Dienstag, 19. Oktober 2021

Innsbruck- Die Großstadt in den Alpen

 Als M. und ich im ICE über die deutsche Grenze nach Österreich fuhren, bot sich uns ein Bild aus tiefliegenden Wolken an den Berghängen, die sich uns am Anreisetag offensichtlich noch nicht in ihrer ganzen Pracht zeigen wollten. Als Kind war ich auch schon einige Male in den Alpen gewesen und nun bekam ich die Gelegenheit, Innsbruck kennen zu lernen, die Hauptstadt Tirols. Da mein Freund die Berge liebt und wir schon seit Längerem davon sprachen, dass wir die Stadt einmal kennen lernen wollten, hatten wir einige Wochen zuvor den viertägigen Trip gebucht. Meine Freundinnen hatten mir die Wochen davor vorgeschwärmt, wie viele vielsprechende Instagram-Fotos sie von Innsbruck in letzter Zeit gesehen hatten - mit traumhaften Bergaussichten, mit und ohne Schnee sowie einem hübschen Stadtbild- dementsprechend war meine Neugierde groß.

Beim Heraustreten aus dem Bahnhof war das Erste, das ich wahrnahm, die frische und kühle Luft, die ich atmete- dabei befanden wir uns inmitten der Stadt. Für Anfang Oktober erschien mir das Klima zudem geradezu winterlich, als wäre ich vom norddeutschen Herbst direkt in den Tiroler Winter gewechselt. Da war es eine gute Entscheidung gewesen, meine Winterjacke und meinen dicken Schal anzuziehen. Auf dem Weg zum Hotel, bei dem wir unsere Trolleys den Bürgersteig entlang hinter und herzogen, blitzten hinter den Häuserblocks die Berge der Nordkette auf, auch wenn sie zum großen Teil in Wolken gehüllt waren. Zu welcher Seite wir auch blickten, irgendwo gab es Berge. "Wie schön das erst aussehen muss, wenn die Wolken weg sind und der gesamte Berg zu sehen ist", sagte M.. Wir sollten es in den Tagen darauf noch erfahren. 

Mit unserem Hotelzimmer hatten wir Glück, es besaß an zwei Wänden Fenster und wenn wir mit hochgezogenen Rollläden im Bett lagen, konnten wir auf die ruhige Seitenstraße hinaus und auf den hinter den Häusern aufragenden Berg blicken. Natürlich machte ich unzählige Fotos von diesem Ausblick. Als wir durch die Innenstadt liefen, wo sich auch das Goldene "Dachl", ein kleines Dach aus goldenen Dachschindeln, befand, konnten wir viele italienische Restaurants und schmucke Häuser entdecken. 
Das Wasser des Inns, dem Fluss, dem die Stadt ihren Namen verdankt, war aufgrund seiner starken Strömung kristallklar und von der Farbe eisblau. Ein wenig verwundert waren wir nur darüber, dass am Donnerstag um 19 Uhr das Stadtzentrum wie leergefegt wirkte und die ganzen Geschäfte bereits schlossen. Die Menschen, die nun noch unterwegs waren, versammelten sich nun offenbar in den Restaurants und Bars. 

An einem der Folgetage zog ich morgens das Rollo unseres Hotelzimmers hoch und konnte mit M. den Berg bis fast zum Gipfel sehen: Nun war die Gelegenheit, um mit der Bergbahn zur Bergspitze zu fahren. Wir stiegen in der Innenstadt an einer Bergbahnstation ein, deren modern designtes Dach wie ein Gletscher geformt war- die Assoziation mit den Bergen war eindeutig. Wir mussten einmal umsteigen und fuhren das letzte Stück mit einer Seilbahn ganz nach oben. Die Bergbahn raste den Berghang hinauf, durchbrach die weiße Wolkendecke und was wir dann sahen, begeisterte uns wirklich: Über uns befand sich strahlend blauer Himmel und die leicht mit Schnee bedeckten Bergspitzen rund um Innsbruck ragten  aus der watteartigen Wolkenschicht empor. Die Stadt war unter den Wolken kaum sichtbar. Es schien, als hätten wir eine Welt über den Wolken betreten. Die Luft war frisch und klar und am Rande des Wanderweges zum Gipfelkreuz, den wir jetzt hinaufstapften, lag überall Schnee. Dieser war jedoch so gefroren, dass es fast schon Eisklumpen waren. 

Zum ersten Mal in dieser Saison kam ich dazu, meine Handschuhe anzuziehen. Mein insgeheimer Wunsch, auf diesem Trip etwas Schnee zu erleben, hatte sich soeben erfüllt. Als ich den Wind im Gesicht spürte und mit M. auf die Landschaft um uns herum blickte, wusste ich wieder, warum ich das Reisen liebte: Ich empfand es immer wieder als Geschenk, die Schönheit unseres Planeten zu erleben und mich immer wieder aufs Neue von ihr überraschen zu lassen. Insgesamt hatte ich vergessen, seit ich als Kind in den Alpen Urlaub gemacht hatte, wie schön die Alpen waren.

Eine Ebene tiefer fand M. sogar einen Eisbrocken, der von der Form verblüffend stark einem Rentier oder Reh ähnelte. Die Wolken wanderten die ganze Zeit, sodass wir auf unserem Spaziergang plötzlich mitten in einer Wolke standen und ringsum fast nichts mehr sehen konnten außer uns beiden, was ein faszinierendes Gefühl war. Als wir zurück zur Bergbahnstation gelangt waren, war es in der Sonne so warm, dass wir unseren Mittags-Snack auf einem Stein sitzend verdrücken konnten. Die Wolkendecke über dem Tal hatte sich inzwischen so weit verzogen, dass wir freie Sicht auf Innsbruck hatten. Erschöpft, doch zufrieden fuhren wir wieder ins Tal hinunter. 

Donnerstag, 9. September 2021

Auf Schienen zurück nachhause

Nach den letzten Tagen unserer Reise, die wir in Barcelona zum Abschluss noch einmal ausgekostet hatten, wurde es Zeit,  nach Deutschland zurückzukehren. Von Barcelona aus ging es über Paris wieder in unser Heimatland.
Einen Monat lang waren wir nun unterwegs gewesen, in verschiedensten Zügen wie dem deutschen ICE, dem französischen TGV und mehreren spanischen Schnellzügen. Wir hatten wunderschöne Berglandschaften, lebendige Städte und türkisblaues Meer (Barcelona) gesehen und einen Monat lang warmes Wetter, strahlend blauen Himmel und Sonnenschein gehabt. 
Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass wir all dies auch trotz Corona erleben durften und es uns überhaupt möglich war, diese Zugreise mit mehreren Etappen zu unternehmen. Nach mehreren Monaten im Lockdown und der trotzdem vorhandenen Sehnsucht, andere Orte zu entdecken, hatte ich der Reise erst recht entgegengefiebert und konnte mit vielen wertvollen Eindrücken wieder nachhause zurückkehren.

Wenn wir Gibraltar mit berücksichtigten, hatten wir insgesamt seit unserer Abreise aus unserer Heimatstadt die gleiche Strecke wie von Hamburg nach Peking zurückgelegt. Der Gedanke erscheint mir heftig, da mir die Gesamtstrecke gar nicht so lang vorkam, was vielleicht daran liegt, dass wir sie aufgeteilt hatten. Jedenfalls hat mir unsere Interrail-Reise gezeigt, dass ich es sehr schätze, per Zug zu reisen, und dass mir diese Art des Reisens wie auch M. am meistens zusagt, vielmehr, als ins Flugzeug, ins Auto oder in den Bus zu steigen. Ich bin mir sicher, dass noch einige Zugreisen von uns folgen werden, von denen ich auf diesem Blog berichten kann. 
Bis bald auf diesem Blog, liebe Leser*innen!

