Mittwoch, 12. Oktober 2022

Der erste Tag in Edinburgh

 "Ich bin nun unterwegs zum Flughafen", poppte auf meinem Handy eine Nachricht auf. L. war nach Edinburgh unterwegs, genau wie ich, die gerade in einem englischen Zug die Reise in den Norden der britischen Insel fortsetzte. Hinter der Fensterscheibe, an die ein paar Regentropfen klatschten, zogen jede Menge grüne Wiesen an mich vorbei, auf denen Schafe grasten. 
Leider trudelte mein Zug am nächsten Umsteigebahnhof etwas spät ein, weshalb ich ein wenig nervös aufstand und mich mit meinem Gepäck in Richtung Tür bewegte. Ich war nicht die einzige, die Sorge hatte, ihren Anschluss zu verpassen. Eine junge Solo-Reisende aus den USA eilte mit mir zusammen zu dem Gleis unseres Anschlusszugs, der ebenfalls Verspätung hatte. Dabei erzählte sie mir, dass sie neugierig auf Schottland gewesen sei und daher allein aus den USA hierhergereist sei.

Am selben Nachmittag stand ich vor einer roten Tür in Edinburgh und klingelte bei S., unseren Airbnb-Gastgeber. Wie auch schon in Liverpool konnte ich einige Tüten Schwarztee, sogar die gleiche Marke wie in meiner Unterkunft in Liverpool, im Gästezimmer vorfinden. Ich ahnte schon, dass sich L. als Teeliebhaberin sehr darüber freuen würde, wenn sie abends ankommen würde. Einige Stunden später saßen wir unter der Dachschrägen unserer Unterkunft, hinter uns jede Menge Bücherregale und ein paar urige Kommoden, und planten im Schein der Nachttischlampe ein wenig die kommende Tage.

Am nächsten Morgen erwartete uns zuerst ein Frühstück im Airbnb mit geröstetem Brot, Beeren aus S.'s Garten und Kaffee. L. und mir war zuerst gar nicht klar gewesen, dass wir mit diesem Airbnb gleichzeitig ein in Großbritannien typisches "Bed and Breakfast" gebucht hatten. S. hatte sich gemerkt, dass ich vegan lebe und dementsprechend viel Mühe gegeben, dass ich genügend Auswahl an veganem Essen hatte.

Als wir danach mit gefüllten Mägen und voller Motivation für den ersten Tag in Edinburgh aufbrachen, konnten wir einiges entdecken. In der Altstadt sahen wir einem Straßenkünstler im Schottenrock dabei zu, wie er Leiterakrobatik (Kunststücke auf einer Leiter, wie der Name schon verrät) im grün karierten Schottenrock vollführte und mit Keulen jonglierte, auf einem Platz inmitten der für Edinburgh typischen gotischen Kirchen und Gebäude. Die roten Bushaltestellen, wie die meisten sie aus London kennen, gab es auch, sowie die roten Doppeldeckerbusse. In der sogenannten "Royal Mile", die ein wenig bergauf zum Schloss führte, gab es besonders viele davon. Im öffentlichen Nahverkehr sahen die Busse, mit denen L. und ich fuhren, allerdings noch etwas anders aus, zwar auch doppelstöckig, jedoch so bordeauxrot wie mein Oberteil an diesem Tag. L. machte zwischendurch ein Video von einem der Dudelsackspieler, denen wir in der Altstadt an vielen Ecken begegneten, und sandte ihrer Familie damit einen Urlaubsgruß nachhause.

Bei Dämmerung liefen wir den Calton Hill hinauf, wo wir nicht nur zu dem gegenüberliegenden Hügel, dem Arthur's Seat, eine gute Aussicht hatten, sondern über ganz Edinburgh. Von hier aus konnten wir einige der Orte entdecken, an denen wir die Stunden davor vorbeigelaufen waren. Wir waren uns einig, dass dies eines Highlights des ersten Tages in Edinburgh war.

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