Nach dem Frühstück verließen wir unsere Unterkunft im Schulgebäude, um einen sandigen Weg, der sich durch die Landschaft zum Nachbardorf schlängelte, zu beschreiten. In diesem Nachbardorf wohnten nämlich einige Kinder, die H. während ihrer Volunteer-Zeit betreut hatte.Es war Sonntag, sodass wir beobachten konnten, wie die Menschen in den Kirchen saßen und sangen, bereits am frühen Morgen. Im Süden Ghanas sind die meisten Menschen sehr christlich, während im Norden mehr Muslime vertreten sind. Für die Christen hier haben Gott und Jesus eine große Bedeutung. In dem Dorf glaubten auch viele, dass man zur Hölle fährt, sobald man von Alkohol nur gekostet hat oder Ähnliches.
Unterwegs unterhielten A. und ich uns gerade über all unsere neuen Eindrücke der ersten Tage, als zwei Kinder aus Bechem uns zu folgen begannen. Die anderen Kinder am Anfang des Weges hatten uns bereit zugewinkt und neugierig gemustert, diese hatten offenbar beschlossen, mitzukommen. Sie sprachen eher wenig mit uns, aber hielten Schritt mit uns und sahen uns, während wir redeten, unentwegt von der Seite an.
Im Dorf angekommen, brannte die Sonne auf uns herab, sodass auch Lichtschutzfaktor 50 nicht half. Es war zum Glück das einzige Mal während der Zeit in Ghana, dass ich mir etwas Sonnenbrand holte.
Das Dorf an sich war sehr klein, überall liefen Ziegen herum und der rote Sand staubte (bis zum Ende der Reise klebte er an meinen schwarzen Straßenschuhen). Die Menschen kamen aus den Häusern, um uns zu begrüßen, und die Kinder umringten uns, voller Interesse an uns "White Ladies". Ganz besonders für diejenigen, die H. bereits kannten von früher, war die Wiedersehensfreude natürlich riesig. Die Kinder fassten uns an den Händen und spazierten mit uns durchs Dorf. Die Aufmerksamkeit von allen Seiten, nur weil wir Fremde waren, war wirklich erstaunlich. Ich empfand das Verhalten der Kinder sehr niedlich. A. und ich fühlten uns nur etwas genervt von einem Lehrer, der auch an der Schule unterrichtete, sich grob den Kindern gegenüber verhielt und uns alle hektisch durch das Dorf zu manövrieren versuchte, mit der Absicht, uns all seinen ortsansässigen Freunden, Verwandten und Bekannten vorzustellen, die alle unsere Hand schütteln. H. erklärte uns auch, dass sein Verhalten nichts Neues war. Zurück an der Schule angekommen, brauchte ich erstmal eine Pause von dem Trubel. Die Kinder wussten meinen Namen und den von meinen beiden Freundinnen inzwischen sehr gut. Wenn wir auf den Balkon traten, um zu unserem Gästezimmer zu gelangen, ertönte lautstark von unten vor dem Haus unser Name. Die Nachbarskinder standen dort, riefen zu uns hoch und klatschten in die Hände.
So was habe ich auch noch nicht vorher erlebt.
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