Sonntag, 5. September 2021

Vegane Paella & Co: Vegan in Spanien


Während unserer Reise versorgten wir uns hauptsächlich in Supermärkten. Am besten gefielen uns die großen, gut ausgestatteten Mercadonas, die wesentlich mehr Auswahl boten als die Supermercados und Supermercats. Letztere konnten wir an jeder Straßenecke finden, jedoch ähnelten sie eher einem Kiosk und boten nicht so viel frische Waren wie die Mercadonas. 

Als Brotaufstrich kauften wir meisten Hummus, Guacomole aus Avocado und Tomate ein sowie Salsa-Soßen, die sehr häufig mit veganer Rezeptur zu finden waren. Vorteilhaft war es, dass in den meisten Supermärkten die veganen Produkte gekennzeichnet waren. Zudem gab es wenig Supermärkte, die keinen Sojajoghurt anboten. Ich fand sogar Sorten, die ich in Deutschland bisher nicht gefunden hatte, und nutzte die Gelegenheit, sie zu probieren.

Auch an veganen Restaurants mangelte es uns nicht. Im Viertel Barceloneta in Barcelona besuchten wir einen Abend die Vegan Sangria Bar, in der es unter anderem vegane Paella gab. Diese war sogar mit meeresfrüchteähnlichen Fleischalternativen dekoriert. Aus einem früheren Besuch in Spanien assoziierte ich Paella mit einer riesigen schwarzen Kochschale, an deren beiden Seiten sich Henkel befanden, so angefüllt mit dem Reisgericht, dass zwei Personen davon üppig essen konnten. Als uns dann für ein sehr kleiner Kochtopf vorgesetzt wurde, in Vorspeisengröße, war ich ein wenig enttäuscht. Daraufhin holte ich mir bei einem Imbiss ein Pitabrot mit Falafel und Mario fand eine neapolitanische Steinofenpizza, sodass wir diesen Abend dennoch satt und zufrieden wurden. 

Vegane Restaurants gibt es generell viele. Vor allem in Barcelona ist die Auswahl nicht gering. Dort stießen wir sogar auf einige vegane Supermärkte, in denen wir interessiert stöberten. Witzigerweise wurden wir auf einen Penny-Markt Nähe des Plaza Catalunyas aufmerksam, in dem wir im Veganer-Paradies schwelgen konnten. Hier konnten wir vegane Nuggets, Tortilla, Mozzarella, Nussgetränke und sogar ganze Kokosnüsse zum Trinken finden. Die Kokosnuss wurde unser Abschiedsgetränk auf der Reise, das wir uns am letzten Abend am Infinity-Pool unseres Hotels genossen.

Auf ein Neues, Barcelona

Als wir nach unserem aufregenden Trip nach Gibraltar nach Barcelona zurückkehrten, um dort die letzten Tage der Reise zu verbringen, wirkte die lebendige Stadt auf uns allzu vertraut.
Was wir an dem ersten Abend vor allem brauchten, war eines: Ein Waschsalon. Die Reiseautorin Waltraud Hable hat einmal geschrieben, für Langzeitreisende könnte es allein schon ein Erlebnis sein, in einem fremden Land in einen Waschsalon zu gehen; es müssten nicht immer die hochangepriesenen Sehenswürdigkeiten oder gebuchten Trips sein. Und ich kann nun sagen: Sie hat Recht. Ich war bisher auch noch nie in einem Waschsalon, nicht einmal in Deutschland. M. schaltete die Waschmaschine an und wir hatten etwa eine halbe Stunde Zeit, uns die Küssende Wand anzusehen, die ein paar Ecken entfernt lag. Zur Erklärung: Die Küssende Wand ist ein riesiges Bild von zwei sich küssenden Lippen an einem Wall, die aus einer Vielzahl von mit Fotos bedruckten Kacheln zusammengesetzt wurden.

M. und ich nutzten die letzten Tage in Barcelona noch einmal aus, um all das zu erleben, worauf wir Lust hatten. Wir verbrachten einen Tag damit, in die verrückten Museen des Big Fun Museums zu gehen, in dem uns wir mit riesigen Gegenständen gegenseitig fotografieren konnten oder durch ein Haus liefen, das komplett auf dem Kopf stand und den Eindruck vermittelte, wir würden kopfüber an der Decke kleben. Das Meer ließen wir uns auch nicht entgehen, indem wir einen Tag am Strand verbrachten und eine Katamaran-Fahrt buchten. Bei der Katamaran-Fahrt bestand das Highlight darin, dass sich auf dem Deck Lücken befanden, über die feste Netze gespannt waren, durch die das türkisfarbene Wasser sichtbar war. Dies ist bei Weitem nicht so adrenalinfördernd, wie es vielleicht klingen mag; für uns wirkte der Ausflug ganz entspannt. Besonders gefiel es mir, am letzten Tag vor dem Abreisetag morgens zum Stadtstrand bei dem Viertel Barceloneta zu laufen, wo gerade die Sonne zwischen den Palmen aufging, und dort das Frühstück zu genießen. 

M. und ich erfüllten uns zudem den Wunsch, den Tibidabo zu besteigen, den Berg, den wir bei unserem Aufenthalt von der Fensterfront unseres Hotels sehen konnten und auf dem sich das Tibidabo Castell, eine schmucke Kirche, befand sowie der Freizeitpark mit dem Riesenrad. Als wir oben waren, konnten wir, nachdem wir ein Stück um die Kirche herumgelaufen waren, sogar die Berge von Montserrat in weiter Ferne erkennen.

Unterwegs mit Zügen und Fernbussen

Als ich an einem der Tage in Gibraltar von dem Affenfelsen aus zu der Küste Nordafrikas blicken konnte, die zum Greifen nah erschien, wurde mir erst bewusst, wie weit wir es mit unserem Interrailpass und einer Fahrt mit dem Fernbus geschafft hatten. Noch nie war ich so dicht an einem anderen Kontinent gewesen, ohne in den Flieger zu steigen. M. und ich hatten bisher von Deutschland aus ganz Frankreich und Spanien bis zur südlichen Küste durchquert.
Gleichzeitig kamen die Bahnfahrten relativ entspannt vor, da wir diese aufgeteilt hatten und immer ein paar Tage während unserer Reise an einem Ort blieben. Zudem waren wir die meiste Zeit mit Schnellzügen unterwegs, sodass wir nie länger als sieben oder acht Stunden zu unserer nächsten Etappe unterwegs waren.

An die Bahnreisen hatten wir uns schnell gewöhnt, selbst daran, dass wir unsere Masken für lange Zeit am Stück aufbehalten mussten. Mediterrane und bergige Landschaften, die in Andalusien von Olivenbäumen gespickt waren, zogen an uns vorbei. Die Busfahrten nach Gibraltar und von dort aus zurück nach Sevilla verliefen zwar wesentlich holpriger, vor allem, als wir bei Tarifa in Südspanien durch bergiges Gelände sausten, doch insgesamt lohnte sich auch dieser Trip.

Ich ließ, wenn ich nicht gerade ein Buch las oder etwas anderes tat, während der Fahrt oft meine Gedanken schweifen und dachte daran, was wir in den Tagen zuvor an dem Ort, von dem wir losgefahren waren, erlebt hatten. So konnte ich die Zeit des Stillsitzens nutzen, um die vielen vorherigen Eindrücke zu verarbeiten. Zugleich war ich voller Vorfreude auf den nächsten Ort und war bei jedem Losfahren darauf gespannt, was uns als Nächstes erwartete. 

