Mittwoch, 12. Oktober 2022

Mysterious Edinburgh


Während der nächsten Tage erkundeten L. und ich weiter Edinburgh und zogen in die nächste Unterkunft, wohlwissend, dass wir das Frühstück bei S. vermissen würden. Die nächste Unterkunft befand sich nahe des Schlosses und war insofern praktisch gelegen, da wir von hier aus bald in die Highlands aufbrechen würden. 

Nicht nur das mittelalterliche Erbe der Stadt spiegelte sich in der Altstadt durch die gotische Architektur und das Schloss, das oben auf einem Hügel thronte, wider. Auch die Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, die in Edinburgh lebt, hat mit ihrer Fantasy-Reihe Einflüsse hinterlassen. In der Victoria Street, bei der es heißt, sie habe sich davon für die "Winkelgasse", die Einkaufsstraße in der magischen Welt, inspirieren lassen. Für Harry-Potter-Fans ist das hier ein absolutes Paradies. In der Straße mit den bunten Häusern und den zwischen den Gebäuden aufgehängten Wimpeln reiht sich ein Bücher- und Geschenkeladen nach dem anderen, in dem Zauberstäbe, Bücher über magische Tierwesen und Ähnliches angeboten wird. Manche der Läden entpuppen sich sogar als kleine Harry-Potter-Museen, sodass das Hindurchspazieren allein schon spektakulär ist. 

L. und ich hatten die Bücher und Filme des Zauberschülers gelesen, sodass wir einiges wiedererkennen konnten. Nicht weit von der Straße befindet sich der Greyfriar's Kirkyard, ein kleiner Friedhof, auf dem wir eine Menschentraube vor Thomas Riddell's Grab vorfanden. Von dem Namen auf dem Grab ließ sich J.K. Rowling angeblich dazu inspirieren, den Bösewicht in der Harry-Potter-Reihe zu entwerfen. Einige Harry-Potter-Fans nahmen gerade an einer Führung teil und ließen sich über die Hintergründe des Grabes aufklären. "Eigentlich ist das total verrückt", resümierte ich, als L. und ich dies beobachteten. "Wenn der Thomas Riddell das zu Lebzeiten gewusst hätte." Wir sinnierten ein wenig darüber nach, wie merkwürdig es eigentlich war, dass ein Grab auf einem Friedhof zu einer Art Touristenattraktion geworden war und ob das nicht kritisch gesehen werden könnte. "Das ist schon schräg", gab mir L. Recht. "Nun sind wir selbst auch hierher gegangen", fasste ich zusammen, als wir den Friedhof wieder verließen.
Mit den geheimnisvollen, etwas "spooky" Orten in Edinburgh war es damit jedoch noch nicht für uns getan. L. hatte auf ihrer To-Do-Liste stehen, eine Unterwelten-Tour zu machen, bei der wir in die Kellergewölbe unter den altstädtischen Gassen im Dunkeln geführt wurden, um über die düstere Zeit der dortigen Gefangenschaft von Hexen und anderen als bedrohlich eingestuften Menschen aufgeklärt zu werden.

 In dem Raum am Anfang des Ausflugs, in dem Foltergegenstände ausgestellt waren, hielt ich mich lieber nicht zu lange auf. Unser Guide führte uns durch die feuchten Räume, die spärlich mit Kerzen beleuchtet waren, und gab dabei einige Geistergeschichten zum Besten. L., die Geschichte als Studienfach belegt hat, war sofort in ihrem Element. Eine solche Tour kann ich hauptsächlich Menschen empfehlen, die keine Angst im Dunkeln haben, nicht schreckhaft sind und zudem ein großes geschichtliches Interesse haben. 

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