Wie ich im Nachhinein sagen kann, hat Marrakesch mich wirklich fasziniert und bezaubert. Mahi Binebine, den ich vor der Reise zitiert habe, hatte Recht: Marrakesch ist eine Stadt der Kontraste, modern und traditionell zugleich. Eine Stadt wie diese habe ich tatsächlich anderswo noch nicht in dieser Form erlebt. Es gibt Oasen wie die Gärten in der Stadt und es gibt anderswo ein Gewusel, das einen anstrengen kann und zugleich faszinierend sein kann, mit den vielen Händlern, den Gewürzen, aufdringlichen Menschen, die einem etwas verkaufen wollen, und zugleich ungemein gastfreundlichen Menschen.
Der Reiseführer, in dessen Büro wir die Tagestour zu den Ouzoud-Wasserfällen buchten, lud uns danach auf einen Pfefferminztee auf seinem Balkon ein und unterhielt sich dort ein wenig mit uns. Das ist hier die Sitte, sobald man ein Geschäft abgeschlossen hat, in dem Fall die Tagestour. J. und ich hatten zuvor ohnehin überlegt, uns irgendwohin noch hineinzusetzen, um Minztee zu trinken, deshalb freuten wir uns sehr über das Angebot.
Von dem Reiseführer, der uns unterwegs ansprach und danach ein Gespräch mit uns im angenehmen Schatten der Koutoubia Moschee anfing, gab uns noch einige Tipps und riet uns, uns nicht von Taxifahrern übers Ohr hauen zu lassen. Ratschläge von Einheimischen höre ich mir meistens am liebsten an. J. und ich schlugen dann auch tatsächlich gute Preise bei den Taxifahrern und anderen Dingen heraus, dank ihres Verhandlungsgeschicks.
Die warmen Farben Marrakeschs waren für mich eine schöne Abwechslung zu dem grauen Beton, den ich in vielen anderen Städten gesehen hatte. Die Stadt stand schon länger auf meiner Liste und ich bin J. dankbar, dass sie eingewilligt hat, mit mir dorthin zu reisen. Nun weiß ich, wie viele unterschiedliche Seiten Marrakesch zu bieten hat, die mich zum Teil sehr beeindruckt haben.
Montag, 20. August 2018
Marrakesch für Anfänger
2. Die Stadt bietet etwas für alle Sinne. An den schönen Häusern und Gärten, die kunstvoll und mit Liebe fürs Detail verziert waren, konnten J. und ich uns kaum satt sehen. Nicht umsonst nennt sich Marrakesch "die rote Stadt". Der Jardin de Majorelle ist zudem für seine indigoblauen Elemente bekannt. Auch der Menara Garten mit einem großen Wasserbecken in der Mitte ist auf einem Spaziergang durch die Stadt sehenswert.
3. Die Koutoubia Moschee, die größte Moschee der Stadt, ist wirklich ein Hingucker und war zudem eine gute Orientierung, wenn wir kurz davor waren, uns in den Souks zu verlaufen. Als Nicht-Moslem darf man sie allerdings nicht betreten.
4. Mit Taxifahrern und Straßenhändlern sollte man immer feilschen, denn sie bieten Touristen ihre Dienstleistungen völlig überteuert an, auch wenn uns die Preise immer noch nicht teuer vorkommen. Marrokkanische Dirham sind weniger wert als Euro.
5. Der Verkehr in Marrokko ist gewöhnungsbedürftig, wenn man es aus Deutschland kennt, dass die Autos immer vor roten Ampeln Halt machen. Als Fußgänger muss man sich manchmal regelrecht durch den Verkehr schlängeln.
6. Die Menschen sind entspannt. So entspannt, dass man bei der Kasse im Supermarkt auch mal zehn Minuten wartet, während zwei Leute vor einem dran sind. Als Tourist/in hilft es auch sehr, sich ebenso zu entspannen.
7. Ein Hennatattoo kann ein hübsches Andenken an die Zeit in Marrakesch sein. Ganz unabhängig davon, ob man sich Glück in der Liebe wünscht oder nicht.
8. Ausflüge in die Natur um die Stadt lohnen sich absolut, wie zum Beispiel unsere Tour zu den Ouzoud-Wasserfällen. Eine Reisetour lässt sich an fast jeder Ecke in Marrakesch buchen und feilschen kann man dabei auch noch (was J. erfolgreich getan hat).
9. Für mich war es ein Highlight, auf einer Dachterrasse mit Blick auf den Djaama el Fna einen Minztee zu trinken und dabei über Gott und die Welt zu plauschen, während die Sonne glutrot hinter den Häusern verschwindet und nach und nach die Lichter an den Händlerständen angehen. Ich könnte Stunden dort sitzen und Marrakesch betrachten.
Vegan in Marrakesch
Wie steht es mit veganer Ernährung in einer Stadt wie Marrakesch, mögen einige von Euch jetzt fragen. In unserem Hotel gab es Halbpension, das heißt, Frühstück und Abendessen bekamen wir dort jeden Tag. Das Frühstück war alles andere als typisch marrokkanisch, mit überzuckert aussehenden Croissants und Kuchen, wenn man mal von der salzigen Hirsesuppe in einem Topf absah. Ich spähte in den Topf inmitten des Frühstücksbuffets und versuchte, herauszufinden, ob es Porridge sein sollte, und wenn ja, ob er mit Kuhmilch gemacht wurde. "That's soup", erläuterte mir der Kellner auf meine Nachfrage, und die sei nur mit Wasser gekocht. Dass der Hirsebrei tatsächlich als Suppe verstanden wurde, begriff ich, nachdem ich den salzigen Geschmack auf der Zunge schmeckte.
Von nun an kippte ich immer Marmelade oder Rote Grütze mit hinein.
Unterwegs machten J. und ich einen Supermarkt ausfindig, in einer extrem modernen Straße, in der ich fast ein wenig über den hiesigen H&M schockiert war (für mich passte der überhaupt nicht in die Atmosphäre dieser Stadt, doch muss ich bedenken, wie modern Marrakesch an gewissen Ecken wieder sein kann). Die Stadt ist voller Kontraste, das lernte ich hier. In dem Supermarkt besorgten wir uns ein wenig Obst. Bei unserem ersten Besuch auf dem Djaama el Fna probierten wir auch einen Orangensaft, der wirklich extrem lecker schmeckte (viel besser als im Hotel beim Frühstück).
Das Abendessen wurde auf unseren Wunsch hin für uns vegan vorbereitet, nach einiger Verständigung mit dem Kellner am ersten Abend, und damit waren wir meistens zufrieden. Es gab Gurken- und Tomatensalat mit Zwiebeln für mich, Reis mit Rosinen, gekochtes Gemüse und geröstete Kartoffelscheiben mit Soße. Die Gewürze schmeckten manchmal sehr ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Damit war ich gut versorgt. Mein Highlight zum Nachttisch waren Wassermelonen, sodass ich einen Abend fast enttäuscht war, als der Kellner uns Schokopudding (mit Sahne, Milch, vielleicht sogar Gelatine) servieren wollte.
Das beste Essen genossen wir bei unserer Tagestour in einem Restaurant auf einer Terasse auf einem Felsen im Gebirge, mit Blick auf die Ouzoud-Wasserfälle. Meinen Lieblingsnachtisch in diesem Land - saftige Wassermelonenscheiben- gab es auch hier. Für die anderen gab es keine Tajine, sondern einfach nur Fleischspieße als Hauptgang. "Wir hatten definitiv das bessere Essen", sagte ich zu J. Als wir später die Gerippe der Ziegen beim Kochstand des Restaurants sahen, an denen noch die vollständigen Köpfe der Tiere hingen, waren wir leicht schockiert und empfanden Mitleid (in Deutschland, wo es so was in noch viel größeren Mengen gibt, werden solche Anblicke bewusst von der Öffentlichkeit ferngehalten). Umso überzeugter waren wir nun von dem leckeren, veganen Essen, das wir essen durften.
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Von nun an kippte ich immer Marmelade oder Rote Grütze mit hinein.
Unterwegs machten J. und ich einen Supermarkt ausfindig, in einer extrem modernen Straße, in der ich fast ein wenig über den hiesigen H&M schockiert war (für mich passte der überhaupt nicht in die Atmosphäre dieser Stadt, doch muss ich bedenken, wie modern Marrakesch an gewissen Ecken wieder sein kann). Die Stadt ist voller Kontraste, das lernte ich hier. In dem Supermarkt besorgten wir uns ein wenig Obst. Bei unserem ersten Besuch auf dem Djaama el Fna probierten wir auch einen Orangensaft, der wirklich extrem lecker schmeckte (viel besser als im Hotel beim Frühstück).
Das Abendessen wurde auf unseren Wunsch hin für uns vegan vorbereitet, nach einiger Verständigung mit dem Kellner am ersten Abend, und damit waren wir meistens zufrieden. Es gab Gurken- und Tomatensalat mit Zwiebeln für mich, Reis mit Rosinen, gekochtes Gemüse und geröstete Kartoffelscheiben mit Soße. Die Gewürze schmeckten manchmal sehr ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Damit war ich gut versorgt. Mein Highlight zum Nachttisch waren Wassermelonen, sodass ich einen Abend fast enttäuscht war, als der Kellner uns Schokopudding (mit Sahne, Milch, vielleicht sogar Gelatine) servieren wollte. Das beste Essen genossen wir bei unserer Tagestour in einem Restaurant auf einer Terasse auf einem Felsen im Gebirge, mit Blick auf die Ouzoud-Wasserfälle. Meinen Lieblingsnachtisch in diesem Land - saftige Wassermelonenscheiben- gab es auch hier. Für die anderen gab es keine Tajine, sondern einfach nur Fleischspieße als Hauptgang. "Wir hatten definitiv das bessere Essen", sagte ich zu J. Als wir später die Gerippe der Ziegen beim Kochstand des Restaurants sahen, an denen noch die vollständigen Köpfe der Tiere hingen, waren wir leicht schockiert und empfanden Mitleid (in Deutschland, wo es so was in noch viel größeren Mengen gibt, werden solche Anblicke bewusst von der Öffentlichkeit ferngehalten). Umso überzeugter waren wir nun von dem leckeren, veganen Essen, das wir essen durften.
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Die Wasserfälle von Ouzoud
J. und ich saßen ganz vorne im Reisebus, voller Erwartungsfreude, neben dem Fahrer, während die Landschaft neben der Landstraße an uns vorüberzog. Überall sahen wir silbergrüne Olivenbäume, Ziegen, winkende Kinder und danach sehr viel Gebirge. Mit weiteren Touristen aus Brasilien, Spanien und England strebten wir heute ein Ziel an, für das wir um acht Uhr morgens das Hotel verlassen hatten: Die Wasserfälle von Ouzoud.Über zwei Stunden kurvten wir durch die Landstraßen Marrokkos und durch das Atlasgebirge. Allein der Anblick der bergigen Landschaft faszinierte mich.
In den nächsten Stunden führte uns M., der Tourguide, zu Fuß durch das Gebirge. Unterwegs trafen wir auf eine weitere Reisegruppe und einige Affen, die sich dort versammelt hatten, voller Erwartung auf Futter. Ich war begeistert beim Anblick der Tiere und zückte direkt mein Smartphone. Aus ihren fast menschlich wirkenden Augen blinzelten die Primaten uns an. J. und ich bekamen jeweils eine Erdnuss in die Hand gedrückt. Die Affen, sicherlich schon gut genährt durch den Touristenandrang, fackelten nicht lange und griffen mit ihren Händen nach der Nuss.
Bei einer zwischenzeitlichen Rast bekamen wir die Gelegenheit, in einer Lagune in kristallklarem Wasser zu baden, inmitten der Felsen. Das war genau meins. Als J. und ich im Wasser saßen und ich die Libellen beobachtete sowie die Felsenspringer aus unserer Truppe, die sich von einem Felsvorsprung ins Wasser stürzten, war ich höchstzufrieden. Da störte es auch gar nicht, dass meine Haare durch einen besonders gewagten Sprung triefend nass wurden. "Es ist schöner als die Ostsee", sagte J. zu mir. Und das will etwas heißen bei ihr.Nach ausgiebigem Plantschen und weiterem Fußmarsch erreichten wir sie: Die Ouzoud-Wasserfälle. In aller Größe erstreckten sie sich vor uns und ergossen sich tosend in das Tal vor uns. Keine Postkarte und kein Foto, das ich geschossen habe, reicht an diesen Blick heran. Nun wussten J. und ich, dass sich der Weg gelohnt hatte. Mohammed führte uns ins Tal, zum Fuß des Wasserfalls. Bei einer Bootstour kamen wir den rauschenden Wassermassen besonders nahe, als der Bootsmann dicht heranruderte. Ein Sprühregen aus der Richtung des Wasserfalls legte sich auf mein Gesicht und meine Arme- es war einfach nur beeindruckend.