Catalanian Bay und der letzte Tag in Gibraltar

 

Nachdem wir einen Tag lang den Affenfelsen in Gibraltar erkundet hatten, wollten M. und ich am folgenden Tag zum Fuß des Berges gehen und uns ein morgendliches Bad im Meer gönnen. Der Strand der Catalanian Bay besticht durch die Reihe bunter Häuser, über denen der Felsen aufragt. Wir waren schon morgens da, sodass außer uns nur ein paar Möwen über den Sand liefen. Das Wasser fühlte sich eiskalt an, doch wir hatten viel Spaß, sobald wir uns hineingewagt hatten. Ich muss zugeben, ich liebe einsame Strände, an denen sich kaum Menschen tummeln. 

An diesem Morgen hatte ich nur leider das Pech, dass ich auf ein Petermännchen trat, einem giftigen Fisch mit Stacheln auf dem Rücken, der sich in der Ruhe nah zum Ufer getraut hatte. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nie etwas von diesem Fisch gehört. Ich sollte es erst erfahren, nachdem ich feststellte, dass der Stich an meinem Fuß krampfartige Schmerzen hervorrief und keinesfalls daherkommen konnte, dass ich auf eine scharfkantige Muschel getreten war, wie ich zuerst dachte. Nachdem der Krankenwagen mich ins örtliche Krankenhaus gebracht hatte, wurde mir dort eine Infusion verabreicht, die sich zum Glück als sehr wirksam herausstellte. Meine Freundinnen daheim googelten den Fisch und stellten fest, dass es Petermännchen auch in der Ostsee gibt. An sich passiert solch ein Zwischenfall wohl sehr selten, doch theoretisch kann es fast überall in Europa passieren, wo sich das Meer befindet. Ich riet ihnen, bei ihrem nächsten Urlaub unbedingt eine Reisekrankenversicherung mitzunehmen, nachdem sie sich in meinem Fall bewährt hatte.

Den Tag erholte ich mich in unserem Hotelzimmer in La Línea de la Conception und wurde von M. mit Eiskaffee und leckerem Essen versorgt. Ich war zuversichtlich, die Reise so wie geplant fortsetzen zu können. Einen Tag später sollte es ohnehin mit dem Reisebus zurück nach Sevilla gehen, wo wir noch einmal nächtigen wollten, bis es wieder zurück nach Barcelona gehen sollte. Nun freuten M. und ich uns darauf, bald wieder in Barcelona sein zu können, das uns schon ein wenig vertraut erschien und schon bei den ersten gemeinsamen Tagen dort sehr gefallen hatte.

Samstag, 4. September 2021

Die Affenfelsen von Gibraltar

Seien wir ehrlich- besonders freuten M. und ich uns bei unserem Besuch in Gibraltar auf die wilden Affen, die auf der Spitze des bekannten Felsen hausten. Bei der Seilbahnstation im Tal erhielten wir ein Ticket, das uns erlaubte, den Naturpark auf dem Felsen zu betreten. Wir entschieden uns jedoch, den Berg nicht mit der Seilbahn hinaufzufahren, sondern ihn über die Mediterranian Steps zu erklimmen. Auf diesem Weg ging es über den in kreideweißen Stein gehauenen Weg steil den Berg hinauf. Zwischendurch kamen wir an ein paar Ausgucken und Bunkern mit Aussicht auf das Meer vorbei, in denen früher Kanonen platziert worden waren. In der aufsteigenden Sonne und aufgrund des herausfordernden Aufstieges kamen wir durchgeschwitzt, doch voller Vorfreude auf das, was wir sehen würden, an der Spitze an. Zu dem ehemaligen Militärstützpunkt fanden wir auf dem Berg auch ein Museum. 

Als wir uns dem kleinen Skywalk mit Glasboden näherten, sahen wir die ersten Berberaffen. Der Skywalk war nicht ganz so beeindruckend, wie Adrenalinjunkies es sich vielleicht erhoffen würden, doch ein schöner Aussichtspunkt war es allemal. Auf dem weiteren Weg über den Gipfel begegneten wir vielen weiteren Affen. Meine vorherige Recherche hatte ergeben, dass Vorsicht geboten sei, weil sich die  frechen Affen gern an den Handtaschen und Rucksäcken der Besucher*innen zu schaffen machen. Es wird vermutet, dass sie irgendwo ein Sammelsurium an geklauten Handys verborgen haben.

Zum Glück war der Griff vom Reißverschluss meiner Handtasche ohnehin kaputt, sodass auch durch fingerfertige Affenhände nicht so leicht zu öffnen war. Unsere Wertsachen hatten wir gut verpackt. Ein kleiner Affe sprang mir sogar auf die Schulter und fing an, in meinen Haaren herumzuspielen. Als er danach anfing, an meinem Netzoberteil herum zu zupfen, versuchte M., ihn davon abzuhalten, was dem Affen gar nicht gut gefiel. Auf Tuchfühlung gingen die Affen mehrmals; einer setzte sich M. einfach auf den Schoß. Scheu waren die Tiere definitiv nicht, und waren die zahlreichen Menschen, in deren Taschen sie Essen vermuteten, gewohnt. Sobald M. den Reißverschluss seines Rucksacks öffnete, als wir im Schatten saßen und etwas trinken wollten, waren gleich mehrere Affenaugenpaare auf ihn gerichtet. 

Eine Affendame leistete uns während unserer Pause Gesellschaft, indem sie sich einfach zwischen uns setzte. Wir konnten zudem Affen beobachten, die sich auf die langsam den Berg hinauffahrenden Autos mit Touristengruppen setzten.

Als weiteres Highlight konnten wir noch die unterirdische Welt des Felsen entdecken, in dem sich die märchenhaften St. Michaels Caves verbergen. Dort finden regelmäßig Konzerte statt, außerhalb davon kann man als Besucher*in zwischen den bunt angeleuchteten Tropfsteinformationen hindurchlaufen und die Struktur des durch Wasser geformten Gesteins bestaunen.

Von La Línea de la Conception nach Gibraltar

Auf den Ort La Línea de la Conception wurde ich nur deshalb aufmerksam, weil M. und ich nach Gibraltar reisen wollten. Der Ort liegt an der Grenze zu Gibraltar und war von Sevilla gut aus mit Reisebussen zu erreichen. Ein Zug führte nicht dorthin, sodass wir ausnahmsweise in den Bus stiegen, um vier Stunden später in La Línea de la Conception anzukommen. Zuvor waren wir dafür von Granada aus noch einmal nach Sevilla zurückgekehrt und hatten in einem Park nahe des Busbahnhofs Uno gespielt, bis unser Reisebus startete.

Im Gegensatz zu Gibraltar vermittelte uns La Línea de la Conception die Atmosphäre eines Vorstadtortes mit schlichter Infrastruktur und ein paar dunkleren Straßenecken, dennoch gab es zwischendrin einige bunte Ecken, die mir sehr gefielen: Darunter eine Gasse zwischen den Häusern, die von einer Ansammlung bunter Schirme überdacht wird.

