Pizza und zwar von Da Michele, dem Laden, in dem wir in Neapel am Maradona-Tisch gesessen hatten. Eine Filiale des Pizzabäckers gibt es auch in Bari, wie wir feststellten. Wir nahmen uns jeweils eine Marinara im Pappkarton mit und setzten uns ans Wasser, bevor wir sie genüsslich schlemmten: Nun waren wir wieder offiziell im Land des Essens angekommen. In Bari schien an diesem Abend allgemein viel los zu sein: Konzerte fanden statt; irgendwo in der Innenstadt hatte sich ein Chor zum Singen platziert. Die ganze Stadt schien zu vibrieren. 

Dubrovnik

Allein die Fahrt nach Dubrovnik war aufgrund der bergigen Naturlandschaften schon ein Erlebnis. Die Fahrt von Split verlief ohne weitere Komplikationen, nachdem der Busfahrer vor dem Aufbruch zusammen mit Kollegen einige Zeit versuchte, die klemmende Bustür aufzubekommen. Kurz bevor wir in der zweiten kroatischen Stadt auf unserer Reise ankamen, fuhr unser Bus über eine weiße Brücke, mithilfe der wir nach Dubrovnik gelangen konnten, ohne dafür ein Stück von Bosnien-Herzegowina durchqueren zu müssen. 

Die Gastgeberin N., die uns in unserer Unterkunft empfing, sprach zu unserer Überraschung perfekt Deutsch, da sie selbst einige Jahre in unserer Heimatstadt gelebt hatte. Kurz danach erkundeten wir die Altstadt, die vor Menschen nur so überquellen zu schien. Die Nachmittagssonne brannte uns im Nacken und die Luft war unheimlich schwül, sodass wir nicht die Energie hatten, uns allzu lange hier aufzuhalten. In der Nähe unserer Unterkunft, unweit der Altstadt, fanden wir einen Supermarkt, in dem wir uns mit Essen eindecken konnten. Die Auswahl war ähnlich wie in Split und zu den etwa gleichen Preisen wie dort. 

Ein wenig milderes Wetter er
wartete uns tags darauf, als wir mit einem Boot aus dem alten Hafen Dubrovniks zur nahe gelegenen Insel Lokrum hinüberfuhren. Lokrum ist ein kleines Inselparadies aus schroffer Steilküste, tropisch anmutenden Parks, Felshöhlen am Wasser und umherspazierenden Pfauen. Besonders süß fanden wir es, die Pfauenküken zu beobachten, die um die Pfauenmutter herumstaksten. Zwischendurch regnete es ganz leicht, was uns in dem schwülen Klima sehr angenehm vorkam. So konnten wir entspannt die Gemäuer und Ruinen, die auf der Insel verteilt waren, erkunden. Als "Totes Meer" wurde ein mit Salzwasser gefüllter See auf der Insel bezeichnet, der mit den ockerfarbenen Felsen ringsum auch eine Augenweide für mich darstellte. 

In den Tagen danach erkundeten wir die Gassen von Dubrovnik und erklommen die Stufen in Richtung des Bergs Srd. Sobald wir uns ein paar Schritte in die Nebengassen begeben hatten, fühlte ich mich augenblicklich wohler als auf den überfüllten, wenig schattigen Hauptwegen der Altstadt, so schön die weiße Altstadt auch sein mochte. Rundherum gab es auch immer wieder schöne Plätze, von denen wir die Steilküste hinunterblicken, die Festung in der Dämmerung betrachten oder in malerischen Buchten verweilen konnten. 

