Sonntag, 11. März 2018

Die Menschen in Ghana

Während meiner Reise durch Ghana habe ich viele neue Orte entdeckt, wie den Dschungel, wunderschöne Strände, trubelige Städte und abgelegene Dörfer, scharfes Essen gekostet und sonst eine Menge erlebt.
Worüber ich jedoch ebenso viel in Erfahrung gebracht habe, sind die Menschen, die dort leben. Durch H.'s weit verstreute Kontakte in diesem Land haben A. und ich auch viele neue Menschen kennen gelernt. Darunter waren wirklich freundliche, offenherzige und großzügige Menschen.
Vor allem uns weißen Mädels gegenüber waren sie sehr neugierig, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen.

Allgemein ist es jedoch so in Ghana, dass die Menschen ein anderes Verständnis von Distanz haben. Bei mir zuhause halten Menschen, besonders gegenüber Fremden, immer einen gewissen höflichen Abstand. In Ghana ist es so, dass einem überall hallo gesagt wird und einem die Hände geschüttelt werden, auf der Straße, auf dem Markt oder am Strand. Das kann einen zunächst etwas irritieren, wenn man es von zuhause gewohnt ist, dass man vorbei laufende Menschen nicht einfach anspricht.

Zudem kommt es manchmal vor, wenn man als weiße, junge Frau in Ghana unterwegs ist, dass man von Männern, mit denen man bisher nur wenige Worte gewechselt hat, gefragt wird, ob sie einen heiraten könnten. A. und ich dachten in solchen Fällen zuerst, wir hätten uns verhört, und lehnten schnell ab. Heiraten hat in diesem Land einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland, wie man sich vielleicht schon denken kann.

Dazu wurden wir ständig von jedem nach unseren Namen gefragt und ich dazu auf mein Sonnentattoo angesprochen, das hier offenbar auch für viel Aufmerksamkeit sorgte. Als ich den Kindern in Bechem erklärte, dass das Bild auf meiner Haut ein Tattoo sei, wandten sie sich an A. mit der Frage, wo denn ihr Tattoo sei. Daraufhin musste sie ihnen erklären, dass sie keines besitzt.

Ich habe auch festgestellt, dass die Menschen in Ghana generell entspannter sind in vielen Dingen. Ordnung, Zielstrebigkeit und Bürokratie sind da eher Phänomene, die ich von zuhause gewohnt bin. Der Bus fährt erst in drei Stunden ab? Dann wird in Ghana so lange gewartet und eventuell ein Mittagsschläfchen gehalten. Am Auto ist etwas kaputt? Dann wird es notfalls mit Klebeband wieder hingebogen. Der Strom fällt aus? Kochen kann man auch im Dunkeln. Gutes Essen braucht auch Zeit, ist zudem hier die Devise. Akribisch mit Pünktlichkeit ist hier auch keiner, aber das stört wohl kaum jemanden.

Während meiner Zeit in Ghana haben wir uns diesem entspannten Lebensstil auch gut angepasst, würde ich sagen. Und uns von der Entspanntheit der Menschen anstecken lassen, bei denen wir gewohnt haben.

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