M. und ich liefen von unserem Hotel in La Línea de la Conception etwa 10 Minuten zur Grenze zu Gibraltar, fischten dann unseren Personalausweis aus unserer Tasche und zeigten sie den Grenzbeamt*innen vor, bevor wir uns auf dem Boden Gibraltars befanden. Wie ich auf dieser Reise lernte, gehört Gibraltar nicht zu Spanien, sondern ist britisches Hoheitsgebiet, weshalb der kleine Ort an der Küste kein Teil der EU ist. Gibraltar ist klein, doch sehr interessant, da es ein wenig aus dem Rahmen fällt. Bezahlt wird mit Gibraltar-Pfund. Euros werden auch angenommen, jedoch erhielt ich als Wechselgeld Pfund zurück, als ich im Supermarkt mit einem Fünfziger-Schein bezahlte. 

Als M. und ich die Grenze übertraten, mussten wir das Rollfeld des Flughafens überqueren. Mehr als einmal wurden wir Zeuge davon, dass die Straße und der Fußgängerweg in die Stadt gesperrt wurden, weil gerade ein Flugzeug landete oder startete. Innerhalb der Main Street wurde das britische Flair erkennbar anhand der roten Telefonzellen und roten Briefkästen sowie anderen Details, die mit dem bekannten Affenfelsen im Hintergrund und den von Palmen gesäumten Straßen ein kurioses Bild ergaben.

Los Cahorros de Monarchil

Nachdem wir durch Montserrat bei Barcelona gewandert waren, packte M. und mich auch in Granada, von wo aus wir die Berge der Sierra Nevada erspähen konnten, die Lust, die Natur ringsum zu entdecken. Nichtsahnend, wie lang unser Fußmarsch an diesem Tag tatsächlich werden sollte, zogen wir morgens mit Proviant und Getränken ausgestattet los. Unser Ziel war der Nationalpark bei Monarchil, der mehrere Hängebrücken, Bäche und eine beeindruckende Schlucht zu bieten hatte. 

Wir liefen lange Zeit eine Straße lang, die aus Granada hinausführte, und hatten dabei immer in weiter Ferne den Blick auf die Bergkulisse vor uns, an der wir uns orientieren konnten. In einem Dorf kurz vor dem Nationalpark freuten wir uns, auf einen Kiosk zu stoßen, in dem wir uns ein wenig frisches Obst und neue Getränke kaufen konnten. Je mehr die Zeit verging, desto wärmer wurde der Tag und wir kamen inzwischen sehr in Schwitzen. 

Nach einiger Zeit wies uns ein Schild den Weg zu den Cahorros de Monarchil, die wir kurz darauf erreichten, nachdem wir einige Zeit einen Weg zwischen Bach und Dickicht gelaufen waren. Dort fanden wir die erste rote Hängebrücke, auf die noch weitere folgten. Eine befand sich etwas höher, über einem Wasserfall, der die Felswand hinunterlief. Einige Menschen erfrischten sich in dem Wasser und wir nahmen uns vor, auf dem Rückweg zu dieser Stelle hinunterzugehen.

Besonders interessant wurde der Weg, der durch die Schlucht führte. Dieser war extrem schmal an den Felsen gebaut, während auf der anderen Seite etwa einathalb Meter tief ein seichter Bach plätscherte. An diesem Tag waren außer uns einige Ausflügler*innen unterwegs, die uns zum Teil aus der anderen Richtung entgegenkamen. Somit mussten wir geschickt aneinander vorbeiklettern, dicht an die Felswand gepresst. Manchmal war der Weg so schmal und der Felsen so weit vorgewölbt, dass wir ein paar in den Stein gehauene Metallgriffe zur Hilfe nehmen mussten, um überhaupt weiterzukommen. Der Weg war auf jeden Fall ein Erlebnis für sich.

Ein weiteres Erlebnis sollte direkt danach folgen, als M. und ich zum Wasserfall hinabstiegen, unsere Badesachen anzogen und eine Dusche in dem kalten Wasser nahmen. Wie erwartet war das Wasser eiskalt, doch sehr erfrischend und genau das Richtige, nachdem wir bereits viele Stunden in der Sonne verbracht hatten. Nach der Dusche unter dem Wasserfall und einiger Zeit, die wir auf den Felsen davor saßen und dem Wasserrauschen zugehörten, fühlte ich mich bereit, die Tour fortzusetzen, und M. auch. 

Wir spazierten ein wenig durch die umliegende, bergige Landschaft und begaben uns auf den Rückweg nach Granada, wie wir gekommen waren. Die späte Nachmittagshitze war noch heißer als zuvor, sodass wir uns zwischendurch immer wieder mit unseren Getränken stärkten. Irgendwann waren unsere Flaschen alle, weswegen wir beschlossen, bei dem nächstgelegenen Kiosk unseren Flüssigkeitsvorrat wieder aufzufüllen, Der Kiosk, bei dem wir auf dem Hinweg eingekauft hatten, war leider bereits geschlossen. 

Und selbst, als wir den langen Fußmarsch nach Granada bewältigt hatten und uns in der Wohngegend vor dem Zentrum befanden, waren an sämtlichen Gebäuden die Rollläden heruntergelassen: Granada befand sich noch immer in der Siesta, während wir beiden Verrückten stundenlang durch die Gegend liefen. Ein wenig dichter am Zentrum fanden wir endlich einen Supermarkt, in dem wir eine große Flasche Wasser kauften, die wir beide zusammen innerhalb kürzester Zeit leerten. Es gibt bei Hitze und nach körperlicher Anstrengung nichts Köstlicheres als kaltes Wasser, das erfrischend und klar die Kehle hinabrinnt. Erschöpft, aber glücklich ließen wir uns in unserem Hotel auf das Bett fallen.

Am Abend fiel ich fast nochmal und zwar von einem imaginären Stuhl, nachdem M. mir eröffnete, wie viel wir an diesem Tag gelaufen waren: Circa zweiundzwanzig Kilometer. "Wenn ich das gewusst hätte", sagte M. "Dann wäre ich nicht zu Fuß losgelaufen." Im Nachhinein bin ich froh darüber, da ich den Tag, so wie wir ihn erlebt haben, nur ungern missen möchte.

Alhambra

Von der Palastanlage Alhambra hatte ich schon gehört, als ich ein Kind war, und dabei immer das Bild eines prunkvollen Gebäudes vor Augen gehabt, dessen Wände in zahlreichen Details Koransuren schmückten. Das Gebäude wurde vor längerer Zeit zum UNESCO Welterbe erklärt. Mit dreiundzwanzig fing ich an, in meiner Freizeit etwas Arabisch zu lernen und das komplexe System der arabischen Schrift zu verstehen (zumindest versuchte ich es ab diesem Zeitpunkt) und stellte mir vor, eines Tages in der lichtdurchfluteten Alhambra zu stehen und an den Wänden die Koransuren zu lesen. Zwar musste ich bei meinem Besuch feststellen, dass die Buchstaben dermaßen verschnörkelt waren und ich das dortige Vokabular noch bei Weitem nicht beherrsche, dennoch fand ich die in die weiße Wand gemeißelten Schriftzeichen wunderschön und faszinierend.

Trotz oder vielleicht gerade wegen Corona bekamen wir einen Tag vorher direkt für den nächsten Morgen ein Ticket für den Rundgang in der Alhambra. Dass die Tickets sehr schwer zu kriegen seien und überhaupt unklar wäre, wie lange die Alhambra für die Öffentlichkeit noch zugänglich sei, erfuhr ich erst später von meinem Umfeld zuhause. Nach einem Spaziergang durch das morgendliche, noch ausgestorbene Granada, in dem gerade die Sonne aufging, saßen M. und ich mit einem Kaffee für mich und einer Cola für ihn am Eingang der Alhambra und beobachteten die ersten herumstreifenden Besucher*innen sowie ein paar Katzen, die das Gelände offensichtlich als ihr Zuhause betrachteten. Für mich war es ein wunderschöner Moment, die Sonne langsam aufgehen zu sehen und zu wissen, dass wieder einmal ein spannender Tag auf mich warten würde, für den es sich gelohnt hatte, früh aufzustehen.