An einem der letzten Tag nahmen wir morgens vom neuen Hafen die
Fähre zur Insel Lopud, die uns aufgrund ihres schönen Strands mit Karibik-Flair empfohlen wurde. Als ganz so schön und karibisch empfand ich den Strand zwar nicht, an dem wir abseits der Menschenmengen einen Platz auf einem Felsen im Schatten fanden, doch Lopud hatte auch noch anderes für uns zu bieten. Zum Beispiel das Café ein Stück über dem Strand, das eine Oase mit vielen liebevoll gestalteten Details mitten im Grünen darstellte. Ich war sehr zufrieden, als ich meinen Kaffee in einer Korbschaukel trinken konnte und M. mir mit einem Bier gegenüber saß. "Eigentlich müsste ich hier gar nicht mehr weg die nächsten Stunden", sagte ich und M. lachte. Die nächsten Stunden hatten wir dann allerdings doch noch ein bisschen etwas zu entdecken auf Lopud: einen botanischen Garten mit Dschungelfeeling und ein paar abgelegene Plätze nah beim Hafen, bei denen wir auf Felsen sitzen und die Füße ins Meerwasser tunken konnten. Um uns herum sonnten sich ein paar kleine Krabben, die wir schon häufiger in Kroatien gesehen hatten. 

Wie ich in Mostar bosnischen Kaffee probierte

Wie in einer anderen Welt kam ich mir im bosnischen Mostar mit der Steinbrücke, dem farbenfrohen Basar und den in die Höhe ragenden Minaretten der Moschee vor. Von Dubrovnik, das von Bosnien umschlossen ist, begaben M. und ich uns auf einen Tagesausflug dorthin. An der Grenze bekamen wir einen Stempel in unseren Reisepass, bevor der Bus durchgewunken wurde. 

Während der Busfahrt klärte uns unsere Guide über die Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens auf, zu dem sowohl Bosnien als auch Kroatien sowie einige weitere heutige Länder wie Montenegro, Serbien und der Kosovo gehören. Ich war erstaunt, zu hören, dass die Länder, in denen M. und ich zurzeit unterwegs waren, somit nicht älter als zwanzig Jahre waren- als jünger an Jahren als wir beide! Unserer Guide, einer Kroatin, war dabei anzumerken, dass sie dem Thema nicht gerade neutral gegenüber stand und die Geschichte aus der kroatischen Sichtweise erzählte. In jedem Fall lernte ich an diesem Tag einiges Neues und die blinden Flecken, die meine Landkarte im Kopf bisher innerhalb Südosteuropas hatte, verflüchtigten sich wieder ein wenig.

In Mostar erwartete uns buntes Treiben rund um die bekannte Brücke. Diese war wirklich ein Juwel. Obwohl ich schon Fotos von ihr gesehen hatte, war mir vor dieser Reise nicht in den Sinn gekommen, sie zu besuchen. Als ich davor stand, wusste ich, dass es sich gelohnt hatte, hierherzukommen: Mostar war absolut ein kleines Erlebnis für sich. Von der Brücke sprangen geübte Turmspringer in das kalte Wasser und gingen vorher herum, um ein wenig Geld einzusammeln. Je mehr Geld man ihnen gab, desto mehr Tricks vollführten sie für das Publikum rund um die Brücke. Im Vergleich zu Kroatien wirkte Bosnien auf mich wesentlich ärmer, was auch daran liegt, dass es nicht Teil der EU ist. Die Preise sind wesentlich günstiger, die muslimisch geprägte Kultur ist spürbar und leider begegneten wir rund um die Brücke auch bettelnden Kindern. 

Ich hatte mir fest vorgenommen, einmal traditionellen bosnischen Kaffee zu probieren. In einem Café an der Brücke nahe am Wasser war wenig los, erstaunlich wenig für diese Ecke, und ich war begeistert, als uns jeweils ein Tisch-Service mit silberfarbenen, verzierten Kaffeekännchen gebracht wurde. Wie es hier üblich ist, bekamen wir auch ein Stück türkischen Honig dazu, ließen diesen allerdings liegen, weil wir uns nicht sicher waren, ob dieser immer rein pflanzlich ist.

