Samstag, 10. März 2018

Stromausfall oder Dinner im Dunkeln

In Ada Foah saßen H., A. und ich eines Abends wieder gemütlich am Marathana Beach und warteten auf unser Abendessen. Wenn man Essen bestellt, dauert das seine Zeit, meistens einathalb bis zwei Stunden. Wenn man Red Red, mein auserkorenes Lieblingsessen in Ghana, haben will, in manchen Restaurants sogar noch länger. Deshalb hatte H. mir auch davon abgeraten, es überall zu bestellen. Wir drei hatten jedoch Zeit, schließlich befanden wir uns auf Reisen und genossen die entspannte Atmosphäre. Es war inzwischen dunkel.
 Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Wenn es in Ghana Nacht wird, kann es richtig duster werden. Auch abends helles Licht zu haben ist hier offensichtlich auch nicht so wichtig. Gut erinnern kann ich mich noch daran, dass in Cape Coast, als wir zu fünft draußen beim Imbiss saßen und es dunkel wurde, einfach über dem Eingang eine Glühbirne eingedreht wurde, für die sich der Ladenbesitzer halb verrenkte. Erstaunt war ich ebenso in Busua, wo wir in unserem Zimmer zuerst blaues Licht vorfanden (man sieht gar nichts, schminken kann man also auch vergessen) und, während ich überlegte, wie sehr ich mich darüber ärgern sollte, eine normale (also das, was ich für vernünftiges Licht halte), Glühbirne eingedreht wurde von unserem Vermiter. Wie auch immer, es scheint zu funktionieren mit den Glühbirnen, die man spontan einsetzt.

Kompliziert wird es nur, wenn auch diese Glühbirnen nicht mehr funktionieren. Und zudem gar nichts mehr funktioniert, was auf irgendeine Weise Strom bezieht. So wie es an diesem Abend in Ada Foah der Fall war. Plötzlich sah ich A. und H. nur schemenhaft. Klare Sache: Wir hatten einen Stromausfall. Zuletzt hatten wir in Bechem einen Stromausfall, auch beim Abendessen, der zum Glück aber nur fünf Minuten anhielt. Dieser Stromausfall dauerte länger. Ich überlegte kurz, ob ich hinterher auch im Dunkeln duschen und auf Toilette gehen sollte. Und auch, wo ich meine Taschenlampe gelassen hatte. H. und A. ließen sich von dem Zwischenfall nicht stören und plauderten munter weiter. Unsere Tischnachbarn waren inzwischen dazu übergegangen, eine Taschenlampe am Gebälk über unseren Tischen aufzuhängen. Sehr hell war es nicht, aber zumindest konnten wir die Umrisse unserer Teller erkennen, nachdem sie uns hingestellt wurden. Aus dem Abendessen wurde ein Dinner im Dunkeln. Zumindest teilweise. Denn nämlich, als ich meinen Reis halb aufgegessen hatte, sprang das Licht wieder an. Ich freute mich, H. und A. wieder zu sehen.
Ich fragte H., wie lange der längste Stromausfall gedauert hatte, den sie hier erlebt hatte. "Sechsundvierzig Stunden" erwiderte sie. Das sollte uns zum Glück während unserer drei Wochen nicht passieren.

Zuhause bin ich es natürlich gewohnt, immer Strom zu haben. Der Stecker kommt in die Steckdose und -zack- paar Stunden ist das Gerät aufgeladen. Immer, hier und jetzt. Auf der Reise konnte ich mich nicht darauf verlassen, erst recht nicht, als die Powerbank versagte, die ich extra vorsorglich eingepackt hatte.
Dann musste es ohne Toaster, Wasserkocher, Handy, Ventilator und ganz besonders Licht gehen. Und man wusste nie, wie lange. Die Menschen kennen es hier nicht anders und sind entspannt damit.
Auch bei B. zuhause in Accra ging der Fernseher einmal plötzlich aus und der Ventilator blieb stehen, sodass wir wussten: Es ist wieder einmal Stromausfall. Es war allerdings hellichter Tag und somit nicht so dramatisch. Nach etwa einer Stunde funktionierten alle technischen Geräte wieder.

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