Im Tal tummelten sich viele Menschen, sowohl Touristen als auch Einheimische. Viele schwammen in dem Naturpool vor dem Wasserfall oder sprangen in unterschiedlichsten Schrauben von Felsvorsprüngen.
Beim Mittagessen, bei uns vegetarische Tajine (Kartoffeln und Gemüse in einer öligen Soße) genossen J. und ich die paradiesische Atmosphäre des Tals.M. erklomm mit uns weiter den Berg, als wir satt waren, und zeigte uns den Wasserfall aus unterschiedlichsten Perspektiven. Ich empfand ihn aus allen Höhen als imposant, ebenso die Aussicht auf die weitläufigen Berge des Atlas-Gebirges.
Henna als Andenken
Am vorletzten Abend beschloss ich, mir ein Hennatattoo als Andenken
machen zu lassen. Ich entschied mich spontan dafür, als J. und ich auf dem Djaama el Fna herumschlenderten.Hennatattoos fand ich schon immer wunderschön, deshalb erinnert die Farbe meines Sonnentattoos auf meinem Oberarm auch an eine Hennabemalung. In Marrakesch bekam ich die Gelegenheit, meine linke Hand verzieren zu lassen.
Wir handelten den Preis bei der Hennamalerin auf vierzig Dirham
herunter und ich bestand darauf, orange Hennapaste zu nehmen statt der
schwarzen, in der gewöhnlich Giftstoffe enthalten sind. Einheimische hatten uns bereits verraten, dass für Touristen die Preise für die Hennabemalung übertrieben hochgeschraubt werden (wie viele der Preise hier, wenn es um Touristen geht). So wurde gefeilscht, was das Zeug hielt, und wir einigten uns, bevor ich den Stand verlassen konnte.Die Hennamalerin schaute uns aus ihren schönen Augen an, das einzige, was wir von ihrem Gesicht sahen, umhüllt von einer Burka, und machte sich ans Werk. Sie mache das seit dreißig Jahren, berichtete sie, und streute mir noch eine gründliche Portion Glitzer auf das gemalte Muster. Die Erde sollte ich drei Stunden später abwaschen.
Auch J. beschloss danach, ihre linke Hand als Andenken für zuhause verzieren zu lassen, nachdem sie noch ein wenig in dem Heft mit den angebotenen Motiven geblättert hatte. Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden. Zwei Wochen sollte die Farbe halten, also hatten wir noch einige Tage etwas davon. Die Frau teilte uns mit, dass die Verzierungen Glück in der Liebe bringen sollten. So einen Nebeneffekt zu einer schönen Bemalung kann ich nur gut heißen
Djaama el Fna
Der Djaama el Fna ist der beliebteste und bekannteste Platz von Nordafrika, lese ich im Reiseführer. Früher war er der Platz der Gehängten, wo über Schwerstverbrecher gerichtet wurde, heute ist es der Platz der Gaukler. Zu Recht, denn wir konnten am späten Abend einige Artisten beobachten, die Saltos und Handstand präsentieren, umringt von einem Kreis aus Schaulustigen.
Ich war ganz aus dem Häuschen, auch hier im entfernten Orient mein Hobby von zuhause, Artistik, erleben zu können.
Als J. und ich über den Platz schlenderten, konnten wir Trommler entdecken, Märchenerzähler, die bei einer orientalischen Lampe im Schneidersitz Geschichten erzählten, und Schlangenbeschwörer. An allen Seiten priesen Händler ihre Ware an und versuchten, uns von dem Kauf zu überzeugen. Souvenirs und ein paar Postkarten hatten wir jedoch bereits. Sie riefen noch lange hinter uns her, während wir uns den Weg durch das Gewusel bahnten. Ich liebte es, vor allem um diese Zeit. J. und ich hatten vorsorglich ein Taxi genommen, um abends hier sein zu können.
Die meisten Schlangenbeschwörer hatten wir schon bei Tag gesehen, am Anfang unseres Urlaubs. Da gab es Anacondas, die zusammengerollt neben den Beschwörern lag, und schwarze Kobras mit aufgestelltem Nackenschild. Die Händler winkten uns heran, in der Hoffnung, dass wir ein Foto mit den Schlangen machten, gegen einige Dirham. Grundsätzlich finde ich es sehr faszinierend, mich mit Schlangen zu beschäftigen, sie anzufangen oder sie mir um den Hals zu legen. Dazu war ich bereits in Singapur gekommen, als ich mir während meiner Asienreise eine Anaconda um den Hals gelegt hatte. Doch über die Tiere auf dem Djaama el Fna hatte ich zu viele unschöne Geschichten gehört, nach denen die Tiere nicht gut behandelt und zuviel Stress ausgesetzt werden. J. und ich hatten nicht vor, das zu unterstützen, deshalb erblickten wir die Schlangen nur aus der Ferne. Auch an den Ständen mit angeketteten Affen gingen wir schleunigst vorbei.

Wir hatten den Tipp bekommen, uns in der Dämmerung auf eine der Dachterrassen rund um den Platz der Gaukler zu setzen und mitzuerleben, wie die Sonne untergeht und sich der Djaama el Fna immer mehr mit Menschen füllt, sowohl mit Einheimischen als auch Touristen. Deshalb suchten J. und ich uns eine Dachterrasse, auf der noch vergleichsweise wenig los war, und bestellten uns einen Minztee. Dieser wurde uns in orientalisch verzierten Teekannen serviert, ganz passend zu der Umgebung. Hinter der Koutoubia-Moschee ging dann mit der Zeit die Sonne unter, während J. und ich plauderten und das Gewusel auf dem Platz beobachteten.
Am Himmel flog eine Schar schwarzer Vögel entlang und erinnerte von der Anordnung an eine Schlange. Bei Einbruch der Dunkelheit gingen nach und nach die Lichter auf dem Platz an und die Atmosphäre wirkte märchenhaft auf mich.
Ich war ganz aus dem Häuschen, auch hier im entfernten Orient mein Hobby von zuhause, Artistik, erleben zu können.
Als J. und ich über den Platz schlenderten, konnten wir Trommler entdecken, Märchenerzähler, die bei einer orientalischen Lampe im Schneidersitz Geschichten erzählten, und Schlangenbeschwörer. An allen Seiten priesen Händler ihre Ware an und versuchten, uns von dem Kauf zu überzeugen. Souvenirs und ein paar Postkarten hatten wir jedoch bereits. Sie riefen noch lange hinter uns her, während wir uns den Weg durch das Gewusel bahnten. Ich liebte es, vor allem um diese Zeit. J. und ich hatten vorsorglich ein Taxi genommen, um abends hier sein zu können.
Die meisten Schlangenbeschwörer hatten wir schon bei Tag gesehen, am Anfang unseres Urlaubs. Da gab es Anacondas, die zusammengerollt neben den Beschwörern lag, und schwarze Kobras mit aufgestelltem Nackenschild. Die Händler winkten uns heran, in der Hoffnung, dass wir ein Foto mit den Schlangen machten, gegen einige Dirham. Grundsätzlich finde ich es sehr faszinierend, mich mit Schlangen zu beschäftigen, sie anzufangen oder sie mir um den Hals zu legen. Dazu war ich bereits in Singapur gekommen, als ich mir während meiner Asienreise eine Anaconda um den Hals gelegt hatte. Doch über die Tiere auf dem Djaama el Fna hatte ich zu viele unschöne Geschichten gehört, nach denen die Tiere nicht gut behandelt und zuviel Stress ausgesetzt werden. J. und ich hatten nicht vor, das zu unterstützen, deshalb erblickten wir die Schlangen nur aus der Ferne. Auch an den Ständen mit angeketteten Affen gingen wir schleunigst vorbei.

Wir hatten den Tipp bekommen, uns in der Dämmerung auf eine der Dachterrassen rund um den Platz der Gaukler zu setzen und mitzuerleben, wie die Sonne untergeht und sich der Djaama el Fna immer mehr mit Menschen füllt, sowohl mit Einheimischen als auch Touristen. Deshalb suchten J. und ich uns eine Dachterrasse, auf der noch vergleichsweise wenig los war, und bestellten uns einen Minztee. Dieser wurde uns in orientalisch verzierten Teekannen serviert, ganz passend zu der Umgebung. Hinter der Koutoubia-Moschee ging dann mit der Zeit die Sonne unter, während J. und ich plauderten und das Gewusel auf dem Platz beobachteten.
Am Himmel flog eine Schar schwarzer Vögel entlang und erinnerte von der Anordnung an eine Schlange. Bei Einbruch der Dunkelheit gingen nach und nach die Lichter auf dem Platz an und die Atmosphäre wirkte märchenhaft auf mich.
Sonntag, 19. August 2018
Jardin de Majorelle
Marrakesch ist für seine Gärten bekannt, in denen tropische Gewächse zuhause sind. J. und ich brachen schon nach dem Frühstück auf.
Um meine Haare zu schützen, band ich mir ein Tuch um die Haare. In der heißen Sonne gingen wir wieder durch die zahlreichen Gassen und Straßen der Stadt, in denen ich wie so oft gar nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte bei all den Farben, Gewächsen und dem lebhaften Straßenverkehr.
Le Jardin de Majorelle ist eine französische Ruheoase im bunten Treiben Marrakeschs. Vor allem für Touristen, wie ich feststellen konnte, überall hörten wir Gesprächsfetzen auf Spanisch, Französisch oder Englisch, zwischen hochgewachsenen Kakteen, Farnen und Bambus. Auch Familien mit Kindern waren hier, sogar auch T., der Fluggast, den ich gebeten hatte, mit J. den Platz zu tauschen. Wir nutzten die Zeit, um kurz über unsere Marrakesch-Erlebnisse zu plaudern und Tipps auszutauschen.
Inmitten der Bäume, Teiche und tropischen Gewächse auf der Fläche von etwa viertausend Quadratmetern befanden sich ein kobaltblaues Häuschen sowie weitere bunt bemalte Elemente wie Tontöpfe und Pavillons. Besonders stechen das kräftige Blau und intensive Gelb heraus.
Benannt ist der Garten nach dem französischen Maler Jacques Majorelle, der ihn 1923 anlegte, mit tropischen Gewächsen, die er überall auf der Welt ausfindig gemacht hatte. Während Majorelles Kunst inzwischen nicht mehr in aller Munde ist, ist sein Garten eine beliebte Attraktion bis heute, aufgekauft und restauriert von Yves Saint Laurent.
Das Blau, das J. und ich dort entdecken konnten, nennt sich auch Majorelle-Blau, benannt nach seinem Schöpfer.
Wir flanierten zwischen Palmen, Brunnen, Pavillons und Kakteen in den erstaunlichsten Formen entlang und nahmen zwischendurch auf einer Bank Platz, um zu entspannen. Ich entdeckte auch ein paar Katzen, die sich am Wegesrand in der Sonne fläzten. Im Gegensatz zu den Straßenkatzen außerhalb der Mauern dieses Gartens schienen die Katzen, die hier durch den Garten streiften, ein angenehmes Leben zu führen.
Um meine Haare zu schützen, band ich mir ein Tuch um die Haare. In der heißen Sonne gingen wir wieder durch die zahlreichen Gassen und Straßen der Stadt, in denen ich wie so oft gar nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte bei all den Farben, Gewächsen und dem lebhaften Straßenverkehr.
Le Jardin de Majorelle ist eine französische Ruheoase im bunten Treiben Marrakeschs. Vor allem für Touristen, wie ich feststellen konnte, überall hörten wir Gesprächsfetzen auf Spanisch, Französisch oder Englisch, zwischen hochgewachsenen Kakteen, Farnen und Bambus. Auch Familien mit Kindern waren hier, sogar auch T., der Fluggast, den ich gebeten hatte, mit J. den Platz zu tauschen. Wir nutzten die Zeit, um kurz über unsere Marrakesch-Erlebnisse zu plaudern und Tipps auszutauschen.
Inmitten der Bäume, Teiche und tropischen Gewächse auf der Fläche von etwa viertausend Quadratmetern befanden sich ein kobaltblaues Häuschen sowie weitere bunt bemalte Elemente wie Tontöpfe und Pavillons. Besonders stechen das kräftige Blau und intensive Gelb heraus.Benannt ist der Garten nach dem französischen Maler Jacques Majorelle, der ihn 1923 anlegte, mit tropischen Gewächsen, die er überall auf der Welt ausfindig gemacht hatte. Während Majorelles Kunst inzwischen nicht mehr in aller Munde ist, ist sein Garten eine beliebte Attraktion bis heute, aufgekauft und restauriert von Yves Saint Laurent.