Nach den Stunden in Mostar wartete ein weiteres Highlight auf uns, für das ich mich sehr begeistern konnte: Die Kravicer Wasserfälle. Im Gegensatz zu den Krkna-Wasserfällen war es hier noch erlaubt, schwimmen zu gehen. Das ließ ich mir nicht entgehen: Das Wasser war ziemlich frisch, schließlich war es vorher den Wasserfall hinabgeströmt, doch ein bisschen Erfrischung vor der wunderschönen Kulisse war durchaus drin. Auch hier waren einige Menschen, die sich am Ufer tummelten, doch das Wasser an sich war nicht so voll, wie man vielleicht hätte denken können. Wir hatten nur eine Stunde an den Wasserfällen zur Verfügung, doch ich nutzte sie, um sie vollends zu genießen. Auf dieser Reise hatten wir bereits viele Wasserfälle gesehen, doch auch diese fand ich wieder auf ihre eigene Art schön und die Reise wert. 

Sonntag, 18. Juni 2023

Split: Die Hafenstadt

Die Altstadt Splits schien wie aus einer anderen Welt zu sein. Wenig verwunderlich fand ich es daher, dass unter anderem die Fantasyserie "Games of Thrones" hier gedreht wurde. Das goldene Tor, wie der Eingang zu einer Seite hin genannt wird, lag nur zwei Straßen von unserem Apartment entfernt, weshalb M. und ich fast täglich die Altstadt durchquerten, wenn wir zum Wasser gelangen wollten. 

Wir waren sehr froh darüber, eine Küche in unserem Apartment zu haben, da die Preise in Split wesentlich höher erwartet hatten. Natürlich waren wir in einem stark frequentierten Stadtteil, doch selbst die Supermärkte ein paar Straßen weiter waren nicht unbedingt günstiger. Das Essen begeisterte uns auch nicht so sehr, vor allem, nachdem wir noch kurz zuvor in Italien leckere Pasta und Focaccia hatten schlemmen können. Die folgenden Tage kochten wir häufiger Nudeln mit Ajvar, einer scharfen Soße aus Tomaten, Aubergine und Paprika.  

Doch mit Natur konnte Kroatien definitiv punkten: Ein Ort, der in Kroatien weltweit bekannt ist und auch ein Traumziel von mir darstellte, war der Krka Nationalpark mit Wasserfällen, umgeben von beeindruckender, grüner Natur. Mit einem Reisebus ging es durch die Berge zum Krka Nationalpark. Über Holzstege liefen wir wenig später durch die grüne Natur und ihre Gewässer, wobei wir schillernd blaue Libellen, lauthalsquakende Frösche und große Fische im durchsichtigen Wasser beobachten konnten. Zwischendurch konnten wir immer wieder von unterschiedlichen Aussichtspunkten einen Blick auf die Stufen des Wasserfalls erhaschen. Wie erwartet, war der Park zur Hauptsaison sehr voll, sodass sich viele weitere Menschen die Wege über die Stege mit uns teilten, doch ein Erlebnis war der Tag allemal und es hatte sich meiner Meinung nach gelohnt, die Natur auf diese Weise zu erleben. Der Reisebus brachte uns anschließend noch in das Dorf Sibenik am Meer, wo sich M. Obst vom Markt kaufte und ich eine Runde schwimmen gehen konnte. 

In Split selbst konnte ich mich besonders für die Aussicht vom Marjan Hill, dem Hausberg der Stadt, begeistern. Der erste Aufstieg zu der Aussichtsplattform war eigentlich nicht weit vom Weg, jedoch in der schwülen Mittagssonne eine kleine Herausforderung. Zudem führte er durch das etwas ursprünglichere Viertel V
aros, in dem es im Vergleich zu der Altstadt wesentlich ruhiger zuging und das mehr eine Art Wohngegend darstellte, mit wenig Gastronomie und Geschäften. M. und ich marschierten von der Aussichtsplattform noch ein Stück weiter hinauf, zu einer kleinen Kirche. Bei dieser fand ich später heraus, dass sie eine der ältesten katholischen Kirchen ist, die noch existieren. Bei Sonnenuntergang erklommen wir erneut an einem der Abende die Stufen zur Aussichtsplattform des Marjan Hill und konnten beobachten, wie nach und nach die Lichter im Hafen und in der Stadt angingen, während sich der Himmel hinter den Bergen zunehmend rosa verfärbte. 

