Samstag, 15. Oktober 2022

Mailand: Zwischen Kathedrale und Luxusgeschäften

Als ganz anders als das verträumte Verona mit seinen schmalen, terracottafarbenen Gassen entpuppte sich die norditalienische Großstadt Mailand. Die Stadt war trubeliger und lauter, das Großstadtfeeling war hier deutlich spürbar. Ich konnte am Bahnhof einige gelbe Straßenbahnen entdecken, die einen absoluten Hingucker darstellten. Z. und ich brauchten keine zwei Stunden mit der italienischen Fernbahn in die zweitgrößte Stadt Italiens. Das Wetter war bereits am frühen Mittag sehr heiß. 

Da Z. noch nicht gefrühstückt hatte, während mein Magen schon mit Focaccia gefüllt war, gingen wir in ein Café nahe des Bahnhofs. Zu meiner Freude standen auch einige vegane Speisen auf der Karte. Z. bestellte sich einen Frühstücksteller und ich bestellte mir einen Cappuccino mit Hafermilch. Als ich an diesem nippte, wunderte ich mich zuerst über den seltsamen Geschmack und fragte beim Kellner nach. Dieser versicherte mir jedoch, dass der Cappuccino mit Hafermilch sei. Wenig später eilte er zum Tisch und wies mich daraufhin, dass Kuhmilch in dem Cappuccino sei. Das erklärte den merkwürdigen Geschmack. Ich musste erst einmal würgen und rannte zur Toilette, wo ich mich am liebsten vor lauter Ekel und Scham übergeben hätte. Vorher war mir, die seit rund zehn Jahren keine tierischen Produkte zu sich genommen hatte, das noch nicht passiert, dass mir jemand Kuhmilch statt Pflanzlich in den Kaffee kippte.

Nachdem mir einen Abend später in Verona in einem Café am Marktplatz nochmal das Gleiche passieren sollte, ich aber sofort ahnte, dass es sich um Kuhmilch handelte, beschloss ich, von nun an nie wieder in Italien Kaffee mit Hafermilch zu bestellen. Espresso tat es schließlich auch. Nach dem Zwischenfall in Mailand lagen meine Nerven dementsprechend etwas blank, als wir im Hotel eincheckten. Z. war so lieb und versuchte, mich zu trösten. Sie konnte meine Niedergeschlagenheit gut nachvollziehen, da sie selbst aufgrund ihrer Religion halal lebt und keinen Alkohol trinkt. "Ich glaube, das liegt daran, dass die Menschen in ihrer Mentalität hier alles etwas lockerer sehen", sagte sie, "Das führt dann leider auch mal dazu, dass sie sich dann weniger Kopf um solche Dinge machen und dir am Ende Kuhmilch geben statt das, was du eigentlich wolltest." Als mir der Kellner in Verona dann ein neues Getränk brachte, konnte ich hinter dem Tresen beobachten, wie mir Sojamilch eingefüllt wurde und nicht etwa Hafermilch- doch immerhin hatte ich nun etwas Pflanzliches bekommen, sodass ich mich nicht weiter beschweren wollte.

Was in Mailand natürlich nicht fehlen durfte, war eine Fahrt zum imposanten Mailänder Doms und der daneben liegenden Galleria Vittorio Emmanuele mit den zahlreichen Luxusgeschäften. Das Einkaufszentrum wurde nach dem König Viktor Emanuel II benannt. Mit dem Bus gelangten wir dorthin, nachdem wir vergeblich einen Automaten für die Fahrscheine gesucht hatten, jedoch dann netterweise von dem Busfahrer ins Hintere des Busses durchgewunken wurden. Schon beim Aussteigen, waren die weißen Spitzen der weißen Kathedrale unverkennbar. Da verstand ich, weshalb es beinahe insgesamt beinahe sechs Jahrhunderte gedauert hatte, das Bauwerk in all seiner detailreichen Verzierung fertigzustellen. Der Dom war gut besucht, dass wir beschlossen, die lange Wartezeit zum Anstehen hierfür nicht auf uns zu nehmen, sondern dafür lieber den Platz vor dem Dom zu erkunden: Darunter auch die Galleria Vittorio Emmanuelle II.

Die Galleria Vittorio Emmanuelle II wirkte auf mich sehr glamourös und passend zu den vorhandenen Luxusgeschäften wie Victoria's Secret und Gucci. Sie war ein Hingucker, selbst wenn wir nicht vorhatten, hier Geld zu lassen- außer für ein Eis vielleicht. Es tummelten sich unglaublich viele Menschen hier und vor einem Eisladen am Eingang befand sich eine lange Schlange. Bei genauerem Hinsehen sah ich auch, warum: Es wurde nicht einfach irgendein Eis verkauft, sondern Eiskugeln, die in Form von Rosenblüten modelliert wurden. Das gerechtfertigte den Preis von ungefähr sechs Euro für eine Kugel in der Eiswaffel. Vegane Optionen, wie Himbeere und Mango als Eissorten gab es auch dabei. Z. gönnte sich eines der Eis-Kunstwerke und während wir uns der Schlange einreihten, hatte ich die Gelegenheit, die Einkaufsgalerie etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Ich hatte gelesen, dass die Galerie zu den ältesten Einkaufszentren der Welt gehört. Auf dem Mosaikboden war ein Stier abgebildet, der fast durch die Massen an Menschen verdeckt wurde. Die meisten davon, so erschien es mir, waren wegen der rosenförmigen Eiskugeln hierhergekommen.

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