Am ersten Abend der Bustour fuhren wir in der Dämmerung über eine Autobrücke auf die in den Highlands liegende Isle of Skye im Nordwesten Schottlands. In Portree angekommen war der Busfahrer so nett, uns in der Nähe des Campingplatzes abzusetzen, auf dem wir die nächsten beiden Nächte verbringen wollten. Ich förderte das Zelt aus den Untiefen meines Backpacker-Rucksacks und baute mit L. im Nu unser Nachtlager auf. Es war so klein und leicht, dass ich fast vergessen hatte, es durch fast ganz Großbritannien bis hierher transportiert zu haben. Als wir vor Reisebeginn eine Unterkunft in Portree gesucht hatten, waren wir erst einmal schockiert gewesen, dass es zum Einen kaum freie Unterkünfte gab und zum Anderen vor uns auf dem Laptop Preise aufploppten, denen nach wir mehrere hundert Euro umgerechnet pro Nacht hätten zahlen müssen. Bei intensiver Recherche erfuhr ich, dass Portree an sich nicht so viele Unterkünfte zu bieten hat und viele Tourist*innen, die im Sommer anreisen, sich normalerweise Monate vorher um einen Schlafplatz bemühen müssen. Doch wir hatten einen andere Lösung gefunden.
Donnerstag, 13. Oktober 2022
Portree
An einem Nachmittag, nachdem der Bus uns nach einer Tour über die Insel wieder in Portree abgesetzt hatte und es anfing, in Strömen zu regnen, beschlossen L. und ich, uns irgendwo mal wieder einen Black Tea zu gönnen. "Schau mal, da könnten wir rein", sagte ich und zeigte auf ein Café, das sich auf dem zentralen Dorfplatz befand undvor dem gewächshausartig anmutende Häuschen mit Tischen und Stühlen befanden, "Da wird es bestimmt gemütlich."
Am Tresen bestellten wir uns eine große Kanne Tee und ein Kännchen Hafermilch und setzten uns mitten in Portree in eines der Glashäuser, das durch eine Wärmelampe aufgeheizt wurde. Während der Regen auf das Dach trommelte, tranken wir Tee, luden vorsorglich unsere Handyakkus auf und quatschten lange über den bisherigen Tag und unsere Eindrücke. "Du trinkst auch so gern Hafermilch im Tee wie ich, stimmt's? Oder ist das nur, weil wir gerade hier sind?", überlegte ich, als ich L. Tee nachschenkte, weil ich nur wenige wie mich kenne, die nicht nur Kaffee, sondern auch gern Tee mit Hafermilch trinken. "Ich bin so sozialisiert", erwiderte L. lachend und erklärte mir, dass es bei ihr zuhause nicht anders sei.
Als der Regen aufgehört hatte und wir eine weitere Kanne Tee geleert hatten, spazierten wir noch ein wenig durch die regennassen Straßen von Portree und zum Hafen, der durch seine pittoreske bunte Häuserreihe am Wasser hervorstach. Sogar hier fanden wir wieder eine rote Telefonzelle vor, die offenbar als Bücherregal zum Bücher- und Sachentausch genutzt wurde, und inmitten der Sträucher in Wassernähe sowie der Highlands am Horizont ein interessantes Bild abgab.
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