Ein weiteres Erlebnis zu später Stunde hatten wir mit einem Kajakausflug, den wir von Split aus gebucht hatten. Von Split aus wurden M. und ich zusammen mit anderen Teilnehmer*innen abgeholt und zu einem Campingplatz gebracht, der am Wasser grenzte. Die Besonderheit unserer Kajaks bestand darin, dass sie komplett durchsichtig und mit verschiedenen Farben beleuchtet waren. Während der Fahrt konnten wir manchmal Fische unter uns durchschwimmen sehen, über uns leuchteten die Sterne und das Wasser fühlte sich warm an, wenn ich meine Hand hineintunkte. Ich empfand den Ausflug als wunderschön und musste daran zurückdenken, dass er zuhause, bevor wir wieder aufgebrochen waren, auch Teil von M.'s Vorschlägen gewesen war, unter den Dingen, die in Kroatien möglich waren.

Generell blühte Split gerade abends auf, wo es noch mehr Menschen als tagsüber in die Gastronomie und an den Hafen zog. Beim Diokletian-Palast gab einen Platz mit Säulen, hinter denen eine steinerne Sphinx saß, auf dem abends Livemusik gespielt wurde und auf den Stufen sich jede Menge festlich angezogene Menschen versammelten. Es herrschte Sommerabend-Feeling. M. und ich nahmen uns vor, die Stadt zu einer komplett gegensätzlichen Uhrzeit zu erleben, nämlich frühmorgens. Da war die Stadt noch relativ leer und außer uns waren nur ein paar Menschen unterwegs, die die Stadt aufräumten und die Gehwege säuberten. Das erklärte wohl auch, weshalb die Stadt insgesamt so sauber und ordentlich wirkte.

Eine Überraschung erwartete uns in einem kleinen Park abseits des Trubels der Altstadt, in einer Nebenstraße nahe unserer Unterkunft. Genau genommen war es für mich in dem Moment schon die Überraschung, als unser Bus Richtung Krka-Nationalpark durch die Straßen kurvte: Ein paar Pfauen, die offenbar in diesem Park lebten und dort herumstolzierten. Manche davon hüpften auch in die Bäume und präsentierten uns von dort aus ihr schillernd buntes Gefieder. M. und ich freuten uns daran, sie hier zu beobachten.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Mit der Fähre nach Split

Es war ein warmer, sonniger Tag, als M. und ich in Rimini aufbrachen und mit der Trenitalia über Venezia Mestre in die Stadt Ancona fuhren. Die nächsten Wochen lag Kroatien vor uns, ein Land, in dem ich bisher noch nicht gewesen war und wo ich auch schon länger hinwollte, nachdem mir von kristallklarem Meerwasser und wunderschönen Wasserfällen dort erzählt worden war. In Ancona verbrachten wir noch einige Zeit mit unserem Gepäck im Schatten und spielten Karten.

Am frühen Abend stiegen wir auf die Fähre, auf der wir eine Kabine gemietet hatten: Die Erfahrung mit der Fähre nach und von Tunesien hatte uns gezeigt, dass es eine sehr gute Idee war. Und das war es tatsächlich: Nach einem Rundgang an Deck, bei dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten, fielen wir in unserer Kabine in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Von hohem Wellengang war nichts zu spüren. Am nächsten Morgen standen wir früh auf, den die Fähre lief schon zu früher Stunde in den Hafen von Split ein. Vom Deck aus, wo noch wenig Menschen anzutreffen waren, konnten wir im Sonnenaufgang sehen, wie wunderschöne, mediterrane Berglandschaften am Ufer an uns vorbeizogen. Sie waren noch leicht von Morgennebel verhüllt. "Das ist Kroatien", rief ich, nun hellwach. Für mich war es ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde.  

In Split angekommen war es nicht besonders aufwendig, das Schiff zu verlassen. Wir befanden uns schließlich immer noch in der EU. Somit nahmen wir wie all die anderen Passagiere unser Gepäck, gingen von Bord und aus dem Hafen hinaus. Nicht weit vom Hafen stießen wir direkt auf die Mauern der Altstadt aus porzellanfarbenen Gestein und ließen uns auf einer Bank inmitten des mit Palmen und Blumen gesäumten Boulevard am Wasser nieder. Der erste Eindruck von Split versprach, dass wir es mit einer sehr ästhetischen Stadt zu tun hatten, die mit Blumen an keinem Winkel der Altstadt sparte.