Zuerst gingen M. und ich zu den Nazriden Palästen, für die es erforderlich gewesen war, voraus den Besuch zu einer bestimmten Uhrzeit zu buchen, und die sich nach unserem Geschmack als den schönsten Teil des Alhambra-Geländes herausstellten. Es gab so viele kunstvolle Details, dass wir nicht wussten, wohin wir zuerst schauen sollten, und doch war das Ganze keinesfalls kitschig. Auf dem Gelände wurden wir mehrfach kontrolliert und mussten unser Ticket vorzeigen, sodass die Sicherheitsmitarbeiter*innen genau verfolgen konnten, an welchem Punkt der Alhambra wir uns gerade aufhielten. Die Sicherheitsstandards schienen hier ziemlich hoch zu sein. 

Neben den Nazriden Palästen konnten wir noch durch einige Gärten mit Springbrunnen und Säulen schlendern und zwischendurch durch die Fensterbögen auf die etwas tiefer gelegene Stadt Granada hinabschauen. Nachdem wir das Gelände der Alhambra verließen, konnte ich im Park del Carmen, der direkt daneben, auch auf dem Berg lag, Bekanntschaft mit einem Pfau machen. In diesem Park spazieren Pfauen zwischen Palmen und Springbrunnen herum. Hier war es noch ruhiger als auf dem Gelände der Alhambra, das auch schon wesentlich weniger besucht war, als ich gerechnet hatte. Einer der Pfauen hatte es sich in einer Nische des Parks gemütlich gemacht und hielt dort offensichtlich ein Mittagsschläfchen.

Granada

Granada, wohin wir auf dieser Reise ziemlich spontan gelangt waren, entpuppte sich für uns als lohnenswerte andalusische Stadt, in der wir uns weitaus wohler fühlten als Sevilla. Das maurische Flair war deutlich spürbar, besonders in den belebteren Gassen des arabischen Viertels Albaícin auf dem Berg. Es wurden in den Restaurants arabische Speisen mit Tabulé-Salaten, Kichererbsen-Eintöpfen und Tee angeboten. Zudem gab es Läden mit bunt gemusterter, luftiger Kleidung, bunte Lampen und aufwendig verzierte Dinge angeboten. Als mich dann auch noch ein Verkäufer ansprach, ob ich mir ein Hennatattoo machen lassen wolle, fühlte ich mich  stark in meinen Urlaub in Marrakech von 2018 erinnert. 

Auch eine Rosmarinfrau, über die ich erfahren hatte, dass sie Tourist*innen Rosmarinzweige gegen eine Spende von einigen Cents anzudrehen und diesen dann im Zuge dessen Geldscheine aus dem Geldbeutel zu ziehen versuchten, kreuzte am ersten Tag vor den Toren des Albaícin unseren Weg. Doch M. und ich gingen rasch weiter. Wir erklommen einen Aussichtspunkt, von dem aus wir die Palastanlage Alhambra sowie die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada im Hintergrund sehen konnten. Granada als buntes, in den Bergen eingebettetes Städtchen, war uns auf Anhieb sehr sympathisch.

Am selben Abend besuchten M. und ich ein arabisches Teehaus, in dem der Tee in prunkvollen silbernen kleinen Teekännchen aufgegossen wurde. Eigentlich wollten wir uns kalten Tee bestellen, auf den wir durch die Kreidetafel vor dem Teehaus aufmerksam geworden waren. Da dieser jedoch nicht verfügbar war, ließen wir uns darauf ein, bei fast vierzig Grad Celsius einen heißen Tee zu bestellen. Und es war nicht so übel, muss ich nun zugeben. Es gefiel uns sogar so gut, dass wir vor unserer Abreise erneut ein Teehaus aufsuchten.

Sevilla für Anfänger


1. Flamenco und Sevilla werden oftmals im gleichen Satz erwähnt. Tatsächlich konnten M. und ich am Plaza Espana in den Vormittagsstunden, als der Platz noch gar nicht einmal so voll war, eine Flamenco-Tänzerin sehen, die mit energischen Tanzschritten zwischen den Säulen längs wirbelte. Da der Platz und natürlich der Flamenco bei Tourist*innen sehr beliebt sind, verdienen manche Tänzer*innen und Künstler*innen damit einige Münzen, indem sie ein wenig von dieser Tradition preisgeben. Um eine komplette Flamenco-Show zu sehen, können auch die Flamenco-Theater- und Kulturhäuser besucht werden, von denen wir einige bei unseren Stadtrundgängen sehen konnten.

2. In einer Markthalle, in der die Innenräume mit Sprühwasseranlagen (tatsächlich ist in der Gastronomie vor Ort üblich, die Besucher*innen durch leichten Sprühwassernebel zu erfrischen) gekühlt wurden, konnten M. und ich einen veganen Imbiss namens "Veganitessen" entdecken. Dort konnte ich zum ersten Mal eine vegane spanische Tortilla probieren und war davon vollends überzeugt- und von den Preisen dort auch.

3. Für Fans von alten Römischen Bauten ist etwas außerhalb der Stadt die römische Ausgrabungsstätte Italica interessant, von der M. sehr begeistert war. Ich habe bisher noch keine Ausgrabungsstätte oder ein Museum gesehen, in dem solch alte Objekte und Bauten noch dermaßen gut erhalten sind. Außerdem kam für mich, als ich mit meinem Sonnenhut auf dem Kopf (den mir M. in einer der zahlreichen Accessoire-Läden in Sevilla gekauft hatte) die historische, mit Steinen gepflasterte Straße in Italica entlangspazierte, ziemliches Sommerurlaubs-Feeling auf. Übrigens war das der einzige Ort während unserer Zeit in Sevilla, für den wir mit den Bus fuhren. Die Stadt selbst konnten wir komplett fußläufig entdecken.

4. Nur eine Straße weiter von unserer Unterkunft befand sich das Metropol Parasol, auch "Las Settas", die Pilze, genannt, ein gigantisches Holzkonstrukt moderner Architektur, das sich von dem restlichen, altstädtischen Sevilla stark unterscheidet. Ich kam mir vor, als würden M. und ich durch ein weißes Schneckenhaus laufen, nur dass die Wege nach oben hin offen waren. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir die verschlungenen Wege der Las Settas abgelaufen und dies als Einstimmung auf den Abend einmal mitgenommen.

5. Grünflächen sind nicht das Erste, was mir im Zusammenhang mit der andalusischen Stadt in den Sinn kommt. Als M. und ich den letzten Tag vor unserer Abreise nach Granada damit verbringen wollten, etwas auszuspannen, konnten wir jedoch etwas am Stadtrand einen sehr großen Park mit grünen Wiesen ausmachen. Da wir wahrscheinlich wieder einige der wenigen waren, die sich in der Nachmittagshitze hinauswagten, hatten wir den riesigen Park fast für uns allein. Nur in dem Wasserbecken, an dessen Rand wir unsere Picknickdecke platzierten, probierten sich ein paar Wakeboarder aus, was für uns auch ein willkommenes Schauspiel darstellte. Der ruhige Park war für uns perfekt, um etwas in der Sonne zu liegen und unsere Batterien für die Weiterreise aufzuladen. 