Das Blau, das J. und ich dort entdecken konnten, nennt sich auch Majorelle-Blau, benannt nach seinem Schöpfer.
Wir flanierten zwischen Palmen, Brunnen, Pavillons und Kakteen in den erstaunlichsten Formen entlang und nahmen zwischendurch auf einer Bank Platz, um zu entspannen. Ich entdeckte auch ein paar Katzen, die sich am Wegesrand in der Sonne fläzten. Im Gegensatz zu den Straßenkatzen außerhalb der Mauern dieses Gartens schienen die Katzen, die hier durch den Garten streiften, ein angenehmes Leben zu führen.
Ankunft in der roten Stadt
Vor einer Woche erreichten J. und ich Marrakesch. Wie auf unseren letzten Trips bekamen wir es hin, nebeneinander zu sitzen, obwohl uns unterschiedliche Sitzplätze zugeteilt worden waren. Mein Sitznachbar war auf meine Bitte hin so nett, mit J. den Platz zu tauschen.
Der Flieger verspätete sich um eine halbe Stunde, doch die Menschen in Marrokko sind wesentlich entspannter als zuhause. Damit hatte ich bereits gerechnet.
Der Fahrer wartete auf uns, mit einem Schild, auf dem mein Name stand. “Ich war noch nie so froh, deinen Namen zu lesen“, sagte J.. Schon aus dem Transfer konnte ich mich an der Stadt mit den ockerfarbenen Flachdachbauten kaum satt sehen. Es gibt in Marrakesch Palmen, die die Straßen säumen, unter Reklameschildern werden Kakteen angepflanzt und die Straßenlaternen sind mit orientalischen Schnörkeln verziert.
Nach dem Einchecken ins Hotel blickte ich aus dem Fenster und sah das Theatre Central mit der sandfarbenen Kuppel auf der gegenüberliegenden Straßenseite und wusste jetzt schon, dass die “rote Stadt“, wie Marrakesch auch genannt wird, mir jetzt schon gefiel.
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| Theatre Central |
Die warme Luft (vermutlich aus der Sahara) schlug uns entgegen, als wir das Hotel verließen. Der Verkehr war laut, überall hupten Autos (teilweise auch wegen uns) und mit Verkehrsregeln nahm man es hier wohl nicht so ganz genau. Wenn wir nach dem Weg fragten, erwiesen sich die Menschen als sehr hilfsbereit und viele sprachen sogar gutes Englisch.
Die Temperatur lag hier bei über dreißig Grad, jedoch hatten mich die ungewöhnlich hohen Temperaturen bei mir zuhause zumindest schon ein wenig auf die Hitze hier vorbereitet. Abends war es besonders angenehm und ich nutzte die Gelegenheit, in den Hotelpool zu springen.
Montag, 6. August 2018
Marrakesch
Ghana soll dieses Jahr nicht meine einzige Reise nach Afrika bleiben: Meine beste Freundin J. und ich beschlossen kurz nach meiner Rückkehr aus Ghana, für sieben Tage nach Marrokko zu reisen: In die farbenfrohe, orientalische Stadt Marrakesch. In einer Woche werden wir unsere Reise starten.
Marrakesch steht ebenso auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt bereist haben möchte. Wenn ich an Marrakesch denke, denke ich an eine märchenhafte Atmosphäre aus 1001 Nacht, an Bazare, auf denen bis zum Gehtnichtmehr gefeilscht wird, an exotische intensive Gewürze und eine märchenhafte, farbenvielfältige Stadt, entrückt von Zeit und Geschichte. Ich bin gespannt, ob sich dieses Bild von Marrakesch so erfüllen wird - Reisen bedeutet auch immer, sich überraschen zu lassen und auf das Unbekannte einzulassen.
Mahi Binebine, der heute bekannteste Maler Marrokkos, schrieb einmal
: "Ja, so ist Marrakesch nunmal, mein Herz. Eine alte Hexe, deren Seele sich mit den Zeitläufen wandelt. Weltoffen und doch verschlossen, betörend und beängstigend zugleich. Eine Stadt wie diese gibt es kein zweites Mal."
Marrakesch steht ebenso auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt bereist haben möchte. Wenn ich an Marrakesch denke, denke ich an eine märchenhafte Atmosphäre aus 1001 Nacht, an Bazare, auf denen bis zum Gehtnichtmehr gefeilscht wird, an exotische intensive Gewürze und eine märchenhafte, farbenvielfältige Stadt, entrückt von Zeit und Geschichte. Ich bin gespannt, ob sich dieses Bild von Marrakesch so erfüllen wird - Reisen bedeutet auch immer, sich überraschen zu lassen und auf das Unbekannte einzulassen.
Mahi Binebine, der heute bekannteste Maler Marrokkos, schrieb einmal
: "Ja, so ist Marrakesch nunmal, mein Herz. Eine alte Hexe, deren Seele sich mit den Zeitläufen wandelt. Weltoffen und doch verschlossen, betörend und beängstigend zugleich. Eine Stadt wie diese gibt es kein zweites Mal."
Sonntag, 11. März 2018
Heimweg
Vor wenigen Tagen verabschiedeten A. und ich uns morgen von unseren Mitreisenden, um uns auf dem Weg zum Flughafen in Accra zu begeben. H. blieb noch einige Wochen länger als wir in Ghana, um erneut Volunteering in einem Waisenhaus zu absolvieren.
Von zuhause hatte ich zahlreiche Nachrichten erhalten, dass während meiner Abwesenheit tiefer Schnee lag und Minusgrade herrschten, während ich bei über dreißig Grad in der Sonne lag.
Nun sollten wir vom Sommer in den Winter zurückfliegen, doch ich freute mich unglaublich. Auf meine WG, in der ich ein richtges Bett mit Matratze besitze, ein Badezimmer mit Dusche zum Abschließen und fließendes Wasser, um sich jederzeit die Hände waschen zu können.
Spätestens, nachdem ich in Ghana war, kann ich sagen, dass das Leben in Deutschland Luxus ist. Ich bin so aufgewachsen, dass ich immer genug zu essen hatte, dass ich einen Kleiderschrank voller Klamotten habe, vor dem ich jeden Morgen erneut entscheiden kann, was ich anziehen möchte, und dass ich eine Schulbildung erhalten habe, dank der ich eine Vielzahl an Möglichkeiten habe, wie ich mein Leben leben kann.
In Deutschland erscheint das selbstverständlich, weltweit gesehen ist es jedoch die Seltenheit. Obwohl viele Menschen in Ghana so wenig haben, sind sie unglaublich großzügig im Geben. Das habe ich auch bemerkt, als ich an all den verschiedenen Orten auf der Reise als Gast aufgenommen und reich bewirtet wurde. Die Freunde und Bekannte von H. kannten mich kaum und doch haben sie mir einen Schlafplatz geboten und mich herzlich willkommen geheißen. Für H. ist das auch ein Aspekt, den sie an diesem Land so sehr liebt.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses Land mit seiner Kultur kennen lernen durfte, auch von einer authentischen Seite statt ausschließlich der touristischen, dank der vielen Kontakte vor Ort. Ebenso danke ich A. und H. dafür, dass sie mit mir dieses Abenteuer angetreten haben. Wir haben uns die drei Wochen lang sehr gut verstanden, obwohl manche Situationen durchaus stressig waren und Streitpotenzial geboten hätten.
Wie in diesem Blog wohl mehr als einmal deutlich geworden ist, liebe ich es, andere Orte kennen zu lernen, und dann voller Erinnerungen nachhause zurückzukehren, mit dem Gefühl, wieder anzukommen und von seinen Lieben empfangen zu werden.
Als ich in die WG zurückkam, stand auf meinem Schminktisch (den ich von nun auch wieder nutzen kann), ein wunderschöner Strauß pinker Tulpen. Da wusste ich, ich bin wieder zuhause.
Von zuhause hatte ich zahlreiche Nachrichten erhalten, dass während meiner Abwesenheit tiefer Schnee lag und Minusgrade herrschten, während ich bei über dreißig Grad in der Sonne lag.
Nun sollten wir vom Sommer in den Winter zurückfliegen, doch ich freute mich unglaublich. Auf meine WG, in der ich ein richtges Bett mit Matratze besitze, ein Badezimmer mit Dusche zum Abschließen und fließendes Wasser, um sich jederzeit die Hände waschen zu können.
Spätestens, nachdem ich in Ghana war, kann ich sagen, dass das Leben in Deutschland Luxus ist. Ich bin so aufgewachsen, dass ich immer genug zu essen hatte, dass ich einen Kleiderschrank voller Klamotten habe, vor dem ich jeden Morgen erneut entscheiden kann, was ich anziehen möchte, und dass ich eine Schulbildung erhalten habe, dank der ich eine Vielzahl an Möglichkeiten habe, wie ich mein Leben leben kann.
In Deutschland erscheint das selbstverständlich, weltweit gesehen ist es jedoch die Seltenheit. Obwohl viele Menschen in Ghana so wenig haben, sind sie unglaublich großzügig im Geben. Das habe ich auch bemerkt, als ich an all den verschiedenen Orten auf der Reise als Gast aufgenommen und reich bewirtet wurde. Die Freunde und Bekannte von H. kannten mich kaum und doch haben sie mir einen Schlafplatz geboten und mich herzlich willkommen geheißen. Für H. ist das auch ein Aspekt, den sie an diesem Land so sehr liebt.Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses Land mit seiner Kultur kennen lernen durfte, auch von einer authentischen Seite statt ausschließlich der touristischen, dank der vielen Kontakte vor Ort. Ebenso danke ich A. und H. dafür, dass sie mit mir dieses Abenteuer angetreten haben. Wir haben uns die drei Wochen lang sehr gut verstanden, obwohl manche Situationen durchaus stressig waren und Streitpotenzial geboten hätten.
Wie in diesem Blog wohl mehr als einmal deutlich geworden ist, liebe ich es, andere Orte kennen zu lernen, und dann voller Erinnerungen nachhause zurückzukehren, mit dem Gefühl, wieder anzukommen und von seinen Lieben empfangen zu werden.
Als ich in die WG zurückkam, stand auf meinem Schminktisch (den ich von nun auch wieder nutzen kann), ein wunderschöner Strauß pinker Tulpen. Da wusste ich, ich bin wieder zuhause.
Die Menschen in Ghana
Während meiner Reise durch Ghana habe ich viele neue Orte entdeckt, wie den Dschungel, wunderschöne Strände, trubelige Städte und abgelegene Dörfer, scharfes Essen gekostet und sonst eine Menge erlebt.
Worüber ich jedoch ebenso viel in Erfahrung gebracht habe, sind die Menschen, die dort leben. Durch H.'s weit verstreute Kontakte in diesem Land haben A. und ich auch viele neue Menschen kennen gelernt. Darunter waren wirklich freundliche, offenherzige und großzügige Menschen.
Vor allem uns weißen Mädels gegenüber waren sie sehr neugierig, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen.
Allgemein ist es jedoch so in Ghana, dass die Menschen ein anderes Verständnis von Distanz haben. Bei mir zuhause halten Menschen, besonders gegenüber Fremden, immer einen gewissen höflichen Abstand. In Ghana ist es so, dass einem überall hallo gesagt wird und einem die Hände geschüttelt werden, auf der Straße, auf dem Markt oder am Strand. Das kann einen zunächst etwas irritieren, wenn man es von zuhause gewohnt ist, dass man vorbei laufende Menschen nicht einfach anspricht.
Zudem kommt es manchmal vor, wenn man als weiße, junge Frau in Ghana unterwegs ist, dass man von Männern, mit denen man bisher nur wenige Worte gewechselt hat, gefragt wird, ob sie einen heiraten könnten. A. und ich dachten in solchen Fällen zuerst, wir hätten uns verhört, und lehnten schnell ab. Heiraten hat in diesem Land einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland, wie man sich vielleicht schon denken kann.
Dazu wurden wir ständig von jedem nach unseren Namen gefragt und ich dazu auf mein Sonnentattoo angesprochen, das hier offenbar auch für viel Aufmerksamkeit sorgte. Als ich den Kindern in Bechem erklärte, dass das Bild auf meiner Haut ein Tattoo sei, wandten sie sich an A. mit der Frage, wo denn ihr Tattoo sei. Daraufhin musste sie ihnen erklären, dass sie keines besitzt.