Dienstag, 13. Juni 2023

San Marino: Zwischen Mittelalter und Moderne

Der Zwergstaat San Marino liegt auf dem Monte Titano bis hin zu dessen Bergfuß und ist von Norditalien umschlossen. Zudem gilt San Marino als älteste Republik der Welt und zählt etwa 30.000 Einwohner*innen. M. und ich gelangten nach etwa einer Stunde Busfahrt morgens von Rimini dorthin. Der Bus setzte uns auf dem Bergkamm ab, auf dem die Altstadt mit den historischen Burgtürmen liegt. Nun stiegen wir in einem anderen Land aus, das offiziell nicht einmal zur EU gehört. Trotzdem wird hier mit dem Euro bezahlt. 

Wie wir feststellen konnten, besteht San Marino quasi hauptsächlich aus guten Ausblicken. Nicht alle Burgtürme waren begehbar, doch der, in den wir hineinspazieren konnten, entpuppte sich als wahres Erlebnis. Über eine Leiter kletterten wir in den Burgfried hinauf, der überdacht war und kleine Fenster zu allen Seiten hin besaß. Von hier aus. konnten wir weit über das grüne Land Italiens ringsum blicken. Insgesamt fühlte ich mich bei dem Rundgang durch San Marino ins Mittelalter zurückversetzt, schließlich war es ein großes Burggelände, das wir durchquerten. 

Da wunderte es wenig, dass in den Souvenirläden auch viele aufs Mittelalter bezogene Artikel wie Holzschilde etc. verkauft wurden, neben der Flagge von San Marino in verschiedenen Größen. Besonders tief ins Tal blicken konnte ich bei dem Hexenpfad, der deshalb so genannt wird, weil im Mittelalter wahrscheinlich dort als Hexe beschuldigte Frauen hinabgestoßen wurden. So makaber die Vergangenheit des Pfades auch sein mag, so sehr stellt er eines der interessantesten Pfade der Burg dar. In manchen Bereichen waren historische Kanonen ausgestellt.

Nach einiger Zeit des Hinauf- und Hinablaufens innerhalb der Gassen San Marinos bekamen wir Hunger. Einen nicht ganz so gut ausgestatteten Supermarkt fanden wir nach einem längeren Fußweg weiter in Richtung Tal gefunden, sodass die dortige Ausbeute nur für einen Snack reichte. Daher setzten wir uns etwas später für eine Pizza Marinara in eines der örtlichen Restaurants. Das Essen des Zwergstaates gleicht im Grunde der italienischen Küche. Von unserem Platz am Fenster konnten wir noch einmal ganz entspannt bei einem leckeren Essen die Aussicht auf Italien genießen. 

Rimini: Mehr als eine Partystadt

Es roch nach Jasmin und lauem Sommerabend, als M. und ich vom Bahnhof in Rimini über einen Weg durch einen Park in die kleine Straße einbogen, in der sich unter Hotel befand. Wir picknickten noch am ersten Abend am Strand. Dort waren schon überall Liegen mit Sonnenschirmen aufgestellt- genau das, was ich von Rimini schon erwartet hatte, doch da wir uns offenbar noch in der Nebensaison hier aufhielten, waren diese leer, soweit unser Auge reichte. Der Strand war in Abschnitte mit Nummern aufgeteilt und mit zahlreichen Strandbars versehen. Die Luft am Meer empfand ich als sehr angenehm und ich war dankbar, dass die Überschwemmungen und Unwetter, die es bis vor einigen Tagen noch in der Region Emilia-Romagna gegeben hatte, uns nicht getroffen hatten. Jetzt war jedenfalls nichts mehr davon in Rimini spürbar, nur einige angeschwemmte Äste zeugten davon. 

