Samstag, 10. März 2018

Birthday on the Beach

Es ist nicht das erste Mal, dass ich meinen Geburtstag in einem anderen Land verbracht habe. Als ich siebzehn wurde, befand ich mich mit meiner Mutter auf Mallorca, wo zu dem Zeitpunkt frühlingshafte Temperaturen herrschten. In Ghana dagegen waren es jeden Tag ca. 30 Grad, ebenso an meinem Geburtstag. Mir gefiel der Gedanke, auf dem Asa Baako Festival zweiundzwanzig zu werden, noch dazu am Strand in einem sommerlichen Kleid, und dann zuhause noch eine zweite Feier mit meinen Lieben zu zelebrieren.

Schon um Mitternacht, als wir in den Geburtstag hereinfeierten, bekam ich ein "Happy-Birthday"-Ständchen und eine Kerze nach dem Anstoßen.
"Wie fühlst du dich mit zweiundzwanzig?", fragten meine Freundinnen mich. "Jetzt gerade ziemlich gut", erwiderte ich zufrieden. "Ich habe festgestellt, je älter ich werde, desto besser wird mein Leben."

Ich stand morgens als Erste auf, was während der Reise so gut wie nie vorgekommen war, und ging hinaus, mit dem Bedürfnis, mich zu waschen. Da mir der Weg zur Toilette am Strand gerade etwas zu lang war, suchte ich den Brunnen auf, der sich um die Hausecke befand. Tief in dem Brunnen schimmerte auch Wasser, doch dummerweise hatte ich keinen Eimer und blickte mich etwas ratlos und noch müde um. Just in dem Augenblick kam eine Frau mit einem Eimer und einer daran befestigten Schnur vorbei. Sie war so nett, Wasser für mich zu schöpfen, und ich bedankte mich. "Was für ein seltsamer Geburtstagsmorgen", dachte ich, als ich zum Zimmer zurückging, und war plötzlich hellwach. Mit der Zeit trudelten auch die ersten Glückwünsche aus der Heimat ein, wo gerade seit einigen Tagen tiefer Schnee lag.

Am Nachmittag spazierte unsere Truppe am Strand entlang und wagte sich dann noch ein Stück in den angrenzenden Dschungel, in dem es steil bergauf ging und auf dem Rückweg steil bergab. Begleitet wurden wir von ein paar Einheimischen, die Zuckerrohr auf dem Rücken trugen. Dass es Zuckerrohr war, wurde mir erst auf Nachfrage bewusst, denn erst hatte ich die Stäbe mit Bambus verwechselt. Einer der Zuckerrohr-Träger schnitzte mir auch ein Stück Zuckerrohr ab und sagte, ich könnte darauf herumkauen. Ich stellte fest, dass das Zeug viel süßer und weniger gesund schmeckt, als es aussieht. Als die Mädels und ich wieder am Strand lagen, holte ich mir von der Straße etwas Obst. Ein Junge, der beim Obststand stand, fragte mich auf Englisch, ob ich eine Prinzessin sei. Zur Erklärung: Ich trug an dem Tag eine goldene Haarkette. Ob er das nun ernsthaft glaubte, wusste ich nicht, jedenfalls fand ich es sehr niedlich.

Abends deutete A. zum nachtschwarzen Himmel, als wir zu den Bühnen vom Asa Baako Festival gingen, und ich erlebte den schönsten Anblick der Sterne, den ich je gehabt hatte. Der Himmel war übersät von den leuchtenden Punkten. Sogar die Milchstraße war deutlich zu sehen. Dieses Bild, das sich mir in der Dunkelheit so plötzlich offenbarte, werde ich so schnell nicht vergessen.

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