Ich habe auch festgestellt, dass die Menschen in Ghana generell entspannter sind in vielen Dingen. Ordnung, Zielstrebigkeit und Bürokratie sind da eher Phänomene, die ich von zuhause gewohnt bin. Der Bus fährt erst in drei Stunden ab? Dann wird in Ghana so lange gewartet und eventuell ein Mittagsschläfchen gehalten. Am Auto ist etwas kaputt? Dann wird es notfalls mit Klebeband wieder hingebogen. Der Strom fällt aus? Kochen kann man auch im Dunkeln. Gutes Essen braucht auch Zeit, ist zudem hier die Devise. Akribisch mit Pünktlichkeit ist hier auch keiner, aber das stört wohl kaum jemanden.
Während meiner Zeit in Ghana haben wir uns diesem entspannten Lebensstil auch gut angepasst, würde ich sagen. Und uns von der Entspanntheit der Menschen anstecken lassen, bei denen wir gewohnt haben.
Worüber ich jedoch ebenso viel in Erfahrung gebracht habe, sind die Menschen, die dort leben. Durch H.'s weit verstreute Kontakte in diesem Land haben A. und ich auch viele neue Menschen kennen gelernt. Darunter waren wirklich freundliche, offenherzige und großzügige Menschen.
Vor allem uns weißen Mädels gegenüber waren sie sehr neugierig, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen.
Allgemein ist es jedoch so in Ghana, dass die Menschen ein anderes Verständnis von Distanz haben. Bei mir zuhause halten Menschen, besonders gegenüber Fremden, immer einen gewissen höflichen Abstand. In Ghana ist es so, dass einem überall hallo gesagt wird und einem die Hände geschüttelt werden, auf der Straße, auf dem Markt oder am Strand. Das kann einen zunächst etwas irritieren, wenn man es von zuhause gewohnt ist, dass man vorbei laufende Menschen nicht einfach anspricht.Zudem kommt es manchmal vor, wenn man als weiße, junge Frau in Ghana unterwegs ist, dass man von Männern, mit denen man bisher nur wenige Worte gewechselt hat, gefragt wird, ob sie einen heiraten könnten. A. und ich dachten in solchen Fällen zuerst, wir hätten uns verhört, und lehnten schnell ab. Heiraten hat in diesem Land einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland, wie man sich vielleicht schon denken kann.
Dazu wurden wir ständig von jedem nach unseren Namen gefragt und ich dazu auf mein Sonnentattoo angesprochen, das hier offenbar auch für viel Aufmerksamkeit sorgte. Als ich den Kindern in Bechem erklärte, dass das Bild auf meiner Haut ein Tattoo sei, wandten sie sich an A. mit der Frage, wo denn ihr Tattoo sei. Daraufhin musste sie ihnen erklären, dass sie keines besitzt.
Ich habe auch festgestellt, dass die Menschen in Ghana generell entspannter sind in vielen Dingen. Ordnung, Zielstrebigkeit und Bürokratie sind da eher Phänomene, die ich von zuhause gewohnt bin. Der Bus fährt erst in drei Stunden ab? Dann wird in Ghana so lange gewartet und eventuell ein Mittagsschläfchen gehalten. Am Auto ist etwas kaputt? Dann wird es notfalls mit Klebeband wieder hingebogen. Der Strom fällt aus? Kochen kann man auch im Dunkeln. Gutes Essen braucht auch Zeit, ist zudem hier die Devise. Akribisch mit Pünktlichkeit ist hier auch keiner, aber das stört wohl kaum jemanden.
Während meiner Zeit in Ghana haben wir uns diesem entspannten Lebensstil auch gut angepasst, würde ich sagen. Und uns von der Entspanntheit der Menschen anstecken lassen, bei denen wir gewohnt haben.
Samstag, 10. März 2018
Exotische Früchte
In Ghana war es nicht anders. Die Avocados waren mindestens doppelt so groß wie die, die ich aus deutschen Supermärkten kenne, und dazu sehr cremig. An allen Orten, zu denen A., H. und ich gelangten, gönnte ich mir fast täglich eine bunte Portion frischer Früchte, vorwiegend geschnittene Ananas und Mangos. In Deutschland finde ich Ananas oft zu faserig und sauer. In Ghana sind die Ananas dagegen sehr süß und saftig.
Daran, aus Kokosnüssen zu trinken, um sie anschließend auszulöffeln, fand ich auch großen Gefallen. Es stellte zuerst einen Akt für mich da, die Kokosmasse ohne Löffel aus der Schale zu pulen, doch die Einheimischen eilten mir sehr schnell zur Hilfe, als sie beobachteten, wie ich mich mit der aufgeschnittenen Kokosnuss abmühte. Offenbar bin ich Besteck zu sehr gewohnt. Von dem Jungen, dem ich die Kokosnuss abgekauft hatte, bekam ich ein Stück Kokosrinde, mit dem es besser klappte. Die Menschen waren zum Glück sehr hilfsbereit und so kam ich in jedem Fall in den Genuss, das Kokosfleisch aufzuessen.Jedem, der in ein tropisches Land reist, kann ich nur empfehlen, einmal eine unbehandelte, nicht importierte Kokosnuss, frisch von der Palme, zu probieren.
Birthday on the Beach
Es ist nicht das erste Mal, dass ich meinen Geburtstag in einem anderen Land verbracht habe. Als ich siebzehn wurde, befand ich mich mit meiner Mutter auf Mallorca, wo zu dem Zeitpunkt frühlingshafte Temperaturen herrschten. In Ghana dagegen waren es jeden Tag ca. 30 Grad, ebenso an meinem Geburtstag. Mir gefiel der Gedanke, auf dem Asa Baako Festival zweiundzwanzig zu werden, noch dazu am Strand in einem sommerlichen Kleid, und dann zuhause noch eine zweite Feier mit meinen Lieben zu zelebrieren.Schon um Mitternacht, als wir in den Geburtstag hereinfeierten, bekam ich ein "Happy-Birthday"-Ständchen und eine Kerze nach dem Anstoßen.
"Wie fühlst du dich mit zweiundzwanzig?", fragten meine Freundinnen mich. "Jetzt gerade ziemlich gut", erwiderte ich zufrieden. "Ich habe festgestellt, je älter ich werde, desto besser wird mein Leben."
Ich stand morgens als Erste auf, was während der Reise so gut wie nie vorgekommen war, und ging hinaus, mit dem Bedürfnis, mich zu waschen. Da mir der Weg zur Toilette am Strand gerade etwas zu lang war, suchte ich den Brunnen auf, der sich um die Hausecke befand. Tief in dem Brunnen schimmerte auch Wasser, doch dummerweise hatte ich keinen Eimer und blickte mich etwas ratlos und noch müde um. Just in dem Augenblick kam eine Frau mit einem Eimer und einer daran befestigten Schnur vorbei. Sie war so nett, Wasser für mich zu schöpfen, und ich bedankte mich. "Was für ein seltsamer Geburtstagsmorgen", dachte ich, als ich zum Zimmer zurückging, und war plötzlich hellwach. Mit der Zeit trudelten auch die ersten Glückwünsche aus der Heimat ein, wo gerade seit einigen Tagen tiefer Schnee lag.
Am Nachmittag spazierte unsere Truppe am Strand entlang und wagte sich dann noch ein Stück in den angrenzenden Dschungel, in dem es steil bergauf ging und auf dem Rückweg steil bergab. Begleitet wurden wir von ein paar Einheimischen, die Zuckerrohr auf dem Rücken trugen. Dass es Zuckerrohr war, wurde mir erst auf Nachfrage bewusst, denn erst hatte ich die Stäbe mit Bambus verwechselt. Einer der Zuckerrohr-Träger schnitzte mir auch ein Stück Zuckerrohr ab und sagte, ich könnte darauf herumkauen. Ich stellte fest, dass das Zeug viel süßer und weniger gesund schmeckt, als es aussieht. Als die Mädels und ich wieder am Strand lagen, holte ich mir von der Straße etwas Obst. Ein Junge, der beim Obststand stand, fragte mich auf Englisch, ob ich eine Prinzessin sei. Zur Erklärung: Ich trug an dem Tag eine goldene Haarkette. Ob er das nun ernsthaft glaubte, wusste ich nicht, jedenfalls fand ich es sehr niedlich.Abends deutete A. zum nachtschwarzen Himmel, als wir zu den Bühnen vom Asa Baako Festival gingen, und ich erlebte den schönsten Anblick der Sterne, den ich je gehabt hatte. Der Himmel war übersät von den leuchtenden Punkten. Sogar die Milchstraße war deutlich zu sehen. Dieses Bild, das sich mir in der Dunkelheit so plötzlich offenbarte, werde ich so schnell nicht vergessen.
Wellenreiten
"Wenn wir nach Busua fahren", sagte ich, noch vor der Reise, zu A. und H. "Dann steht Surfen auf meiner To-Do-Liste!". Bereits in dem Video, das H. uns geschickt hatte, hatte ich gesehen, dass Wellenreiten dort offenbar eine beliebte Sportart war. "Klar", sagte H. "Ich kenn den Surflehrer, an den können wir uns wenden." H. kennt eine Menge Leute in diesem Land, was uns nicht selten auf der Reise sehr geholfen hat. Die Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.A. sowie T. und N. waren auch mit dabei und teilten die gleiche Begeisterung dafür wie ich. Bisher hatte ich auf Sylt bei stürmischer See das Wellenreiten einmal als Jugendliche probiert, doch hatte es zu dem Zeitpunkt nie geschafft, aufzustehen. Das änderte sich nun in Ghana. Kofi, der Surflehrer, verordnete uns zuerst ein paar Trockenübungen auf dem Brett an Land und kurz darauf ging es ab in die Wellen. In Busua gibt es wunderschöne Wellen, die weiter draußen Tubes bilden, die erfahrene Surfer so lieben, und schäumend an den Strand rollen. Wieder und wieder fielen wir vom Brett und wurden von der Gischt fortgerissen. Doch irgendwann gelang es uns nach und nach, aufzustehen. Ich finde, wenn man das einmal geschafft und erlebt hat, stellt sich ein richtiger Flow ein. Danach gefiel mir das Surfen mehr denn je und ich wollte es erst recht schaffen, die Balance zu halten.
A. und ich haben festgestellt, dass wir erst nach dem Surfen merken, wie anstrengend es war. Während ich mich im Wasser befand, und immer wieder bäuchlings auf dem Surfbrett in die Wellen paddelte, dachte ich weder daran, wie spät es war noch daran, was ich gestern gemacht hatte oder woran ich später vielleicht noch denken musste. Die Zeit spielte keine Rolle mehr. Es gab einfach nur mich und den Ozean.Wenn ich es schaffte, auf der Welle mitzugleiten, mich auf dem Brett hochzuziehen, zur Seite zu drehen und aufzustehen, um mit der Kraft des Wassers in Richtung Strand zu preschen, merkte ich, was für einen Spaß das Surfen brachte. Ein Highlight auf der Reise war es allemal. Am Tag vor der Abreise gingen wir vier ein letztes Mal mit den Brettern aufs Meer hinaus. Der Anblick wenig später, wie die Sonne hinter den Palmen am Strand versank und alles, auch uns Surferinnen, in ein goldenes Licht tauchte, war wunderschön.
Busua: Asa Baako
Als Highlight zum Schluss unserer Reise fuhren wir mit X., Lazy und B. nach Busua zum Asa Baako Festival. N. und T., die A. und ich die Tage zuvor in Cape Coast wiedergetroffen hatten, folgten im Trotro. Die verbleibenden Reisetage würden wir zu fünft in Busua verbringen.Busua ist ein sehr kleines Dorf mit einer Straße parallel zum Strand, an der sich viele Imbisse befinden. Es zeichnet sich vor allem durch den Strand aus, der viel zu bieten hat: Hängematten zwischen den Palmen, verschiedenste Sportarten und Bootstouren. In dem Zeitraum unserer Anwesenheit war wegen des Asa Baako Festivals besonders viel los. Es fand praktisch von morgens bis abends Party statt.
Es waren wesentlich mehr unterschiedliche Nationen vertreten, als es in den anderen ghanaischen Orten der Fall gewesen war. Am Strand war den ganzen Tag Musik, wir konnten bei unserer Ankunft Surfer beobachten (Surfen stand übrigens auch auf meiner Bucket-List für Busua, dazu komme ich noch) und jede Menge Menschen in Feierlaune waren an dem weißen Strand vorzufinden. Zudem gab es hier wunderschöne Wellen, in denen wir uns kurz nach unserer Ankunft abkühlten.