Freitag, 3. September 2021

Hinab nach Andalusien: Sevilla

Wenn ich Freunden und Bekannten berichtete, dass ich vorhatte, nach Sevilla zu fahren, hatten wir beide die gleichen Assoziationen, vorausgesetzt, keiner von uns war schon da gewesen: buntes Stadttreiben, Flamenco auf reichlich verzierten Plätzen und eine vor Lebendigkeit pulsierende Stadt. 

Das mit dem Flamenco und den detailliert verzierten Plätzen stimmt zwar so, jedoch habe ich auf unserer Reise nach Sevilla wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass wir uns erst dann ein realistisches Bild von einem Ort machen können, wenn wir da waren. Selbst wenn wir unzählige Fotos von diesem einen Ort gesehen haben, viele, die vor uns da waren, uns in allen Facetten davon berichtet haben, letztendlich ist es deine eigene Wahrnehmung von einem Ort, die dafür entscheidend ist, wie du ihn in Erinnerung behältst. Sevilla ist eine Stadt, die von der maurischen Architektur und dem andalusischen Flair lebt. Diesen erlebten M. und ich auf dem Plaza Espana und dem anliegenden Park María Luisa sowie in der gesamten Innenstadt mit dem Torre del Oro und der Kathedrale.

Vor unserem Trip hatte ich mich schon darauf vorbereitet, dass uns 40°C Grad erwarten sollten. Was wir jedoch lernten während der Tage in Sevilla und allgemein in Andalusien, war die Wichtigkeit der Siesta. M. und ich kamen uns vor, als würden wir aus der Reihe tanzten, wenn wir in der drückenden Mittagshitze durch die ausgestorbenen Gassen liefen. Selbst die Supermärkte hatten geschlossen und nur der eine oder andere kleine Straßenkiosk bot uns die Möglichkeit, etwas zu trinken zu kaufen. Die anderen Menschen hielten sich offensichtlich nach 13 Uhr im Haus auf und verließen es erst in den frühen Abendstunden wieder. Da war es kein Wunder, dass viele Restaurants erst um 20 Uhr öffneten. Selbst um diese Uhrzeit gehörten wir zu den frühen Gästen und staunten darüber, wie sehr sich die Innenstadt Sevillas beim Einbruch der Dunkelheit mit Menschen füllte.

Nach einigen Tagen passten wir uns etwas an und entspannten uns nach einem morgendlichen Streifzug durch die Stadt in unser Airbnb-Unterkunft, die mit dem höhergelegenen Schlafboden zwar sehr gemütlich war und uns zum ersten Mal auf unserer Reise eine eigene Küchenecke bot, jedoch etwas dunkel war. In dieser Zeit planten wir den Fortgang unserer Reise. Ein paar Stunden später gingen wir erneut hinaus, mit kühlen Getränken im Gepäck und mit einem Mittagessen gestärkt, und machten uns auf, Sevilla weiter zu erkunden.

Montserrat


Als Abschlusshighlight unserer ersten Woche in Barcelona stiegen M. und ich in den Zug, um etwa eine Stunde nach Montserrat zu fahren. Der Berg, der über 1.200 Meter hoch ist, liegt im Hinterland von 
Barcelona und ist vor allem für das Kloster bekannt, das sich auf dem Berg befindet. M. und ich fuhren von der Bahnstation aus ein Stück die Seilbahn den Berg hinauf bis zum Kloster, machten uns von dort aus jedoch auf den direkten Weg in die Natur. Das Gelände um das Kloster erinnerte mich an ein Dorf auf dem Berg, mit Hotels und Einkaufsmöglichkeiten, und gewissermaßen war es das ja auch.

Der Weg ging abwechselnd aufwärts und abwärts, wobei er uns wunderschöne Aussichten auf die Felsen boten, die den Berg prägten. An manchen Teilen des Weges fragten wir uns, ob das wirklich noch Weg sei. Teilweise mussten wir uns zwischen Felswänden durchzwängen oder schmale sowie steinige Wege laufen, die eher an einen Trampelpfad erinnerten als an einen Weg. Doch das machte die Tour für uns erst recht spannend. 

Die meisten Teile der Route hatten wir auch vollkommen für uns allein. Als wir fast einen der Gipfel erreicht hatten, begegneten wir einer kleinen Gruppe von Bergsteigern, die zusammen mit ihrem Bergführer an einem der runden Felsen, die auf der Spitze des Gebirges thronten, hinaufkletterten. Ich stellte mir vor, wie schwindelfrei sie dafür sein mussten. Für mich und M. war es bereits ein unglaubliches Gefühl, auf einem der höchsten Punkte Montserrats in über Tausend Meter Höhe zu stehen und uns den Wind um die Nase wehen zu lassen. Zu beiden Seiten ging es steil hinunter, was uns eine weite Aussicht auf die grünen Berge mit den hellgrauen Felsen dazwischen bescherte. 

Den Rückweg traten wir mit jede Menge farbenfrohen Aussichten auf unseren Handykameras und in unseren Köpfen, traten wir über die Straße zurück zum Kloster und Seilbahnstation über die Serpentinen an. Obgleich der Hinweg schöner gewesen war, freuten sich unsere Beine darüber, einen etwas ebeneren Weg zu laufen. Von der Seilbahn wurden wir wenig später steil ins Tal getragen und wir konnten uns während der Fahrt vor der Naturkulisse, vor der ich mich in der gelben Seilbahnkabine winzig klein vorkam, verabschieden.

Das Flair in Barcelona

 M. und ich konnten feststellen, dass es in Barcelona eine Vielfalt an veganen Restaurants und Cafés gab. Als wir durch die Straßen um die Sagrada Familia schlenderten, begegnete uns zufällig ein kleiner bunter veganer Imbiss, in dem wir dann einkehrten, um uns für unseren weiteren Stadtspaziergang zu stärken. Barcelona wimmelt zudem von schmucken Details und wenn es nur der Pont del Bisbe ist, die kleine gotische Brücke, die über dem Gehweg die Kathedrale mit anderen Gebäuden im gotischen Viertel verbindet und unter der wir zufällig sehr oft untendurch liefen. Oder die bunten Streetart-Details, die auf den altertümlichen Gebäuden immer mal wieder aufblitzten, wenn wir uns die Zeit nahmen, hinzuschauen. Langweilig wurde es uns so schnell nicht, Barcelona zu erkunden.

Insgesamt fiel uns auf, dass es in Barcelona sehr viele junge Leute gab und der Umgang untereinander sich sehr locker gestaltete. Katalanische und spanische Wortfetzen flogen um uns herum, die spanisches Lebensgefühl mit katalanischem verbanden, wenn wir in der Bahn saßen oder durch die Innenstadt liefen. In der Bahn sahen uns morgens viele freundliche Gesichter entgegen, Selbst mit Englisch kamen wir gut weiter, da sich in der Stadt Menschen aus aller Welt tummeln. Mir gefielen die warme Luft, die während unserer Zeit dort jedoch meistens sehr angenehm blieb, und nicht zuletzt die Palmen, die am Straßenrand alleenartig angepflanzt waren (habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Palmen liebe?). Als M. und ich wieder aus Barcelona zur Weiterreise nach Andalusien aufbrachen, hielten wir es für eine gute Entscheidung, für die letzten Tage unseres Interrailtrips noch einmal hierher zurückkehren und, da wir ohnehin in der Stadt umsteigen mussten, ein paar Tage zu bleiben.

