Samstag, 15. Oktober 2022

Verona

Stundenlang raste der ICE durch Deutschland und die Temperatur im Zug wurde Stück für Stück immer wärmer, sodass ich mir meine Jeansjacke irgendwann auszog. Nun warteten noch wärmere Temperaturen auf mich als im sommerlichen Norddeutschland und im rauen Klima Schottlands. Beim Umstieg in München holten wir uns einen Kaffee und stiegen dann in den österreichischen Zug, der uns ins norditalienische Verona brachte. Die Strecke führte uns unter anderem durch Innsbruck, das mir durch M.'s und meinen Trip vom letzten Jahr etwas vertraut vorkam. Z. und ich lasen während der Zugfahrt und hörten Musik, doch je bergiger die Landschaft wurde, desto mehr Zeit verbrachten wir damit, neugierig aus dem Fenster zu schauen. Als es dunkel wurde, erreichten wir die Endstation: Verona.

Schon auf der Fahrt zu unserem Hotel konnten wir aus dem Fenster des Busses einen Blick auf das beleuchtete Amphitheater erhalten, in dem regelmäßig Opern unter freiem Himmel stattfinden. Das Amphitheater liegt im Zentrum der Stadt, sodass wir an den folgenden Tagen dort immer wieder vorbeikommen sollten. Am letzten Abend bekamen wir sogar die Gelegenheit, ein wenig der Musik zu lauschen, die aus dem Inneren des Amphitheaters drang. 

Die meisten kennen Verona als Schauplatz von Shakespeares Liebesdrama "Romeo und Julia". Es gibt in der Altstadt ein Wohnhaus aus dem 14. Jahrhundert, das als "Haus der Julia" gilt, auch wenn die Geschichte um Romeo und Julia frei erfunden ist. Der Hype um das Liebespaar lockt viele Tourist*innen nach Verona. Dort gibt es einen Balkon, bei dem die Geschichte, dass Julia darauf auf ihren Romeo gewartet hat, leibhaftig vorstellbar wird. Zudem gibt es in dem kleinen Hof, in dem sich zahlreiche Menschen mit ihren Kameras tummeln, eine Statue von Julia. Der Hof war an sich ziemlich charmant und so versteckt, dass Z. und ich zuerst daran vorbeiliefen. Eine Wand schillerte komplett in rot, da sie über und über mit Liebesschlössern in Herzform behangen war. Die anderen Wände waren mit Hinweisen versehen, dass keine Schriftzüge draufgekritzelt werden dürften und die Bauten der Stadt respektiert werden sollten. 

Daher gab es die Wand, die auch aus dem Hollywoodfilm "Briefe an Julia" vorkommt, nicht mehr. An diese waren früher mehrere Liebesbriefe oder Wünsche, die im Bezug auf Liebe an Julia gerichtet wurden, gepinnt. Z. und ich spazierten durch die Innenräume des Hauses, die uns Shakespeares Theaterstück durch ein paar alte Roben sowie ausgestellte Exemplare des Drehbuchs greifbar machen sollten, und durften dabei auch einmal auf den Balkon der Julia treten.

In Verona verbrachten Z. und ich viel Zeit damit, durch die roten, in warmen Farben gehaltenen Gassen der Stadt zu laufen und in süßen Straßencafés zu sitzen. Zwischendurch war es so warm, dass wir einfach im Schatten verweilten und langsam durch die Stadt treiben ließen. Die romantische Atmosphäre lädt auch dazu ein, an manchen Aussichtspunkten, wie oben auf dem Hügel über der Stadt, bei einem kalten Getränk zu sitzen und auf die roten Dachziegeln und das Labyrinth aus Gassen, durch die gerade mal so ein Auto hindurchpasst, hinunterzuschauen. Norditalien ist zudem der Ursprung des beliebten Focaccias. Da ich sogar in einem Supermarkt welches finden konnte, das als vegan gekennzeichnet war (Achtung: Das Originalrezept ist nämlich mit Schweineschmalz!), ernährte ich mich während unseres Urlaubs hauptsächlich davon. Es gab Variationen mit Zwiebeln, Tomaten oder Oliven, sodass ich mich durch die verschiedenen Sorten durchprobierte. Z. war ebenfalls sehr neugierig auf die italienische Küche. In einem veganen Restaurant in der Nähe des Flusses bestellte sie sich das erste Mal, seit wir hier waren, zum Abendessen Nudeln. Das waren dann auch die Speisen, die ich in Norditalien überall finden konnte und an die ich mich gut erinnern kann: Pasta und Focaccia.

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