Am Strand gab es ein weißes, nostalgisches Riesenrad, auf dem M. und ich uns eine Fahrt gönnten. Da es außer uns nicht viele Gäste gab, blieben wir davon verschont, Schlange zu stehen, und konnten eine Gondel für uns allein betreten. Der Zeitpunkt war perfekt, denn die Sonne ging gerade unter. Von hier oben konnten wir den Hafen von der einen Seite überblicken und von der anderen den Strand. "Nun habe ich ein richtiges Urlaubsfeeling", bekundete ich begeistert, als wir durch die warme Abendluft an der Parallelstraße der Strandpromenade an jede Menge kreativ eingerichteten Cafés und Restaurants vorbeispazierten. Lichterketten leuchteten mir überall entgegen, es gab teilweise Schaukeln statt Stühlen und Vieles war mit Blumen dekoriert. 

"Das ist das Ziel von diesem Ort", erwiderte M.. Die nächsten Tage wurde es zu einem Ritual, abends am Strand zu picknicken oder einen mitgebrachten Smoothie zu trinken und am Strand entlang zu spazieren. In unserer Unterkunft hatten wir morgens das Glück, mehrere Tage hinterher einen Espresso schlürfen zu dürfen, der uns vom Haus spendiert wurde, bevor wir losgingen. Einen Tag verbrachten wir in Italia in Miniatura, einem Freizeitpark für Italienfans, den wir mit einem Nahverkehrsbus erreichten. In diesem Park wurden Italien und einige Sehenswürdigkeiten Europas im Kleinstformat unter freiem Himmel ausgestellt. Es waren viele Orte dabei, die mir auch in Lebensgröße bekannt waren: Venedig mit der Rialto-Brücke, Pisa mit seinem schiefen Turm, der Eiffelturm von Paris, Torre de Belém in Lissabon und Weiteres. Zudem gab es ein nachgebautes Venedig in dem Freizeitpark, sodass M. und ich auch außerhalb der Lagunenstadt in den Genuss kamen, zu romantischer Musik in einer Gondel durch die Kanäle zu schippern. Genauso verrückt war der Platz mit Hausfassaden, an deren Türen die Besucher*innen klingeln und sich daraufhin von einer italienischen Nonna-Puppe beschimpfen lassen konnten, die die Fensterläden aufriss und sogar vor lauter Empörung Wasser aus dem Fenster kippte. Besonders beliebt war diese Attraktion bei den Schulklassen, die sich immer wieder einen Spaß daraus macht, bei der Nonna-Puppe zu klingeln. Der Park bot zudem noch andere Fahrgeschäfte wie eine Wasserrutsche und eine Bahn, die hoch in der Luft eine Runde durch Italia in Miniatura drehte. M. und ich hatten einen Heidenspaß.

In Rimini entdeckten wir fernab vom Strand die Altstadt und das Viertel Borgo San Giuliano, wo sich noch ganze andere Seiten des Ortes offenbaren als die Party- und Strandmeile. In der Altstadt fanden wir eine traditionelle Pasticcheria, die eine gute Auswahl an veganen Cornetti hatte. Zusätzlich zu den Espressi, die wir zuvor in unserem Hotel getrunken hatten, hatten wir hiermit wieder ein leckeres, süßes Frühstück. Borgo San Giuliano lockte mich mit seinen farbenfrohen Häusern in schmalen Gassen, in denen es von ästhetischen Streetart-Motiven und Blumen als Dekoration nur so wimmelte. Wir gelangten über die antike Tiberius-Brücke dorthin. Es gab viele Motive aus Filmen, die dem Filmemacher Federico Fellini gewidmet sind, sowie Wale, gemalte Blumen und vieles mehr, die dazu einluden, in Borgo San Giuliano zu verweilen. Später am Fluss konnten wir noch eine Künstler*innenmeile entdecken, in der direkt am Wasser Hausfassaden mit künstlerischen Motiven zu Themen wie dem Meer und passenden poetischen Schriftzügen versehen waren.