Bei der Unterkunft in der Nähe vom Strand war ich zuerst etwas enttäuscht, weil kein Bad vorzufinden war. Offenbar gingen die Leute hier in den Busch und geduscht wurde draußen in einem Beton-Gemäuer, das oben offen war. Nur dumm, dass die zugehörige Dusche abgeschlossen war und man uns keinen Schlüssel dazu gegeben hatte. Später lösten wir das Problem damit, dass wir die Duschen und Toiletten, die es am Strand gab, für wenige Cedis nutzten. Tagsüber verbrachten wir ohnehin fast die ganze Zeit am Strand, bis in den Abend hinein.
Abends gingen wir zu den Bühnen und Standorten, an denen die Musik lief, um unter dem Sternenhimmel zu tanzen oder setzten uns in den Sand, um aufs in Mondlicht getauchte Meer zu blicken. Das, was an Musik lief, war nicht immer unser Geschmack. Dies war auch ein Grund, weshalb wir uns ziemlich zeitig von der Dschungelparty, von der H. das letzte Mal so begeistert gewesen war, zurückzogen. An sich fand ich das Event, zwischen Palmen und Lichterketten, wenige Schritte vom Strand entfernt, ziemlich besonders, doch letztendlich begaben wir uns lieber zum Lagerfeuer am Strandabschnitt daneben.Wenn es uns zu trubelig wurde am Strand mit den vielen feiernden Menschen, machten wir uns auf dem Weg zu unserem Zimmer.
Nachdem wir so viel durch Ghana gereist waren und eine Menge unterschiedlicher Eindrücke gewonnen hatten, fühlte ich mich in Busua endlich angekommen. Es war unsere letzte Etappe, an der einfach nur gefeiert wurde (auch mein Geburstag) und wo wir etwas länger bleiben konnten. Manchmal lag ich einfach nur in der Hängematte am Strand, und versuchte, die ganzen Eindrücke von davor zu verarbeiten. Busua war einer der Orte in Ghana, an denen ich mich am wohlsten fühlte.
Hafenstädtchen El Mina
A. und ich nutzen einen weiteren Tag in Cape Coast, während H. sich noch immer in Accra befand, um in das benachbarte Städchen El Mina zu fahren. In H.'s Reiseführer, den sie in X.'s Wohnung gelassen hatte, konnte ich lesen, dass der Ort sich neben der Sklavenburg, dem so genannten "Castle" von El Mina, durch die vielen Fischerboote auszeichnete
Das Taxi fuhr uns direkt am Meer entlang dorthin und wir konnten schon aus der Ferne das geschäftige Treiben am Hafen erkennen. Von einer der Brücken aus hatten wir einen guten Blick auf die ganzen bunten Holzboote und die Menschen, die sich am Ufer an den Verkaufsständen tummelten.
Die Sklavenburg stand auf einem Hügel, ein Zeugnis aus grauer Vorzeit, in der Menschen auf ihre Hautfarbe reduziert und auf schlimmste Weise misshandelt wurden. Meine Lieben zuhause fragten mich, ob die Ghanaer nicht etwas Negatives mit dem Castle verbinden müssten. Vor Ort kam es mir jedenfalls nicht so vor. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Einheimischen es als Kulturerbe wahrnehmen, als historisch wertvolles Denkmal. Für sie gehört es zu El Mina dazu.
Vor dem Castle sprachen mich und A. auch wieder einige Einheimische vor und fragten uns neugierig, wer wir seien. So war es bisher immer gewesen in Ghana, die Menschen waren sehr herzlich und sehr interessiert, egal, wo wir hinkamen.
Mittags verbrachte ich ein wenig Zeit am Steinstrand in der Sonne und schrieb mein Tagebuch (Es enthielt Notizen, die ich nun in meinen Reiseblog mit einbauen kann). Einer der Männer, die wir vor dem Castle getroffen hatten und der sich mir als Kofi (das bedeutet Freitag) vorgestellt hatte, gesellte sich zu mir. Er schenkte mir eine Muschel, auf der stand: "To my German Sis. Fabienne from Kofi. Have a nice day at Elmina Castle". Auf der Innenseite der Muschel war seine Mailadresse zu finden. Über diese kreative Idee musste ich ziemlich schmunzeln.
Das Taxi fuhr uns direkt am Meer entlang dorthin und wir konnten schon aus der Ferne das geschäftige Treiben am Hafen erkennen. Von einer der Brücken aus hatten wir einen guten Blick auf die ganzen bunten Holzboote und die Menschen, die sich am Ufer an den Verkaufsständen tummelten.
Die Sklavenburg stand auf einem Hügel, ein Zeugnis aus grauer Vorzeit, in der Menschen auf ihre Hautfarbe reduziert und auf schlimmste Weise misshandelt wurden. Meine Lieben zuhause fragten mich, ob die Ghanaer nicht etwas Negatives mit dem Castle verbinden müssten. Vor Ort kam es mir jedenfalls nicht so vor. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Einheimischen es als Kulturerbe wahrnehmen, als historisch wertvolles Denkmal. Für sie gehört es zu El Mina dazu.
Vor dem Castle sprachen mich und A. auch wieder einige Einheimische vor und fragten uns neugierig, wer wir seien. So war es bisher immer gewesen in Ghana, die Menschen waren sehr herzlich und sehr interessiert, egal, wo wir hinkamen.
Mittags verbrachte ich ein wenig Zeit am Steinstrand in der Sonne und schrieb mein Tagebuch (Es enthielt Notizen, die ich nun in meinen Reiseblog mit einbauen kann). Einer der Männer, die wir vor dem Castle getroffen hatten und der sich mir als Kofi (das bedeutet Freitag) vorgestellt hatte, gesellte sich zu mir. Er schenkte mir eine Muschel, auf der stand: "To my German Sis. Fabienne from Kofi. Have a nice day at Elmina Castle". Auf der Innenseite der Muschel war seine Mailadresse zu finden. Über diese kreative Idee musste ich ziemlich schmunzeln.
Kakum Nationalpark
Während H. nach Accra fuhr, um ihren Freund vom Flughafen abzuholen, ließen A. und ich uns von Lazys Kumpel, der Taxifahrer war, zum Kakum Nationalpark fahren. Über die Hängebrücken, über die man dort laufen konnte, hatte ich vorher schon einiges von H. gehört und war sehr gespannt auf den Anblick über den Dschungel. A. und ich wurden mit einer kleinen Gruppe von Touristen ein Stück durch den Dschungel gelotst. Unter den Pflanzen war es ziemlich schattig- das änderte sich, als es bergauf ging und wir das Baumhaus erklimmten, von dem aus man die Hängebrücken betreten konnte. Große, bunte Schmetterlinge flatterten derweil an uns vorbei und ich hatte lautes Vogelgezwitscher im Ohr.
Es mag zuerst vielleicht beängstigend klingen, in 20 bis 40 Meter Höhe über die Baumwipfel des Dschungels zu spazieren, geschützt nur durch ein paar Holzbretter und zusammengeknüpftes Tau. Doch wenn man den Boden gar nicht erst sieht, erscheint einem das ziemlich harmlos. Zumindest empfand ich es so, als ich die Brücken überquerte. Ich stellte fest, dass dieses Erlebnis genau meins war. Hierherzukommen hatte sich wirklich gelohnt.
A. und ich nahmen uns die Zeit, zwischendurch immer wieder stehen zu bleiben und die Aussicht ganz in uns aufzunehmen. Ich betrachtete die Bäume und wünschte mir dabei, dass dieses Stück Regenwald noch möglichst lange erhalten bleibt.
Auf dem Rückweg konnten wir wieder am Boden und auf den Steinen bunte Leguane ausmachen, die sich sonnten und dabei die Köpfe verrenkten, was sehr lustig aussieht. In Ghana waren wir ihnen schon häufiger begegnet, doch bisher hatten wir noch nicht so viele gesehen wie hier.
Es mag zuerst vielleicht beängstigend klingen, in 20 bis 40 Meter Höhe über die Baumwipfel des Dschungels zu spazieren, geschützt nur durch ein paar Holzbretter und zusammengeknüpftes Tau. Doch wenn man den Boden gar nicht erst sieht, erscheint einem das ziemlich harmlos. Zumindest empfand ich es so, als ich die Brücken überquerte. Ich stellte fest, dass dieses Erlebnis genau meins war. Hierherzukommen hatte sich wirklich gelohnt.
A. und ich nahmen uns die Zeit, zwischendurch immer wieder stehen zu bleiben und die Aussicht ganz in uns aufzunehmen. Ich betrachtete die Bäume und wünschte mir dabei, dass dieses Stück Regenwald noch möglichst lange erhalten bleibt.Auf dem Rückweg konnten wir wieder am Boden und auf den Steinen bunte Leguane ausmachen, die sich sonnten und dabei die Köpfe verrenkten, was sehr lustig aussieht. In Ghana waren wir ihnen schon häufiger begegnet, doch bisher hatten wir noch nicht so viele gesehen wie hier.
Cape Coast
In Bechem hatten wir Menschen kennen gelernt, die ihre christlichen Werte sorgsam pflegten und einen konservativen Lebensstil besaßen. Die alternative Szene Ghanas konnten wir an unser nächsten Etappe entdecken: Cape Coast. In dem Küstenstädchen wimmelt es von Rastafaris, Musikern und Straßenhändlern, die knallbunte Ware anboten (letzteres ähnlich wie in Accra, jedoch empfand ich die Atmosphäre als wesentlich schöner). H.'s Freund X., den sie hier vor längerer Zeit kennen gelernt hatte, ist ebenfalls in der Rastafari-Szene involviert, und gab uns die Möglichkeit, bei ihm und seinem Mitbewohner Lazy zu wohnen, auch schon, als er sich noch einige Tage in Äthopien befand, um dort musikalisch tätig zu sein.An die Wohnung musste ich mich zuerst sehr gewöhnen, ganz besonders an das Badezimmer, durch das man vom Schlafzimmer aus erst durchgehen musste, um zum Wohnzimmer zu gelangen (welcher Architekt denkt sich so etwas aus?) und in dem es kein Licht gab. Andere Länder, andere Sitten. Am besten gefiel mir der Balkon, auf dem ich abends über die Dächer blickte, während ich meine Lieben daheim über Whatsapp darüber informierte, dass es mir gut ging.
H., A. und ich streiften einen Vormittag lang durch die Straßen, wo wir Souvenirs kauften, unter anderem bunte Turnbeutel für A. und bunt gemusterte Kosmetiktäschchen für mich.
Vegetarisches und veganes Essen war hier zu meiner Freude fast überall zu finden, es wurde sogar ausdrücklich an den Straßenimbissen damit geworben. Besonders fühlte ich mich in dem deutsch-ghanaischen Restaurant, zu dem H. uns führte und dessen Standard vergleichsweise hoch war (und richtige Toiletten gab es sogar auch dort). Einmal gönnte ich mir dort sogar zum Frühstück veganen Bananenkuchen und Schokokuchen, die noch relativ gesund schmeckten und dabei richtig lecker waren. Hinzu kam noch zu unserer Freude, dass die Einnahmen alle gespendet wurden, um einheimischen Kindern Schulbildung zu ermöglichen.
In Cape Coast gab es neben den Märkten einen Strand mit schäumenden Wellen. H., A. und ich hatten viel Spaß daran, durch die Brandung zu laufen, die weit über den Strand flutete. Mittags holten wir uns wie so oft einige Snacks (ich aß in Ghana insgesamt große Mengen von Mangos und Ananas) und verbrachten etwas Zeit am Strand.An diesem Strand befand sich ein kleines "Castle", wie es sich nannte, von der Erscheinung wirkte es etwas heruntergekommen und ruinenhaft. Solche Gebäude bekamen wir allerdings nicht selten zu Gesicht.
Als wir an einem Nachmittag auf den Felsen neben den Castle herumkletterten und die Gischt beobachteten, die auf die Felsen spritzte, kam eine Gruppe junger Männer vorbei, die relativ schick angezogen waren und auch Smartphones mit sich trugen. Sie fragten uns, ob sie Selfies mit uns dreien machen dürften. Diese Bitte schlugen wir ihnen nicht ab, sodass das danach regelrecht eine Fotosession mit gefühlt hundert Selfies am Strand begann. Sie kannten uns nicht, doch offenbar machte es uns interessant, dass wir hier offensichtlich die Exoten waren.
Wir begegneten am gleichen Strand auch einer Mutter mit Kind, die ebenso ein Smartphone hatte und uns bat, für Selfies mit ihrer Tochter am Strand zu posieren. Ich hatte mich inzwischen an die viele Aufmerksamkeit gewöhnt, die die Menschen uns hier schenkten, und die Blicke von allen Seiten, wenn wir die Straße entlang liefen.