Mittwoch, 1. September 2021

Parks in Barcelona


Gaudì hatte seine Spuren in Barcelona nicht nur in Form von Bauwerken hinterlassen, sondern auch innerhalb des Parks Güell. Ich frage mich bis heute, ob ich den Namen des Parks richtig ausspreche: Guej oder doch anders? Dieser von Gaudí entworfene Park lag nahe unseres Hotels auf dem Berg, sodass wir noch ein paar Straßen, die hier abwechselnd auf- und abwärts gingen, bewältigen mussten. Dies taten wir in der Morgensonne, da ich innerhalb sozialer Medien mehrfach den Tipp nachgelesen hatte, zwischen sechs und acht Uhr morgens sei der Eintritt frei. Für Morgenmuffel mag das wie ein Alptraum klingen, doch wir freuten uns auf einen wahrscheinlich sehr menschenleeren Park, den wir in der aufgehenden Sonne fast für uns allein hatten, wofür wir das frühe Aufstehen gern in Kauf nahmen.

Manche Parkeingänge waren geschlossen, sodass wir den Park zunächst ein Stück umrunden mussten, bevor wir einen Eingang fanden, in den wir hineingelangen. Ein Parkwächter war bisweilen nicht zu sehen, offenbar war es dazu noch zu früh. Als wir durch den mit Palmen gesäumten und mit Hibiskus bepflanzten Park durchliefen und zwischen Steinsäulen, die wirkten, als würden sie sich in einem Dschungelabenteuer befinden, war ich ziemlich begeistert. Kurz darauf steuerten wir auf die mit Mosaiken verzierte Aussichtsplattform zu, von der aus wir einen Blick auf die Stadt am Fuß des Berges hatten, die gerade ins Licht der Morgensonne gehüllt war. Ich zückte bereits mein Handy, um die Kulisse darauf festzuhalten, doch dazu kam ich leider nicht, weil in dem Moment ein Parkwächter auf uns zugestürmt kam und fragte, ob wir ein Ticket hätten. Das hatten wir natürlich nicht, weil wir den Empfehlungen gefolgt waren, denen zufolge der Eintritt vor acht Uhr frei sei. Die Information stellte sich als veraltet heraus, als uns der Parkwächter zum Ausgang geleitete und uns zum Gehen aufforderte. Wir liefen den Berg daraufhin noch ein weiteres Stück hoch, bis zu den Carmel Bunkers, wo sich mit Graffiti besprayte Mauern befinden und jede Menge leere Flaschen darauf hinweisen, dass junge Leute die Abende mit Blick auf die Stadt im Tal abfeiern. Wir sahen einige Leute, die an dem Morgen dort mit Kopfhörern in Ohren Sport trieben oder sich entspannten.

Da ich M. und ich nur wenig von dem Park Güell gesehen hatten, kamen wir am nächsten Morgen nach acht Uhr wieder und besorgten uns diesmal am Eingang ein Ticket. Nun konnten wir in aller Ruhe durch den Park schlendern und dabei sogar ein paar grüne Papageien beobachten- diese begegneten uns in Europa an erstaunlich vielen Ecken.

Einige Tage später besuchten wir das Labyrinth del Hortas, ein aus Hecken errichteter Irrgarten, in dem wir uns neben einer Schulklasse absichtlich etwas verliefen, und das eher an einen Schlossgarten mit seinen gestutzten Hecken und geraden Linien erinnerte. Insgesamt sagte mir Gaudís Stil fernab der Norm wesentlich mehr zu.

Gaudí, gotische Archiktektur und das Camp Nou

Fußballfans wissen sofort Bescheid, wenn ich das Camp Nou erwähne: In dem Fußballstadion des FC Barcelona werden Besichtigungen angeboten, bei denen die zahlreichen Pokale bestaunt werden können und zwischen den Sitzreihen des leeren Stadions umherspaziert werden kann. Genau das stand auf M.'s Liste der Must-Dos in Barcelona, weshalb wir einen Vormittag hinfuhren. Die Orangenbäume am Wegesrand gaben mir das Gefühl, endgültig im Süden, in einer anderen klimatischen Zone, gelandet zu sein.

Bei unserem Rundgang konnten wir das Museum des FC Barcelonas mit zahlreichen Ausstellungen zu prächtigen Pokalen, goldenen Fußballschuhen, Fotoleinwänden zu eindrucksvollen Momenten auf dem Fußballrasen und weiteren Dingen, die das Fußballfanherz begehrt bestaunen. Der Rundgang führte uns unter anderem noch in die Zuschauerreihen des Stadions, in den Presseraum und die Umkleidekabine der Fußballer. Ich kann nun sagen, es ist schon ein beeindruckendes Gefühl, in dem größten Stadion Europas zu stehen, selbst, wenn die Plätze alle leer sind, und sich vorzustellen, wie mehrere Tausend Menschen mit dem Geschehen auf dem Platz mitfiebern. Dort schossen wir einige Fotos und zogen diese am Ende unseres Rundgangs auch den Fotomontagen von den Besucher*innen mit dem Stadion im Hintergrund vor, die dort gekauft werden können.

Am Nachmittag des gleichen Tages gelangten wir zur Sagrada Familia, der gotischen Familienkirche in Barcelona, die von dem exzentrischen Künstler Gaudí entworfen wurde. Aus hellem Sandstein erbaut und fantasievoll verziert, wirkte sie alles andere als traditionell und altertümlich. Auf dem Platz davor war ich zehn Jahre zuvor als fünfzehnjähriger Teenager auf Klassenfahrt schon gewesen, hatte die Umgebung jedoch kaum noch in Erinnerung. Insgesamt sollte ich Barcelona auf dieser Reise viel eindrucksvoller erleben als auf der vorherigen, von der mir hauptsächlich eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus und der Anblick der Sagrada Familia im Kopf geblieben waren. 
Diesmal stiegen M. und ich aus dem Metroschacht, sahen die Kirche vor uns und umrundeten sie, um in dem dahinter liegenden Park etwas zu verweilen. Die Baukräne sind in den letzten Jahren immer noch nicht von den Kirchentürmen gewichen- und die Fertigstellung wird sich durch die Coronapandemie noch weiter verzögern.

Von dem Künstler Gaudí, der ein großer Freund von schwingenden Linien war, entdeckten wir in dieser Stadt einiges, auch mitten im Stadtgeschehen. Manchmal fingen einige Gebäude, die in ihrer ungewöhnlichen, kreativen Architektur zwischen den umliegenden herausstachen, unseren Blick auf. Zum Beispiel liegen Casa Battló und Casa Mila mitten in einer Einkaufsstraße. An dem Haus mit den Balkonen, die M. an venezianische Masken erinnerten, fand ich sofort Gefallen. 

Donnerstag, 5. August 2021

Hola Barcelona!



Je näher wir Spanien mit dem Zug kamen, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Statt grünen Wiesen mit Windrädern sahen wir irgendwann Häuser aus hellem Stein und die ersten Palmen, die sich in der Abendsonne wiegten. Als dann Berge vor unserer Zugstrecke aufragten und der Zug durch einen Tunnel nach dem anderen sauste, wussten wir, dass Barcelona nicht mehr weit war.

Nachdem wir einige Zeit später aus dem Schacht der Metrostation nahe unseres Hotels ausstiegen und unser Gepäck ein Stück den Berg hinaufwuchteten, begrüßte uns die Stadt in der Dunkelheit mit Feuerwerk hinter den Häusern. "Extra für dich", scherzte ich gegenüber M., als wir beide in den Nachthimmel blickten. In der Nebenstraße wurde musiziert, wo sich offenbar auch die Nachbarschaft etwas versammelt hatte. Die Luft war noch wärmer als in Paris. Ich bekam einen ersten Eindruck von den Straßen am Berghang, die abwechselnd hinauf und wieder hinab führten. Wenn wir die Tage danach zu Supermärkten nahe des Hotels liefen, wurde manchmal beinahe eine sportliche Angelegenheit daraus.