Rimini mag weltweit als Partyort bekannt sein und auch andere Ecken als das verbleibende Italien haben, wie zum Beispiel den Strand mit den Basketballplätzen und Skating-Flächen. Doch die Tage, die wir dort während der Nebensaison verbrachten, fühlte ich mich sehr wohl, und konnte auch dem Strand etwas abgewinnen, obwohl ich normalerweise naturbelassene und weitgehend leere Strände bevorzuge. Der Ort, den wir ursprünglich gewählt hatten, um den nahegelegenen Zwergstaat San Marino kennen zu lernen, war somit auch eine Entdeckung wert.

Udine


Der Reisebus brachte uns innerhalb von zwei bis drei Stunden über die italienische Grenze nach Udine. Udine wirkt im Vergleich zu anderen italienischen Orten etwas weniger von Tourist*innen besucht, wie uns sehr schnell auffiel: Es gab kaum Souvenirshops und wenig Postkarten, die gekauft werden konnten. 
Als wir in die Stadt hineinfuhren, konnten wir schon vom Bus aus erkennen, dass die Straßen mit jede Menge italienischer Flaggen geschmückt waren, die offenbar noch von einem Fest stammten, das hier stattgefunden hatte. 
In unserer Unterkunft gab es eine Küche, sodass M. seiner Kochleidenschaft wieder nachgehen konnte. Die folgenden Tage kamen jede Menge Pasta und Polenta, gekochter Maisgrieß, auf den Tisch. Polenta ist typisch für die Region Frauli-Venetien, in der wir uns befanden, und schmeckt besser, als es vielleicht im ersten Moment klingt. Ebenso erfreute ich mich an der Kaffeemaschine, die extrem leckeren, schaumigen Kaffee zubereitete.

Als wir Udine an einem Samstag erkundeten, war eine Menge im Stadtzentrum los: Es wurden parallel mehrere Hochzeiten, ein Kinderfest und eine Jobmesse abgehalten. Wir stießen unter anderem auf der anderen Seite der Burg auf einen Flohmarkt, auf dem ich allerdings noch nicht fündig wurde. Auf dem Castello, der Burg, die an Udines Innenstadt angrenzt, stießen wir auf schöne Rundbögen-Architektur und schöne Aussichten auf die Stadt. 
Der leicht abgeblätterte Charme und die terrakottafarbenen sowie weißen Gebäude, die ich mit Italien stark verbinde, waren hier in großer Zahl zu finden. Mir gefiel der kleine Kanal, der ein Stück durch die Nebenstraßen der Innenstadt führte. Am belebtesten wirkte die Stadt abends bei Dunkelheit, wenn die Luft etwas abgekühlt war und es die Menschen in die Gastronomie zog. In den Gassen wurde geschlemmt, getrunken und geplaudert; selbst unter der Woche wirkte die Atmosphäre ziemlich feierlich.

Einen weiteren Tagesausflug von Udine aus planten M. und ich in den nahegelegenen Ort Cividale, dessen Attraktion eine alte, pittoreske Brücke ist, die über den Fluss führte. Als wir dort ankamen, fand dort, wie am Vortag in Udine, ein großer Flohmarkt statt - mir kam dies wie gerufen, weil ich noch dringend ein Sommerkleid suchte. Tatsächlich wurde ich fündig und war überaus glücklich, im Besitz eines neuen Lieblingsteils zu sein, das mich ab jetzt auf der weiteren Reise begleiten würde. Die Brücke versprühte märchenhaftes Feeling und der Ort wirkte an sich ziemlich versteckt und wie eine kleine Welt für sich. Die Brücke sahen M. und ich uns noch vom Wasser aus an, wofür wir ein Stück Weg zum Ufer hinab liefen. Da es ein warmer Tag war und ich daher einen kurzen Jumpsuit trug, zog ich kurzerhand meine Sandalen aus und watete bis zu den Knien ins Wasser. So konnte ich hinter der Böschung die Brücke genauer erspähen. 
Ansonsten hatten wir Cividale nach zwei Stunden ausreichend erkundet und kehrten mit der Trenitalia nach Udine zurück.