Samstag, 10. März 2018

Cape Coast


In Bechem hatten wir Menschen kennen gelernt, die ihre christlichen Werte sorgsam pflegten und einen konservativen Lebensstil besaßen. Die alternative Szene Ghanas konnten wir an unser nächsten Etappe entdecken: Cape Coast. In dem Küstenstädchen wimmelt es von Rastafaris, Musikern und Straßenhändlern, die knallbunte Ware anboten (letzteres ähnlich wie in Accra, jedoch empfand ich die Atmosphäre als wesentlich schöner). H.'s Freund X., den sie hier vor längerer Zeit kennen gelernt hatte, ist ebenfalls in der Rastafari-Szene involviert, und gab uns die Möglichkeit, bei ihm und seinem Mitbewohner Lazy zu wohnen, auch schon, als er sich noch einige Tage in Äthopien befand, um dort musikalisch tätig zu sein.
An die Wohnung musste ich mich zuerst sehr gewöhnen, ganz besonders an das Badezimmer, durch das man vom Schlafzimmer aus erst durchgehen musste, um zum Wohnzimmer zu gelangen (welcher Architekt denkt sich so etwas aus?) und in dem es kein Licht gab. Andere Länder, andere Sitten. Am besten gefiel mir der Balkon, auf dem ich abends über die Dächer blickte, während ich meine Lieben daheim über Whatsapp darüber informierte, dass es mir gut ging.

H., A. und ich streiften einen Vormittag lang durch die Straßen, wo wir Souvenirs kauften, unter anderem bunte Turnbeutel für A. und bunt gemusterte Kosmetiktäschchen für mich.
Vegetarisches und veganes Essen war hier zu meiner Freude fast überall zu finden, es wurde sogar ausdrücklich an den Straßenimbissen damit geworben. Besonders fühlte ich mich in dem deutsch-ghanaischen Restaurant, zu dem H. uns führte und dessen Standard vergleichsweise hoch war (und richtige Toiletten gab es sogar auch dort). Einmal gönnte ich mir dort sogar zum Frühstück veganen Bananenkuchen und Schokokuchen, die noch relativ gesund schmeckten und dabei richtig lecker waren. Hinzu kam noch zu unserer Freude, dass die Einnahmen alle gespendet wurden, um einheimischen Kindern Schulbildung zu ermöglichen.

In Cape Coast gab es neben den Märkten einen Strand mit schäumenden Wellen. H., A. und ich hatten viel Spaß daran, durch die Brandung zu laufen, die weit über den Strand flutete. Mittags holten wir uns wie so oft einige Snacks (ich aß in Ghana insgesamt  große Mengen von Mangos und Ananas) und verbrachten etwas Zeit am Strand.
An diesem Strand befand sich ein kleines "Castle", wie es sich nannte, von der Erscheinung wirkte es etwas heruntergekommen und ruinenhaft. Solche Gebäude bekamen wir allerdings nicht selten zu Gesicht.
Als wir an einem Nachmittag auf den Felsen neben den Castle herumkletterten und die Gischt beobachteten, die auf die Felsen spritzte, kam eine Gruppe junger Männer vorbei, die relativ schick angezogen waren und auch Smartphones mit sich trugen. Sie fragten uns, ob sie Selfies mit uns dreien machen dürften. Diese Bitte schlugen wir ihnen nicht ab, sodass das danach regelrecht eine Fotosession mit gefühlt hundert Selfies am Strand begann. Sie kannten uns nicht, doch offenbar machte es uns interessant, dass wir hier offensichtlich die Exoten waren.
Wir begegneten am gleichen Strand auch einer Mutter mit Kind, die ebenso ein Smartphone hatte und uns bat, für Selfies mit ihrer Tochter am Strand zu posieren. Ich hatte mich inzwischen an die viele Aufmerksamkeit gewöhnt, die die Menschen uns hier schenkten, und die Blicke von allen Seiten, wenn wir die Straße entlang liefen.

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