Stromausfall oder Dinner im Dunkeln
In Ada Foah saßen H., A. und ich eines Abends wieder gemütlich am Marathana Beach und warteten auf unser Abendessen. Wenn man Essen bestellt, dauert das seine Zeit, meistens einathalb bis zwei Stunden. Wenn man Red Red, mein auserkorenes Lieblingsessen in Ghana, haben will, in manchen Restaurants sogar noch länger. Deshalb hatte H. mir auch davon abgeraten, es überall zu bestellen. Wir drei hatten jedoch Zeit, schließlich befanden wir uns auf Reisen und genossen die entspannte Atmosphäre. Es war inzwischen dunkel.
Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Wenn es in Ghana Nacht wird, kann es richtig duster werden. Auch abends helles Licht zu haben ist hier offensichtlich auch nicht so wichtig. Gut erinnern kann ich mich noch daran, dass in Cape Coast, als wir zu fünft draußen beim Imbiss saßen und es dunkel wurde, einfach über dem Eingang eine Glühbirne eingedreht wurde, für die sich der Ladenbesitzer halb verrenkte. Erstaunt war ich ebenso in Busua, wo wir in unserem Zimmer zuerst blaues Licht vorfanden (man sieht gar nichts, schminken kann man also auch vergessen) und, während ich überlegte, wie sehr ich mich darüber ärgern sollte, eine normale (also das, was ich für vernünftiges Licht halte), Glühbirne eingedreht wurde von unserem Vermiter. Wie auch immer, es scheint zu funktionieren mit den Glühbirnen, die man spontan einsetzt.
Kompliziert wird es nur, wenn auch diese Glühbirnen nicht mehr funktionieren. Und zudem gar nichts mehr funktioniert, was auf irgendeine Weise Strom bezieht. So wie es an diesem Abend in Ada Foah der Fall war. Plötzlich sah ich A. und H. nur schemenhaft. Klare Sache: Wir hatten einen Stromausfall. Zuletzt hatten wir in Bechem einen Stromausfall, auch beim Abendessen, der zum Glück aber nur fünf Minuten anhielt. Dieser Stromausfall dauerte länger. Ich überlegte kurz, ob ich hinterher auch im Dunkeln duschen und auf Toilette gehen sollte. Und auch, wo ich meine Taschenlampe gelassen hatte. H. und A. ließen sich von dem Zwischenfall nicht stören und plauderten munter weiter. Unsere Tischnachbarn waren inzwischen dazu übergegangen, eine Taschenlampe am Gebälk über unseren Tischen aufzuhängen. Sehr hell war es nicht, aber zumindest konnten wir die Umrisse unserer Teller erkennen, nachdem sie uns hingestellt wurden. Aus dem Abendessen wurde ein Dinner im Dunkeln. Zumindest teilweise. Denn nämlich, als ich meinen Reis halb aufgegessen hatte, sprang das Licht wieder an. Ich freute mich, H. und A. wieder zu sehen.
Ich fragte H., wie lange der längste Stromausfall gedauert hatte, den sie hier erlebt hatte. "Sechsundvierzig Stunden" erwiderte sie. Das sollte uns zum Glück während unserer drei Wochen nicht passieren.
Zuhause bin ich es natürlich gewohnt, immer Strom zu haben. Der Stecker kommt in die Steckdose und -zack- paar Stunden ist das Gerät aufgeladen. Immer, hier und jetzt. Auf der Reise konnte ich mich nicht darauf verlassen, erst recht nicht, als die Powerbank versagte, die ich extra vorsorglich eingepackt hatte.
Dann musste es ohne Toaster, Wasserkocher, Handy, Ventilator und ganz besonders Licht gehen. Und man wusste nie, wie lange. Die Menschen kennen es hier nicht anders und sind entspannt damit.
Auch bei B. zuhause in Accra ging der Fernseher einmal plötzlich aus und der Ventilator blieb stehen, sodass wir wussten: Es ist wieder einmal Stromausfall. Es war allerdings hellichter Tag und somit nicht so dramatisch. Nach etwa einer Stunde funktionierten alle technischen Geräte wieder.
Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Wenn es in Ghana Nacht wird, kann es richtig duster werden. Auch abends helles Licht zu haben ist hier offensichtlich auch nicht so wichtig. Gut erinnern kann ich mich noch daran, dass in Cape Coast, als wir zu fünft draußen beim Imbiss saßen und es dunkel wurde, einfach über dem Eingang eine Glühbirne eingedreht wurde, für die sich der Ladenbesitzer halb verrenkte. Erstaunt war ich ebenso in Busua, wo wir in unserem Zimmer zuerst blaues Licht vorfanden (man sieht gar nichts, schminken kann man also auch vergessen) und, während ich überlegte, wie sehr ich mich darüber ärgern sollte, eine normale (also das, was ich für vernünftiges Licht halte), Glühbirne eingedreht wurde von unserem Vermiter. Wie auch immer, es scheint zu funktionieren mit den Glühbirnen, die man spontan einsetzt.
Kompliziert wird es nur, wenn auch diese Glühbirnen nicht mehr funktionieren. Und zudem gar nichts mehr funktioniert, was auf irgendeine Weise Strom bezieht. So wie es an diesem Abend in Ada Foah der Fall war. Plötzlich sah ich A. und H. nur schemenhaft. Klare Sache: Wir hatten einen Stromausfall. Zuletzt hatten wir in Bechem einen Stromausfall, auch beim Abendessen, der zum Glück aber nur fünf Minuten anhielt. Dieser Stromausfall dauerte länger. Ich überlegte kurz, ob ich hinterher auch im Dunkeln duschen und auf Toilette gehen sollte. Und auch, wo ich meine Taschenlampe gelassen hatte. H. und A. ließen sich von dem Zwischenfall nicht stören und plauderten munter weiter. Unsere Tischnachbarn waren inzwischen dazu übergegangen, eine Taschenlampe am Gebälk über unseren Tischen aufzuhängen. Sehr hell war es nicht, aber zumindest konnten wir die Umrisse unserer Teller erkennen, nachdem sie uns hingestellt wurden. Aus dem Abendessen wurde ein Dinner im Dunkeln. Zumindest teilweise. Denn nämlich, als ich meinen Reis halb aufgegessen hatte, sprang das Licht wieder an. Ich freute mich, H. und A. wieder zu sehen.Ich fragte H., wie lange der längste Stromausfall gedauert hatte, den sie hier erlebt hatte. "Sechsundvierzig Stunden" erwiderte sie. Das sollte uns zum Glück während unserer drei Wochen nicht passieren.
Zuhause bin ich es natürlich gewohnt, immer Strom zu haben. Der Stecker kommt in die Steckdose und -zack- paar Stunden ist das Gerät aufgeladen. Immer, hier und jetzt. Auf der Reise konnte ich mich nicht darauf verlassen, erst recht nicht, als die Powerbank versagte, die ich extra vorsorglich eingepackt hatte.
Dann musste es ohne Toaster, Wasserkocher, Handy, Ventilator und ganz besonders Licht gehen. Und man wusste nie, wie lange. Die Menschen kennen es hier nicht anders und sind entspannt damit.
Auch bei B. zuhause in Accra ging der Fernseher einmal plötzlich aus und der Ventilator blieb stehen, sodass wir wussten: Es ist wieder einmal Stromausfall. Es war allerdings hellichter Tag und somit nicht so dramatisch. Nach etwa einer Stunde funktionierten alle technischen Geräte wieder.
Maranatha Beach
Während unserer Tage im Resort von Ada Foah nahm ich dieses kurze Video auf. Ich ging am Strand entlang und freute mich an dem kleinen Strandparadies an der Flussmündung zum Meer. Das Rauschen der Wellen habe ich jetzt noch im Ohr, wo ich wieder zurück in meiner Heimat bin. Die Palmen überall, das angenehme Wasser und vor allem die Sonnenuntergänge hinterließen Eindruck bei mir. Ich nutzte zwischendurch immer mal wieder die Gelegenheit, in der Brandung entlang zu spazieren und aufs Wasser zu blicken.
Ada Foah
Als A., H. und ich aus Bechem aufbrachen und die Verabschiedung von den Kindern etwas emotional ablief (Sie hatten Tränen im Augenwinkel), legten wir einen Zwischenstopp in Accra ein, wieder bei B. zuhause. Danach erwartete uns endlich das Meer. Darauf freute ich mich besonders, als wir in das Trotro Richtung Ada Foah stiegen. Diesmal war die Fahrt nicht ganz so lang und wir kamen entspannt vor einem Dorf mit Strohhütten an. Dort waren auch drei Motorräder zur Stelle. Wie ich nun erfuhr, sind Motorrad-Taxis, die ich vorher noch gar nicht so kannte, in Ghana ziemlich üblich. H. erklärte ihnen, wo wir hinfahren wollten, und schwang sich kurzerhand hinter einem der drei aufs Motorrad, A. nahm auf dem nächsten Motorrad Platz, den riesigen Backpacker-Rucksack auf dem Rücken. "Ist das euer Ernst?", sagte ich noch etwas skeptisch, bevor ich es ihnen gleich tat, nach einem Helm hielt ich zudem vergebens Ausschau. Doch in Ghana gelten andere Verkehrsregeln. Selbst in den Taxis kann man froh sein, wenn überhaupt ein Anschnallgurt vorhanden ist. Es kam mir oft so so vor, als wären die Autos nur mit Klebeband zusammengehalten.
So kam es nun, dass wir hinter den Motorradfahrern, dazu jeweils einen voll beladenen Backpacker-Rucksack auf den Rücken, und in Sommerkleidern durch den roten Sand zum Maranatha Beach in Ada Foah düsten. Dann folgte noch ein Weg unter zahlreichen Palmen entlang, bis wir in dem kleinen Strandparadies ankamen. Dort mündete ein türkisfarbener Fluss, gesäumt von Palmen, ins Meer.H. stellte uns wenig später ihren Kumpel W. vor, der dort lebte und dessen lange Rasta-Haare mich etwas an Captain Jack Sparrow aus "Fluch der Karibik" erinnerten. Irgendwie passte dies auch hierher. W. hieß uns herzlich in Ghana willkommen und fragte mich und Anna nach unserem ghanaischen Namen. In Ghana werden Menschen nämlich nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren wurden. A. und ich wussten den Wochentag nicht, an dem wir geboren wurden, weshalb H. (alias "yaa", wie der Wochentag Donnerstag) es kurzerhand für uns googelte. Es stellte sich heraus, dass ich an einem Dienstag auf die Welt kam und mein ghanaischer Name demnach "Abenaa" lautet.
Bevor es dunkel wurde, nutzte ich die Gelegenheit zum Schwimmen im Fluss. Dabei genoss ich die Atmosphäre dieser Oase, fern von dem Lärm der Straßen Accras und dem Trubel der bisherigen Etappen. Der Plan von uns dreien war, ein paar Tage auf der Halbinsel zu bleiben und viel schwimmen zu gehen bzw. in der Sonne zu liegen.An der Strandbar holten wir uns zu jeder Mahlzeit etwas zu essen, auch Red Red stand auf der Speisekarte, und ich hatte zudem viel Gelegenheit, mir von den Frauen, die mit Obstkörben auf den Köpfen täglich vorbeikamen, Ananas, Mango und Kokosnüsse zu kaufen.
"So lange es so etwas hier gibt", erklärte ich meinen Freundinnen, während ich das Fruchtfleisch aus der aufgeschnittenen Kokosnuss löffelte. "Bin ich glücklich."
Eine kleine Bootstour zu den Mangroven im Wasser, die an der Flussmündung wuchsen, gehörte auch zu unserem Programm. Die Natur war in Ada Foah für mich wirklich sehr sehenswert. Wer Strandparadiese mit Palmen, exotischen Früchten und Hängematten, um sowohl Körper als auch Seele baumeln zu lassen, mag, ist dort gut aufgehoben. Für uns war es ein paar Tage genau das Richtige. Abends saßen wir am Lagerfeuer, das am Strand errichtet wurde, und genossen die entspannte Atmosphäre. Zwischendurch fuhren wir erneut mit Motorradtaxis in das angrenzende Städtchen in der Nähe. Als die Sonne auch noch dabei unterging und der Wind mir die Haare aus dem Gesicht pustete, dachte ich, dass es sich wirklich lohnte, diesen Ort einmal kennen gelernt zu haben.
