
Als A., H. und ich aus Bechem aufbrachen und die Verabschiedung von den Kindern etwas emotional ablief (Sie hatten Tränen im Augenwinkel), legten wir einen Zwischenstopp in Accra ein, wieder bei B. zuhause. Danach erwartete uns endlich das Meer. Darauf freute ich mich besonders, als wir in das Trotro Richtung Ada Foah stiegen. Diesmal war die Fahrt nicht ganz so lang und wir kamen entspannt vor einem Dorf mit Strohhütten an. Dort waren auch drei Motorräder zur Stelle. Wie ich nun erfuhr, sind Motorrad-Taxis, die ich vorher noch gar nicht so kannte, in Ghana ziemlich üblich. H. erklärte ihnen, wo wir hinfahren wollten, und schwang sich kurzerhand hinter einem der drei aufs Motorrad, A. nahm auf dem nächsten Motorrad Platz, den riesigen Backpacker-Rucksack auf dem Rücken. "Ist das euer Ernst?", sagte ich noch etwas skeptisch, bevor ich es ihnen gleich tat, nach einem Helm hielt ich zudem vergebens Ausschau. Doch in Ghana gelten andere Verkehrsregeln. Selbst in den Taxis kann man froh sein, wenn überhaupt ein Anschnallgurt vorhanden ist. Es kam mir oft so so vor, als wären die Autos nur mit Klebeband zusammengehalten.

So kam es nun, dass wir hinter den Motorradfahrern, dazu jeweils einen voll beladenen Backpacker-Rucksack auf den Rücken, und in Sommerkleidern durch den roten Sand zum Maranatha Beach in Ada Foah düsten. Dann folgte noch ein Weg unter zahlreichen Palmen entlang, bis wir in dem kleinen Strandparadies ankamen. Dort mündete ein türkisfarbener Fluss, gesäumt von Palmen, ins Meer.
H. stellte uns wenig später ihren Kumpel W. vor, der dort lebte und dessen lange Rasta-Haare mich etwas an Captain Jack Sparrow aus "Fluch der Karibik" erinnerten. Irgendwie passte dies auch hierher. W. hieß uns herzlich in Ghana willkommen und fragte mich und Anna nach unserem ghanaischen Namen. In Ghana werden Menschen nämlich nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren wurden. A. und ich wussten den Wochentag nicht, an dem wir geboren wurden, weshalb H. (alias "yaa", wie der Wochentag Donnerstag) es kurzerhand für uns googelte. Es stellte sich heraus, dass ich an einem Dienstag auf die Welt kam und mein ghanaischer Name demnach "Abenaa" lautet.

Bevor es dunkel wurde, nutzte ich die Gelegenheit zum Schwimmen im Fluss. Dabei genoss ich die Atmosphäre dieser Oase, fern von dem Lärm der Straßen Accras und dem Trubel der bisherigen Etappen. Der Plan von uns dreien war, ein paar Tage auf der Halbinsel zu bleiben und viel schwimmen zu gehen bzw. in der Sonne zu liegen.
An der Strandbar holten wir uns zu jeder Mahlzeit etwas zu essen, auch Red Red stand auf der Speisekarte, und ich hatte zudem viel Gelegenheit, mir von den Frauen, die mit Obstkörben auf den Köpfen täglich vorbeikamen, Ananas, Mango und Kokosnüsse zu kaufen.
"So lange es so etwas hier gibt", erklärte ich meinen Freundinnen, während ich das Fruchtfleisch aus der aufgeschnittenen Kokosnuss löffelte. "Bin ich glücklich."
Eine kleine Bootstour zu den Mangroven im Wasser, die an der Flussmündung wuchsen, gehörte auch zu unserem Programm. Die Natur war in Ada Foah für mich wirklich sehr sehenswert. Wer Strandparadiese mit Palmen, exotischen Früchten und Hängematten, um sowohl Körper als auch Seele baumeln zu lassen, mag, ist dort gut aufgehoben. Für uns war es ein paar Tage genau das Richtige. Abends saßen wir am Lagerfeuer, das am Strand errichtet wurde, und genossen die entspannte Atmosphäre. Zwischendurch fuhren wir erneut mit Motorradtaxis in das angrenzende Städtchen in der Nähe. Als die Sonne auch noch dabei unterging und der Wind mir die Haare aus dem Gesicht pustete, dachte ich, dass es sich wirklich lohnte, diesen Ort einmal kennen gelernt zu haben.

W. lieh uns ein Zelt, das er mit seinen Kumpels am ersten Abend für uns aufbaute. Erholsam waren die Tage am Strand, von den Nächten konnte man das dagegen weniger behaupten. A. hatte in weiser Voraussicht eine Isomatte eingepackt. H. und ich begnügten uns mit einem Tuch, mit dem wir uns zudeckten, ansonsten trennte uns nur der Zeltboden von dem Sand. Deshalb hielt uns morgens nach dem Aufwachen auch nichts mehr im Zelt. Ganz besonders in der letzten Nacht vor unserer morgendlichen Abreise aus Ada Foah.
Draußen gewitterte es, was ganz und gar nicht gemütlich ist, wenn man sich in einem kleinen, quadratischen Zelt auf einer einsamen Halbinsel befindet. Es stellte sich heraus, dass es vor dem Zelt pausenlos blitzte, Regen war allerdings nicht in Sicht. H. sorgte sich jedoch wegen des nassen Sandes und der geringen Ausstattung unseres Zelts, sodass wir uns gegen vier Uhr morgens in der betonierten Dusche verkrochen und dort ausharrten, während das draußen das Unwetter tobte. In der Zeit überlegten wir zusammen, wie wir die Wetterlage einschätzen sollten und ab wann wir wieder sicher im Zelt aufgehoben wären. An Schlaf war jedenfalls auch nicht zu denken, selbst, als wir zum Zelt zurückkehrten.
Wenig später, am frühen Morgen, als sich der Himmel erhellte, war das Gewitter endgültig vorbei und wir räumten unsere Sachen beisammen. Noch halb verschlafen stiegen wir in das Boot, das uns zum Strand mit den Trotros brachte und ich genoss ein letztes Mal die prächtige Palmenlandschaft.