Das Hotel entpuppte sich als ziemlicher Glücksgriff, da wir durch die Fensterfront in unserem Zimmer über die Stadt zu unseren Füßen blicken konnten und eine tolle Aussicht auf den Tibidabo, einer der Hausberge Barcelonas, besaßen. Auf der Spitze des Berges ließ sich das angeleuchtete Tibidao Castell mit der Jesus-Statue auf dem Dach erkennen sowie das Riesenrad des Freizeitparks dort. Es gab zudem einen kleinen Infinity Pool auf dem Dach des Hotels, aus dem M. und ich in den folgenden Tagen und auch bei unserem erneuten Aufenthalt am Ende der Reise diese Aussicht zelebrieren sollten. 

Mittwoch, 4. August 2021

Paris

Unsere erste Etappe auf der Reise war Paris. Wir kamen spät abends an und waren beeindruckt von der Metro, in die wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft stiegen. Sie donnerte durch den Pariser Untergrund und ließ die Türen an jeder Station nur wenige Sekunden offen, bevor sie sie wieder schloss. Als wir abends durch die Gassen liefen, kam es uns vor, als würde die ganze Stadt zu später Stunde in Partylaune sein. An den Ufern der Seine wurde musiziert und Menschen tanzten, obwohl es nicht Wochenende, sondern ein Wochentag war. M. und ich überlegten, ob es eine Nachwirkung der Corona-Einschränkungen sei, dass die Menschen nun wieder eine unglaubliche Lust besaßen, lange draußen zu sein und zusammen den Abend ausklingen zu lassen.

Unser Abend in Paris wurde viel länger als geplant, sodass wir die Seine entlang und an der Notre-Dame letztendlich bis zum Eiffelturm liefen. So konnten wir auch einen Blick auf den im Dunkeln golden glitzernden Eiffelturm erhaschen. Beim Näherkommen an den Eiffelturm stellten wir fest, dass er von einem Schutzwall umgeben war, der fest installiert war. Die Wiese unter dem Eiffelturm, über die ich die vergangenen Male gelaufen war, war nun nicht mehr vorhanden. Daher betrachteten M. und ich das Bauwerk lieber aus ein wenig Entfernung. Bei der Notre-Dame erging es uns ähnlich, auch die bekannte Kirche war umgeben von einem Wall, sodass nur ein Stück aus der Entfernung von ihr zu sehen war. Es wirkte, als würden sich in Paris zurzeit viele Baustellen befinden. Wir waren so lange unterwegs, dass wir noch das letzte Funkeln des Eiffelturms für diese Nacht mitbekamen, als wir uns auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft befanden. 

Insgesamt fiel mir an diesem Abend auf, dass die Gassen Paris nicht mehr so gepflegt wie in meiner Erinnerung waren, und es offensichtlich keine Seltenheit war, dass die Menschen an die Hauswände urinierten. In Paris war ich schon einige Male in meinem Leben gewesen. Und jedes Mal hatte ich einen anderen Eindruck davon. Wenn wir zu einem Ort zurückkehren, an dem wir schon waren, hat es immer etwas mit der Jahreszeit, der aktuellen Situation und unserer individuellen Perspektive zu tun, wie wir den Ort wahrnehmen. Als Kind wirkte die Stadt auf mich laut und aufregend, später lernte ich sie durch die märchenhafte Brille Disneylands kennen  und ansonsten hatte ich es, besonders im Frühling, sehr charmant in Erinnerung. Diese Nacht zeigte sich Paris mir von seiner großstädtischen und unperfekten Seite und doch empfanden wir es als aufregenden Auftakt am ersten Abend unserer Reise zur Einstimmung auf den Monat, der vor uns lag, nachdem wir mehrere Stunden mit dem Zug aus dem deutschen Norden hierhergelangt waren.

Am Tag schlenderten M. und ich über den Montmartre, wo wir einige Maler*innen und Künstler*innen auffinden konnten, und blickten auf der Aussichtsplattform vor der hübschen weißen Kirche Sacre Coeur über die Stadt. Zu Fuß liefen wir den Hügel wieder hinunter und statteten dem Arc de Triomphe, dem Triumphbogen einen Besuch ab. Um ihn herum befindet sich ein Kreisel, in den mehrere Straßen münden, und dementsprechend ist der Verkehr dort ein Spektakel für sich- hupende Autos und Rollerfahrer*innen düsen hier in hoher Geschwindigkeit vorbei, was etwas chaotisch aussieht.

Neben diesen typischen Sehenswürdigkeiten, die nahezu kein*e Paris-Urlauber*in auslassen wird, besuchten M. und ich die Freiheitsstatue in Paris. Wer jetzt an New York denkt (über die Freiheitsstaue dort habe ich auch vor zwei Jahren geschrieben), liegt damit gar nicht so falsch, denn diese war ursprünglich auch ein Geschenk Frankreichs. Die kleine Schwester der großen Freiheitsstatue, die bei Weitem nicht so bekannt ist, verbirgt sich hinter einem Spazierweg in einem Park, der von der Seine umgeben ist. Wer einmal eine Freiheitsstatue sehen möchte, muss demnach gar nicht so weit reisen. 

Am Folgetag brachen M. und ich zu dem Bahnhof Gare du Lyon auf, um in den Zug nach Spanien zu steigen. Gare du Lyon ist ein nostalgischer Bahnhof, dessen Turm mit der großen Uhr und die hellen Farben ein wirklich schöner Anblick ist. Wir waren bereit für Barcelona, unser nächstes Ziel.

Sonntag, 1. August 2021

Interrail durch Spanien

Nach langer Zeit im Lockdown und dem Abschluss meines Studiums entwickelte sich bei meinem Freund M. und mir der Plan, einmal mit einem Interrail-Ticket zu verreisen. Dieses Ticket ermöglicht jungen Menschen in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Anzahl von Reisetagen mit Fernzügen durch Europa zu reisen. Da wir beide aus ökologischen Gründen das Fliegen meiden, insbesondere auf Strecken innerhalb Europas, gehörten Züge ohnehin zu unseren liebsten Fortbewegungsmitteln.

Nachdem die Coronaregelungen es mit dem aufkommenden Sommer wieder zuließen, entschieden wir uns für den Juli als Monat, in dem wir unsere Reise durch Spanien machen wollten. Zahlreiche Pläne und Planänderungen später (Portugal fiel kurz vor Beginn der Reise wieder raus, nachdem sich die Coronazahlen dort wieder negativ entwickelten) packten wir Koffer und Backpackerrucksack. Beim Bahnhof hatten wir die Zugreservierungen vorgenommen, die in Ländern wie Spanien und Frankreich vonnöten sind und in den Gesamtkosten für die Interrailreise mit beachtet werden müssen.

An einem regnerischen Morgen stiegen wir in die U-Bahn unserer Heimatstadt, einen negativen PCR-Test im Gepäck, und freuten uns auf einen Monat voller Abenteuer, Sonnenschein und neuer Eindrücke in der Ferne. Ich verspürte wieder das Kribbeln im Bauch und die Vorfreude darauf, mit M. nun eine längere Reise anzutreten.

In meiner Jugend war ich schon öfters in Spanien gewesen, jedoch meistens in den Inselregionen, wie Mallorca und den Kanarischen Inseln. Diesmal sollte ich als Zugreisende noch viel intensiver und näher kennen lernen. In den nächsten Blogbeiträgen möchte ich euch auf diese Reise mitnehmen, liebe Leser*innen, die für uns einige Überraschungen bereithalten sollte.