W. lieh uns ein Zelt, das er mit seinen Kumpels am ersten Abend für uns aufbaute. Erholsam waren die Tage am Strand, von den Nächten konnte man das dagegen weniger behaupten. A. hatte in weiser Voraussicht eine Isomatte eingepackt. H. und ich begnügten uns mit einem Tuch, mit dem wir uns zudeckten, ansonsten trennte uns nur der Zeltboden von dem Sand. Deshalb hielt uns morgens nach dem Aufwachen auch nichts mehr im Zelt. Ganz besonders in der letzten Nacht vor unserer morgendlichen Abreise aus Ada Foah.Draußen gewitterte es, was ganz und gar nicht gemütlich ist, wenn man sich in einem kleinen, quadratischen Zelt auf einer einsamen Halbinsel befindet. Es stellte sich heraus, dass es vor dem Zelt pausenlos blitzte, Regen war allerdings nicht in Sicht. H. sorgte sich jedoch wegen des nassen Sandes und der geringen Ausstattung unseres Zelts, sodass wir uns gegen vier Uhr morgens in der betonierten Dusche verkrochen und dort ausharrten, während das draußen das Unwetter tobte. In der Zeit überlegten wir zusammen, wie wir die Wetterlage einschätzen sollten und ab wann wir wieder sicher im Zelt aufgehoben wären. An Schlaf war jedenfalls auch nicht zu denken, selbst, als wir zum Zelt zurückkehrten.
Wenig später, am frühen Morgen, als sich der Himmel erhellte, war das Gewitter endgültig vorbei und wir räumten unsere Sachen beisammen. Noch halb verschlafen stiegen wir in das Boot, das uns zum Strand mit den Trotros brachte und ich genoss ein letztes Mal die prächtige Palmenlandschaft.
Die Schule
An der Schule in Bechem hatten wir einen Tag die Gelegenheit, dem Schulalltag beizuwohnen. Es gab unterschiedliche Klassen in den betonierten Räumen, die mit Holzbänken ausgestattet waren. Rot-weiß karierte Schuluniformen, für die Mädchen Kleider und die Jungs Hemd und Hose, gehörten hier mit dazu, wie auf dem Foto zu sehen. Eins habe ich selbst gesehen an diesem Tag: Die Schule dort ist kaum mit einer Schule zu vergleichen, wo ich hingegangen bin. Das Niveau ist ein ganz anderes, sodass H., A. und ich als Erziehungswissenschafts-Studentinnen manchmal ein wenig die Qualität des Schulunterrichts anzweifelten. An der Tafel stand das Verb "to go", in allen Zeitformen konjugiert, das die Kinder laut mitsprechen sollten. Es war für uns jedoch offensichtlich, dass sie es auswendig gelernt hatten, statt tatsächlich das Wort zu lesen und zu erkennen.
Sehr störte uns der Umgang mit den Schülern. H. hatte uns schon erzählt, dass Kinder hier mit dem Stock geschlagen werden, sei es wegen Nichtigkeiten. Zum Beispiel, wenn sie ohne Socken (die sich die Eltern evtl. nicht leisten können) oder mit dreckigen Fingernägeln in der Schule auftauchten. "Da können die Kinder doch nichts für", sagte ich kopfschüttelnd. H. erzählte sogar, dass die Eltern diesen Umgang mit ihren Kindern befürworteten, weil sie wünschten, dass ihnen Disziplin beigebracht werde.
In einer Klasse, vor deren Fenster (Glasscheiben gibt es übrigens nicht) wir Mädels standen, konnte H. nicht zusehen, wie eines der kleinen Kinder von seiner Lehrerin behandelt wurde. Empört ging sie in die Klasse und sagte der Lehrerin, sie solle aufhören, die Kinder zu schlagen. Während N. und ich das weinende Mädchen auf den Arm nahmen, nahm H. der Lehrerin den Stock aus der Hand und brach ihn entzwei. Die Lehrerin konnte ihre Reaktion überhaupt nicht verstehen, wie auch, es ist schließlich normal hier, Kinder zu schlagen. Es folgte eine ausführliche Diskussion zwischen H. und der Lehrerin darüber, wie man Kinder anständig behandelt. "Wir alle", H. deutete auf uns: "Wurden in unserer Kindheit in Deutschland nie so behandelt und haben uns gut entwickelt." Die Lehrerin gab zurück, das sei hier Ghana, nicht Deutschland. Doch nachdem H. weiterhin auf sie einredete, gab sie sich geschlagen und versprach, damit auzuhören. Das ist schonmal ein Anfang und wir hofften, sie würde sich möglichst lange daran halten.
Beim Abendessen erzählte H. uns, eine Kommilitonin an unserer Uni hätte einmal gesagt, das sei deren Kultur und deshalb solle man sich als Außenstehende aus einem fremden Land nicht einmischen. Doch wenn man nur zusieht, statt einzugreifen, wenn man es selbst als Ungerechtigkeit empfindet, kann sich dann die Welt jemals ändern? Wahrscheinlich ändert sich die Welt auch nicht direkt deshalb, weil H. mit der Lehrerin eine lange Diskussion geführt hat, aber es ist immerhin ein minimaler Anfang.

Manche mögen es kritisch finden, sich mit den Lehrern so anzulegen, doch ich denke, darüber kann man streiten. Wir sind alle in unserem moralischen Empfinden geprägt durch unsere Kultur, weshalb man unser Handeln nicht simpel in "Richtig" und "Falsch" einteilen kann. Wenn ich das Handeln der Lehrerin als falsch empfinde, liegt das an meiner Sicht der Dinge, die ihr vielleicht nie in den Sinn gekommen wäre. Daher denke ich, es macht auf jeden Fall Sinn, sie darauf aufmerksam zu machen, wenn man ihr Handeln nicht vertretbar findet.
Wo wären wir schließlich in Deutschland heutzutage, wenn Menschen nicht irgendwann angefangen hätten, in der Erziehung oder sonstwo, etwas anders zu machen?
Besuch im Nachbardorf
Nach dem Frühstück verließen wir unsere Unterkunft im Schulgebäude, um einen sandigen Weg, der sich durch die Landschaft zum Nachbardorf schlängelte, zu beschreiten. In diesem Nachbardorf wohnten nämlich einige Kinder, die H. während ihrer Volunteer-Zeit betreut hatte.Es war Sonntag, sodass wir beobachten konnten, wie die Menschen in den Kirchen saßen und sangen, bereits am frühen Morgen. Im Süden Ghanas sind die meisten Menschen sehr christlich, während im Norden mehr Muslime vertreten sind. Für die Christen hier haben Gott und Jesus eine große Bedeutung. In dem Dorf glaubten auch viele, dass man zur Hölle fährt, sobald man von Alkohol nur gekostet hat oder Ähnliches.
Unterwegs unterhielten A. und ich uns gerade über all unsere neuen Eindrücke der ersten Tage, als zwei Kinder aus Bechem uns zu folgen begannen. Die anderen Kinder am Anfang des Weges hatten uns bereit zugewinkt und neugierig gemustert, diese hatten offenbar beschlossen, mitzukommen. Sie sprachen eher wenig mit uns, aber hielten Schritt mit uns und sahen uns, während wir redeten, unentwegt von der Seite an.
Im Dorf angekommen, brannte die Sonne auf uns herab, sodass auch Lichtschutzfaktor 50 nicht half. Es war zum Glück das einzige Mal während der Zeit in Ghana, dass ich mir etwas Sonnenbrand holte.
Das Dorf an sich war sehr klein, überall liefen Ziegen herum und der rote Sand staubte (bis zum Ende der Reise klebte er an meinen schwarzen Straßenschuhen). Die Menschen kamen aus den Häusern, um uns zu begrüßen, und die Kinder umringten uns, voller Interesse an uns "White Ladies". Ganz besonders für diejenigen, die H. bereits kannten von früher, war die Wiedersehensfreude natürlich riesig. Die Kinder fassten uns an den Händen und spazierten mit uns durchs Dorf. Die Aufmerksamkeit von allen Seiten, nur weil wir Fremde waren, war wirklich erstaunlich. Ich empfand das Verhalten der Kinder sehr niedlich. A. und ich fühlten uns nur etwas genervt von einem Lehrer, der auch an der Schule unterrichtete, sich grob den Kindern gegenüber verhielt und uns alle hektisch durch das Dorf zu manövrieren versuchte, mit der Absicht, uns all seinen ortsansässigen Freunden, Verwandten und Bekannten vorzustellen, die alle unsere Hand schütteln. H. erklärte uns auch, dass sein Verhalten nichts Neues war. Zurück an der Schule angekommen, brauchte ich erstmal eine Pause von dem Trubel. Die Kinder wussten meinen Namen und den von meinen beiden Freundinnen inzwischen sehr gut. Wenn wir auf den Balkon traten, um zu unserem Gästezimmer zu gelangen, ertönte lautstark von unten vor dem Haus unser Name. Die Nachbarskinder standen dort, riefen zu uns hoch und klatschten in die Hände.
So was habe ich auch noch nicht vorher erlebt.
Tanzen im Dorf
Von der Schule bei Bechem, wo wir drei hinfuhren, diesmal im VIP-Bus, hatte H. mir und A. schon viel erzählt. Nachdem sie vor zwei Jahren ein halbes Volunteer-Jahr absolviert hatte, befanden sich ihre Schwester N. und deren beste Freundin T. dort. Nach einer sehr langen Fahrt im Bus, nach der ich wünschte, ich müsste ein paar Stunden zur Abwechslung nicht sitzen, kamen wir in der Dämmerung an der Schule an. Schon auf dem hügeligen Weg, den unser Taxi rumpelnd auf dem letzten Stück Strecke überquerte, sahen wir N. und T. entlang spazieren. Die Wiedersehensfreude mit H. war groß.
Im Nebenraum der Schule wurden wir mit üppigen Essen empfangen, dass für uns fünf tatsächlich die nächsten drei Mahlzeiten reichte. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, Red Red zu essen, frittierte Kochbananen mit Bohnensoße.
Und ich freute mich, dass es hier eine Dusche mit richtigem Duschkopf gab anstelle von Eimern mit Wasser, die man sich über den Kopf gießen musste.
Am gleichen Abend fanden N. und T. in der Dusche noch einen Skorpion, den sie schleunigst zur Strecke brachten. Danach hatte ich Gelegenheit, endlich ausgiebig zu duschen.
Doch vorher kamen noch die Nachbarskinder vorbei, ins Nebenzimmer unserer Unterkunft, wo laute Musik abgespielt wurde, mit der man uns offenbar willkommen hieß.
Die Kinder fingen an, zu tanzen, und forderten uns auf, es ihnen gleich zu tun. Zugleich wollten sie unentwegt auf unseren Arm, unsere Haare und unsere (bisher noch ziemlich blassen) Arme anfassen (ganz besonders mein Sonnen-Tattoo auf dem Oberarm). Tanzen konnten sie wirklich mit einer Dynamik und Rhytmik, von der ich mich schnell anstecken ließ. Ich liebe es, zu tanzen. Mit diesen Kindern, die offensichtlich mit so viel Spaß bei der Sache waren, egal, wie klein sie noch waren, war es noch ein ganz anderes Erlebnis. Es war unglaublich heiß und der Tag war lang gewesen, aber nach dem langen Sitzen im Bus wollte ich nichts mehr, als mich zu bewegen und zu tanzen. Die Lebensfreude der Kinder und der anderen, die mit uns tanzten, übertrug sich auf mich.
An dem Abend hatte ich das Gefühl, wirklich in Ghana angekommen zu sein.
Im Nebenraum der Schule wurden wir mit üppigen Essen empfangen, dass für uns fünf tatsächlich die nächsten drei Mahlzeiten reichte. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, Red Red zu essen, frittierte Kochbananen mit Bohnensoße.
Und ich freute mich, dass es hier eine Dusche mit richtigem Duschkopf gab anstelle von Eimern mit Wasser, die man sich über den Kopf gießen musste.
Am gleichen Abend fanden N. und T. in der Dusche noch einen Skorpion, den sie schleunigst zur Strecke brachten. Danach hatte ich Gelegenheit, endlich ausgiebig zu duschen.
Doch vorher kamen noch die Nachbarskinder vorbei, ins Nebenzimmer unserer Unterkunft, wo laute Musik abgespielt wurde, mit der man uns offenbar willkommen hieß.
Die Kinder fingen an, zu tanzen, und forderten uns auf, es ihnen gleich zu tun. Zugleich wollten sie unentwegt auf unseren Arm, unsere Haare und unsere (bisher noch ziemlich blassen) Arme anfassen (ganz besonders mein Sonnen-Tattoo auf dem Oberarm). Tanzen konnten sie wirklich mit einer Dynamik und Rhytmik, von der ich mich schnell anstecken ließ. Ich liebe es, zu tanzen. Mit diesen Kindern, die offensichtlich mit so viel Spaß bei der Sache waren, egal, wie klein sie noch waren, war es noch ein ganz anderes Erlebnis. Es war unglaublich heiß und der Tag war lang gewesen, aber nach dem langen Sitzen im Bus wollte ich nichts mehr, als mich zu bewegen und zu tanzen. Die Lebensfreude der Kinder und der anderen, die mit uns tanzten, übertrug sich auf mich.
An dem Abend hatte ich das Gefühl, wirklich in Ghana angekommen zu sein.
Freitag, 9. März 2018
Reis
Wie viele von euch, liebe Leser und Leserinnen, vorher sicherlich schon vermutet haben, kommt eins in Ghana sehr oft auf den Teller: Reis. Gebrater Reis, Reis mit Gemüse, Jollof Reis (mit Tomatensoße) usw..Dementsprechend sind große Portionen von Reis auch in den Geschäften zu finden. Als ich einmal vor einem Regal in einem etwas größeren Shop stand, staunte ich nicht schlecht über das Angebot an Reis und vor allem die Menge in einer Tüte. Ein Grund, weshalb Reis so beliebt sein könnte, ist der, dass er nicht viel kostet, sättigt und in verschiedenen Variationen lecker zuzubereiten ist.
Von Trotros und VIP-Bussen
Während der Zeit in Ghana tourten wir drei viel mit dem Bus durchs Land. Meistens nahmen wir Trotros, die ähnlich wie VW-Busse gebaut sind, und die, wenn man ein Signal gibt, am Straßenrand halten und einen mitnehmen, falls es die gewünschte Richtung ist. Darin saß immer jemand, der die Schiebetür bediente und das Geld von den Fahrgästen einsammelte. Wenn man Trotro fährt, sollte man nicht zu schnell genervt sein von der lauten Musik bzw. den Musikvideos, die durchgehend abgespielt werden, bzw. von den anderen Fahrgästen, die sich an einem vorbeiquetschen oder bei der Fahrt neben einem einschlafen. Nach meinem ersten Tag in Accra, an dem wir mit mehren Trotros sehr lange im Stau standen, war ich tatsächlich genervt von den rumpelnden Gefährten, sodass ich erstmal froh war, dass wir tags darauf auf dem langen Weg nach Bechem einen VIP-Bus nahmen. Die VIP-Busse in Ghana sind mit den Reisebussen in Deutschland vergleichbar und etwas teurer als die Trotros. Aus diesem filmte ich das obige Video.
Später gewöhnte ich mich allerdings auch an die Trotros, sodass es mir nichts mehr ausmachte, damit Langstrecken zu fahren, meinen Backpackerrucksack unter den Sitzen. Übrigens: In Ghana gibt es keine Fahrpläne. Der Bus bzw. das Trotro fährt los, wenn er voll ist. Und wenn das drei Stunden dauert. Das mag unvorstellbar sein, wenn ich sehe, dass manche Fahrgäste in Deutschland sich schon aufregen, wenn die U-Bahn drei Minuten zu spät kommt. Nicht so in Ghana, da gelten andere Regeln. Deshalb dürfte es auch nicht wundern, dass A. und ich vor unserem Abflug überpünktlich am Abreisetag zum Flughafen aufgebrochen sind. So überpünktlich, dass wir sechs Stunden zu früh dran waren. Jedenfalls, trotz aller Turbulenzen, die man mit den Gefährten in Ghana erlebt, sind wir immer zum Ziel gekommen, wo wir hinwollten, auch wenn es manchmal ein bisschen gedauert hat.
Vegan in Afrika
An unserem ersten Tag in Ghana hatte B. uns ein Bohnengericht mit Lauch und anderem Gemüse besorgt, von dem wir drei sehr schnell satt wurden. Auf den ersten Blick mochte es nicht unbedingt appetitlich aussehen, doch es schmeckte ganz in Ordnung. Es ist hier normal, Reis oder Bohnen oder überhaupt scharfes Essen zum Frühstück zu verspeisen statt Brot mit Marmelade."Das Essen stopft ganz schön", erklärte H.. So war es kein Wunder, dass wir selbst nach unserem langen Tag in der Hitze und langen Fahrten in den Trotros bzw. Bussen kaum Hunger verspürten. Von den Nudeln mit Gemüse, die bei B. zuhause nach dem Kinobesuch auf uns warteten, konnte H. mich und A. dann doch überzeugen. Liebe Leser und Leserinnen, habt ihr schonmal scharfes Essen beim asiatischen Imbiss in Deutschland bestellt? Vielleicht auch das, bei dem am Kartenrand angemerkt ist, dass es besonders scharf sei? Und haben euch danach fast die Ohren gequalmt? Ich habe fast geweint, so scharf waren die Bratnudeln, und doch fand ich sie ziemlich lecker, auch wenn es sich so anfühlte, als könnte ich danach Feuer speien.
Während meiner weiteren Zeit in Ghana lernte ich viele exotische Gerichte kennen. Mein Lieblingsgericht in diesem Land wurde "Red Red". Es besteht aus frittierten Kochbananen und stark gewürzter Bohnensoße. In Bechem bei H.'s Schwester kam ich erstmals in den Genuss von Red Red und bestellte es mir daraufhin ziemlich häufig zum AbendessenHungern musste ich als Veganerin ganz sicher nicht in Ghana. Kuhmilch ist hier so gut wie gar nicht zu finden, höchstens welche, die importiert wurde. Fleisch ist hier auch eher Luxus für die Einheimischen und weit nicht so oft auf der Speisekarte zu finden. Meiden musste ich hier eher Fisch und Ei, beides war wesentlich üblicher. Viele Menschen halten sich Hühner, vor allem in den Dörfern, und fischen an der Küste. H. half mir und A., nur die Gerichte zu essen, die auch vegetarisch (für sie und A. ) und vegan (für mich) waren. Somit kam ich mit Essen in den drei Wochen ziemlich gut zurecht.
Erst am letzten Tag, als A. und ich bereits am Flughafen saßen, bestellte ich mir meinen wohlbekannten Jollof Reis, der bisher auf meiner Ghanareise immer vegan gewesen war, und bat, kein Ei daran zu tun. Leider fiel A. auf, dass in dem Reis Fisch enthalten war, und zwar erst, nachdem die Portion verputzt war. Er war so stark gewürzt, dass man den Fisch nicht herausschmeckte. Ich ekelte mich so sehr (auch, wenn das für Nicht-Veganer höchst seltsam sein muss), dass ich die Mahlzeit auf der nächsten Toilette erbrach.
Wenn man von diesem Missgeschick am Ende einmal absieht, ist vegane Ernährung in Ghana an sich nicht schwerer hinzukriegen als bei mir zuhause. Ich musste in den Imbissen sehr selten Sonderbestellungen machen oder darum bitten, etwas Tierisches wegzulassen. Das gewürzte Essen war oftmals erst gewöhnungsbedürftig, doch ich kam auf den Geschmack. Es ging soweit, dass ich in unserem Lieblings-Frühstücksimbiss an unserer letzten Etappe Busua zum Frühstück Indomie (scharfe Nudeln mit Gemüse, wie oben schon erwähnt) oder Avocadosalat bestellte, während die anderen Pancakes oder Toast wählten. Übrigens, in Ghana gibt es riesige, cremige Avocados, wie man sie in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt. Ich glaube, das Essen ist hier auch so scharf, weil die Schärfe die Keime abtötet, die sich in der Hitze rasch entwickeln können. Das gilt auch fürs Frühstück.
An unserem letzten Abend in Ghana schlug H. vor, A. und ich sollten mal Banku probiert haben, bevor wir nachhause fuhren. "Wie kann ich mir Banku vorstellen?", wollte ich wissen. "Es ist so ähnlich wie Kartoffelklöße", meinte H. daraufhin. Als es uns zusätzlich mit einer Schüssel und einer Kanne Wasser zum Händewaschen serviert wurde (Dieses Gericht isst man offenbar mit der Hand), war ich doch etwas erstaunt. Banku war eine breiartige Masse, von der wir uns mit den Händen etwas abnahmen und es in die dazu gestellte Erdnusssoße tauchten. A. stellte schnell fest, dass es nicht ihr Fall war. H., ihre Schwester N. und deren Freundin T. waren es im Gegensatz zu uns beiden schon gewöhnt. "Das ist mit Abstand das Seltsamste, das ich je gegessen habe", verkündete ich, doch eigentlich schmeckte es mir ganz gut. Wer exotisches Essen liebt, ist in Ghana gut aufgehoben.
Accra
An unserem ersten Tag brachen wir zum Markt auf. B. nahm uns auf dem Weg zur Arbeit ein Stück mit. Während laut Musik im Autodudelte, sah die Stadt an mir vorüberziehen: Die Strassen waren von Flachdach-Häusern gesäumt und bestanden manchmal nur aus dunklem, staubenden Sand.
Der afrikanische Markt in Accra ist, wie man sich vielleicht schon vorstellen kann, sehr farbenfroh. Das trifft sowohl auf die von den Händlern angepriesene Ware zu als auch auf Dekosachen aller Art. Es ging ähnlich zu wie auf einem türkischen Bazar, jeder wollte einen reinbitten und uns die Ware vorzeigen. An Angeboten mangelte es nicht, doch ich stellte schnell fest, dass die allzu bunte Mode nicht meins ist. Oftmals präsentierten uns Künstler gemalte Bilder mit Motiven wie Zebras in der Steppe oder Frauen, die einen Obstkorb auf dem Kopf trugen. Ich musste ziemlich schnell klar machen, dass ich nicht vorhatte, mit meinem Backpacker-Rucksack eingerollte Gemälde, Mini-Trommeln oder bunt gemusterte Jumpsuits mit nach Deutschland zu nehmen.
Lustig wurde es bei einem Trommlerstand, wo wir von dem Händler eingeladen wurden, hinzusetzen und die Trommeln vor uns zu stellen und zu trommeln. Ich hab noch nie getrommelt und bin auch sonst nicht besonders musikalisch begabt. Spaßig war es trotzdem zusammen mit A. und H.
Zu meinem Erstaunen befand sich in Accra sogar ein Kino, was in Ghana eher ungewöhnlich ist. Wir sahen uns zusammen mit H.'s Freunden, die den Film ausgesucht hatten, "Black Panther" an. Darin wird die Geschichte des ersten schwarzen Superhelden im Comic-Universum erzählt, mit viel Action und politischen Aspekten an einem fiktiven Ort in Afrika. Mir fiel auf, dass die Kinobesucher alle zu johlen begannen, als in einer Szene im Museum das Wort "Ghana" einmal fiel. Ebenso brach der Kinosaal in Jubel aus, als König T'Challa alias Black Panther totgeglaubt den brennenden Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs entsteigt, um sich dann in den Kampf mit seinem Widersacher Killmonger zu stürzen. Von der Kussszene am Schluss muss ich gar nicht erst reden.
Der afrikanische Markt in Accra ist, wie man sich vielleicht schon vorstellen kann, sehr farbenfroh. Das trifft sowohl auf die von den Händlern angepriesene Ware zu als auch auf Dekosachen aller Art. Es ging ähnlich zu wie auf einem türkischen Bazar, jeder wollte einen reinbitten und uns die Ware vorzeigen. An Angeboten mangelte es nicht, doch ich stellte schnell fest, dass die allzu bunte Mode nicht meins ist. Oftmals präsentierten uns Künstler gemalte Bilder mit Motiven wie Zebras in der Steppe oder Frauen, die einen Obstkorb auf dem Kopf trugen. Ich musste ziemlich schnell klar machen, dass ich nicht vorhatte, mit meinem Backpacker-Rucksack eingerollte Gemälde, Mini-Trommeln oder bunt gemusterte Jumpsuits mit nach Deutschland zu nehmen.
Lustig wurde es bei einem Trommlerstand, wo wir von dem Händler eingeladen wurden, hinzusetzen und die Trommeln vor uns zu stellen und zu trommeln. Ich hab noch nie getrommelt und bin auch sonst nicht besonders musikalisch begabt. Spaßig war es trotzdem zusammen mit A. und H.
Zu meinem Erstaunen befand sich in Accra sogar ein Kino, was in Ghana eher ungewöhnlich ist. Wir sahen uns zusammen mit H.'s Freunden, die den Film ausgesucht hatten, "Black Panther" an. Darin wird die Geschichte des ersten schwarzen Superhelden im Comic-Universum erzählt, mit viel Action und politischen Aspekten an einem fiktiven Ort in Afrika. Mir fiel auf, dass die Kinobesucher alle zu johlen begannen, als in einer Szene im Museum das Wort "Ghana" einmal fiel. Ebenso brach der Kinosaal in Jubel aus, als König T'Challa alias Black Panther totgeglaubt den brennenden Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs entsteigt, um sich dann in den Kampf mit seinem Widersacher Killmonger zu stürzen. Von der Kussszene am Schluss muss ich gar nicht erst reden.
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